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Wirtschaft

Anleger und Notenbanken im Goldrausch

Seit Jahren kennt der Goldpreis nur eine Richtung: nach oben. Zuerst horteten private und institutionelle Anleger das Krisenmetall - nun wollen sich immer mehr Notenbanken gegen Schuldenkrisen, Euro und Dollar absichern.

Goldbarren im American Museum of Natural History in New York (Foto: dapd)

"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!", schrieb Johann Wolfgang von Goethe im Faust - und diese Erkenntnis stimmt noch immer. Dabei wirft Gold keine Zinsen ab, liegt nur irgendwo rum, kann gestohlen werden und macht im unbearbeiteten Zustand wenig her. Eine Feinunze Gold sieht einfach langweilig aus, ist mit rund 31 Gramm etwa so schwer wie zwei Riegel einer Tafel Schokolade - und trotzdem so begehrt wie nie zuvor.

Infografik Goldpreisentwicklung (Grafik: DW)

"Gold ist immer attraktiv, wenn die Menschen von einer Krise ausgehen", weiß Friedrich von Metzler, Inhaber der Privatbank Metzler in Frankfurt. "Und das müssen sie ja heute, wenn sie die Finanzsituation vieler Länder sehen." Aus Angst vor der schwelenden Schuldenkrise in Europa und den politischen Unsicherheiten in den USA fliehen viele Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen: Über 1600 Dollar muss man inzwischen auf den Tisch legen, wenn man sich eine Feinunze des begehrten Metalls in den Tresor legen will - doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren.

Vor 15 Jahren kein Interesse an Gold

"Solange die Schuldenproblematik sowohl in Europa als auch in den USA nicht gelöst ist, bleibt der Trend bei Gold nach oben", sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Stratege bei den Commerzbank. Das war mal ganz anders. Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dümpelte der Preis für eine Unze Feingold irgendwo bei 300 Dollar - was kaum noch die Förderkosten einbrachte. Damals schien das Gespenst der Inflation weltweit gebannt zu sein, die Zentralbanken sahen keinen Grund mehr, ihr Papiergeld mit Gold zu hinterlegen. Australien beispielsweise verkaufte 1997 binnen eines halben Jahres 167 Tonnen - zwei Drittel seiner Goldbestände - und trieb damit den Preis weiter nach unten.

Die Produktion sank weltweit, Minen mussten schließen, allein in Südafrika verloren 200.000 Minenarbeiter ihren Job. Noch im Jahr 2000 lag der durchschnittliche Preis für eine Unze Feingold dem amerikanischen Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg zufolge bei 272 Dollar - 20 Dollar weniger, als die Förderung kostete. Doch nach den Anschlägen des 11. September wendete sich das Blatt. Um eine Rezession zu verhindern, wurden die Märkte mit Geld geflutet, Nominal- und Realzinsen tendierten gegen Null, das Gespenst der Inflation tauchte wieder auf, Rohstoff- und Lebensmittelpreise stiegen, in den USA bildete sich eine Immobilienblase.

Infografik Gold: Die größten Förderlaänder (Grafik: DW)

Nachfrageschub in unsicheren Zeiten

Seitdem verzeichnen die Anlage- und Vermögensberater drei große Nachfrageschübe nach dem vermeintlich inflationssicheren Gold: 2008, als die Lehman-Bank in die Pleite ging, 2010, als klar wurde, dass Griechenland massive Schuldenprobleme hat, und 2011, als sich abzeichnete, dass die Europäische Währungsunion die Schuldenprobleme ihrer Peripherieländer nicht in den Griff bekommt. Seitdem kennt der Run auf das Gold kein Halten mehr. Gold sei viel mehr als ein Rohstoff, schreiben die Analysten der Commerzbank. Die momentane Entwicklung zeige, "dass Gold nicht nur als Inflationsschutz, Angstindikator oder Anti-Dollar dient", sondern als Währung, die von der Schwäche der beiden großen Währungen Euro und Dollar profitiere.

Diese Beobachtung macht auch der Vermögensberater Wilhelm Peinemann, der in Göttingen eine leerstehende Sparkasse samt Tresor gekauft hat und seit 2005 im Auftrag seiner Kunden Goldbarren kauft. "Es sind Überzeugungstäter, die glauben, dass der Preis in Relation zum Papiergeld weiter steigen wird", sagte er dem "Handelsblatt". Andere raten dagegen zur Vorsicht. "Nur noch in Gold zu gehen, halte ich für ein Risiko, das leider heute von Vielen unterschätzt wird", mahnt Susanne Steinmann von der Berliner Quirin Bank.

Schwellenländer als Preistreiber

Nummerierte Goldbarren in den Räumen der Deutschen Bundesbank

Die Bundesbank sitzt auf dem zweitgrößten Goldschatz

Vielleicht aber auch nicht. Die Landesbank Baden-Württemberg zum Beispiel sieht den Preis für eine Unze Feingold Mitte 2012 bei 1750 Dollar. Denn nicht nur die Privatanleger gieren nach Gold - auch Hedgefonds und andere institutionelle Anleger horten das Edelmetall zur Absicherung gegen den schwächelnden Dollar. Die größten Preistreiber sind allerdings die Notenbanken der Schwellenländer. So hat Mexikos Zentralbank innerhalb von drei Monaten gut 93 Tonnen Gold gekauft, und auch China, Russland, Indien, Thailand und andere Schwellenländer stocken ihre Goldbestände auf, während die Industrieländer nicht mehr verkaufen.

So saßen die USA nach Angaben des World Gold Council, einer unabhängigen Vereinigung der Goldproduzenten, im Juni auf einem Schatz von 8133 Tonnen Gold, gefolgt von Deutschland mit 3401 Tonnen. Insgesamt horten die Zentralbanken dieser Welt rund 27.300 Tonnen. Rechnet man die Bestände des Internationalen Währungsfonds und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel dazu, sind es gar 30.800 Tonnen - rund ein Fünftel der 165.000 Tonnen, die seit Beginn der Geschichtsschreibung aus der Erde geholt worden sind.

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Henrik Böhme

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