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Europa

Anleger vertrauen Irland noch

Irland hat erfolgreich 1,5 Milliarden Euro mit Staatsanleihen eingenommen. Das Vertrauen der Anleger in das überschuldete Land hat allerdings seinen Preis. Irland muss hohe Zinsen für Anleihen zahlen.

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Frisches Geld für die Haushaltslöcher

Der Verkauf von irischen Staatsanleihen im Wert von 1,5 Milliarden Euro lief am Dienstag (21.09.2010) besser als erwartet. Bei der Auktion der Staatsanleihen griffen Investoren zu, weil sie offenbar glauben, dass das von Schulden schwer belastete Euro-Land Irland sich doch noch erholen wird. Am Wochenende hatte es noch Gerüchte an den Finanzmärkten gegeben, Irland werde nicht genügend Geld einsammeln können. Es werde eventuell sogar Beihilfen des Internationalen Währungsfonds oder der Europäischen Union brauchen. Diese Gerüchte waren nach Meinung von Finanzexperten übertrieben und basierten auf falsch interpretierten Kommentaren von Analysten. Die Zeitung "Irish Times" hatte berichtet, Irland sei wie Griechenland möglicherweise bald auf den Rettungsschirm der EU angewiesen.

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Teure Anleihen

Irland muss allerdings einen hohen Preise für die Ausgabe der Staatsanleihen zahlen. Vier Jahre laufende Anleihen müssen mit 4,77 Prozent verzinst werden. Im Monat zuvor lag der Zinssatz noch bei 3,63 Prozent. Acht Jahre laufende Anleihen stiegen von fünf Prozent im Juni auf aktuell sechs Prozent. Damit wird es für Irland immer teurer, neues Geld aufzunehmen. Obwohl die Regierung versucht, mit drastischen Sparmaßnahmen die riesigen Haushaltslöcher in den Griff zu bekommen, verlangen die Anleger diesen Risikoaufschlag. Das Wirtschaftswachstum in Irland ist nur sehr schwach. Zudem ist die Arbeitslosigkeit hoch und die Steuereinnahmen sinken. Außerdem verschlingt die Rettung der Anglo Irish Bank und anderer Geldinstitute fast 20 Prozent der irischen Wirtschaftsleistung. Auch im kommenden Jahr dürfte die irische Neuverschuldung bei rund 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen, drei Mal so viel wie nach den Regeln der Euro-Zone erlaubt.

Neben Irland haben jetzt auch Griechenland und Spanien erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt aufgetrieben. Für Griechenland sanken die Kosten dafür sogar leicht. Spanien, das noch im Sommer mit Gerüchten zu kämpfen hatte, es sei pleite, erhole sich zusehends, sagte David Keeble von der Bank Credit Agricole in New York.


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"Der Ernstfall tritt nicht ein"

Die Europäische Union hatte Anfang Mai zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds einen Rettungsfonds von insgesamt 750 Milliarden Euro aufgelegt, mit dem angeschlagene Euro-Länder vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet werden sollen. Der Fonds, der in Luxemburg vom deutschen EU-Spitzenbeamten Klaus Regling verwaltet wird, musste bislang noch nicht in Anspruch genommen werden. Regling sagte dem "Handelsblatt", er gehe davon aus, dass der Ernstfall nicht eintreten werde und er keine Kredite ausgeben müsse. Es gebe zwar noch Risiken, aber Irland habe auch informell noch nicht wegen eines Kredits vorgefühlt. Die Mitgliedsstaaten der EU steuern zu dem Rettungsschirm rund 440 Milliarden Euro bei. Wirklich ausgezahlt werden können aus finanztechnischen Gründen aber nur 250 Milliarden Euro, weil Anleger große Sicherheiten und eine Bargeld-Reserve fordern. Griechenland hat bereits Not-Kredite von IWF und EU erhalten, und zwar aus einem speziellen Griechenland-Fonds, der in drei Jahren 110 Milliarden Euro bereitstellen kann.

Am Mittwoch (22.09.2010) wird dann Portugal versuchen, Staatsanleihen am Markt zu platzieren. In der letzten Woche musste Portugal für neu ausgegebene Anleihen rund sechs Prozent Zinsen zahlen, der höchste Satz seit Einführung des Euro-Bargeldes vor acht Jahren. Die portugiesische Regierung reagierte auf die hohen Preise mit der Ankündigung, den Staatshaushalt für das kommende Jahr schon in zwei Wochen zu präsentieren. So könnten sich Anleger ein Bild machen, wie ernst es dem Staat mit der Sanierung der Finanzen sei.

Autor: Bernd Riegert (dpa, rtr)
Redaktion: Gero Rueter

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