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Politik

Anleitung für Friedensmissionen

Das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) in Berlin trainiert ziviles Personal für Friedensmissionen. Blauäugige Idealisten haben dabei keine Chance.

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UN-Freiwillige in Ost-Timor

Es ist nicht leicht, einen der begehrten Plätze des Sicherheitstrainings des ZIF zu bekommen. Auf einen Kurs kommen bis zu 200 Bewerber, nur 24 dürfen teilnehmen. "Wir suchen keine Bewerber aus dem medizinischen oder technischen Bereich", sagt der Cheftrainer des ZIF, Markus Postert im Gespräch mit DW-WORLD. "Wir bilden für Einsätze im politischen Bereich aus. Dazu gehören unter anderem die Beobachtung und Überwachung von Wahlen". Gute Chancen haben deshalb Politikwissenschaftler, Juristen, aber auch Historiker und Ethnologen mit guten Fremdsprachenkenntnissen und Auslandserfahrung. In den Kursen sind häufig auch ehemalige Polizisten oder Soldaten der Bundeswehr.

Sicherheitstraining nur erster Schritt

Das Sicherheitstraining des ZIF ist für die Bewerbung für einen Einsatz bei der OSZE oder der Europäischen Union Voraussetzung. Nur bei der UNO ist eine Direktbewerbung möglich. Wer erfolgreich an dem ZIF-Training teilgenommen hat, kommt zunächst in einen Personalpool des Auswärtigen Amtes. Bei Bedarf werden aus dieser Reserve Kandidaten ausgewählt und bei den Organisationen vorgeschlagen, die schließlich entscheiden, ob der Bewerber an der Mission teilnehmen darf oder nicht.

"Wer sich bewirbt, sollte sich das aber gut durch den Kopf gehen lassen", sagt Postert. "Man sollte sich schon vorher überlegen, was man nach dem Einsatz machen will". Viele hätten nach ihrer Rückkehr Schwierigkeiten, im Alltag wieder Fuß zu fassen. In den vergangenen vier Jahren wurden vom Auswärtigen Amt und vom im April 2002 gegründeten ZIF in 34 Kursen über 800 Personen trainiert. Die meisten kamen bei der OSZE unter und waren in deren Auftrag vor allem im Balkan und Zentralasien, aber auch Liberia oder Afghanistan unterwegs.

Lebensgefahr durch Selbstüberschätzung

Das Sicherheitstraining dauert zwei Wochen, kostet 300 Euro und soll die Teilnehmer schulen, sich in brenzligen Situationen richtig zu verhalten. "Wir zeigen den Teilnehmern, wie sie es vermeiden, sich zur Zielscheibe zu machen", sagt Postert. Dazu gehört ein unauffälliges Auftreten oder der richtige Umgang mit Geld. "Viele neigen schnell zur Selbstüberschätzung", so der Sicherheitstrainer, der selbst für die OSZE mehrere Jahre auf dem Balkan und in Südostasien tätig war. Manch einer glaubt zu früh, sich in einem Gebiet zurecht zu finden. Schon ein abendlicher Kneipenbesuch im falschen Stadtviertel könne einen Friedenshelfer in eine lebensgefährliche Situation bringen. "Man muss wissen wohin man gehen kann und sollte sich dabei vor allem auf die erfahrenen Mitarbeiter vor Ort verlassen".

Die größte Gefahr lauert nach Ansicht Posterts vor allem im Straßenverkehr, nicht nur durch Unfälle. "Überfälle auf Autos sind häufig, hin und wieder sind Wege mit Minen verseucht". Wer hier unüberlegt handelt, setzt sein Leben aufs Spiel. In den Kursen erhalten die Teilnehmer auch ein spezielles Fahrtraining, in dem sie lernen, einen Geländewagen sicher bei schwierigen Straßenverhältnissen zu steuern. Ein Restrisiko bleibt bei Einsätzen in Krisenregionen immer. "Bei einem Attentat wie dem auf die UN-Vertretung gibt es einfach keinen Schutz", so Postert.

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