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Wirtschaft

Anleger-Sorgen vor Brexit geschwunden

Brexit oder Bremain? Das ist die Frage, um die sich am Donnerstag an den Börsen alles drehte. Am Tag des Referendums über die Zukunft Großbritanniens in der EU bleiben die Optimisten in der Überzahl.

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Märkte vor Briten-Votum im Wartestand

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt setzen auf einen Verbleib der Briten in der EU und haben am Donnerstag weiter Aktien gekauft. Am Tag der Volksabstimmung in Großbritannien startete der Dax den nunmehr fünften Tag in Folge mit Gewinnen. Seit seinem letzten Tief vor einer Woche hat der Dax damit 7,4 Prozent gutgemacht. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 übersprang zum Börsenstart kurz die Marke von 3000 Zählern und legte rund einen halben Prozentpunkt zu.

Der Markt setze nach Bekanntgabe der letzten Umfrageergebnisse jetzt klar auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU statt eines Austritts, sagte ein Börsianer. Dies zeigte auch die kräftige Aufwertung des Pfund zum US-Dollar auf den höchsten Stand des Jahres. Andere Marktbeobachter hingegen sind vorsichtig, wie etwa Jochen Stanzl von CMC Markets: "Je näher das Brexit-Referendum rückt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige Anleger auf die Idee kommen, einen Teil ihrer in den vergangenen Tagen erzielten Gewinne einzustreichen."

Am Freitag ist alles drin

Wirklich spannend wird es allerdings erst am Freitag, wenn erste Referendums-Ergebnisse vorliegen. Ein britisches Ja zu Europa wäre ein "echter Befreiungsschlag" für die Anleger, sagte Thilo Müller von MB Fund Advisory. Experten sehen angesichts des jüngst starken Laufs allerdings nur noch wenig Luft nach oben im Dax. Ein Plus von rund 400 Punkten im Dax direkt nach der Ergebnisbekanntgabe gilt als das maximal Mögliche. Mittelfristig hält Fondsmanager Müller dann einen Dax-Stand von 11 000 für möglich.

Was passiert, wenn die Briten aber austreten, mag sich kaum ein Börsianer vorstellen. Während manche Beobachter nur mit einem Verlust von wenigen Prozentpunkten rechnen, hält Analyst Volker Sack von der NordLB einen Rückfall bis auf 8600 Punkte für möglich. Aktienstratege Markus Herrmann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sieht den Dax bei einem geordneten Auszug der Briten bei 9000 Punkten, kann sich in einem Extremszenario bei einem "Rosenkrieg" mit der EU aber sogar einen Dax-Stand von 7500 Punkten vorstellen - dies wäre ein Abschlag von fast 40 Prozent auf das im vergangenen Jahr erreichte Hoch bei rund 12.400 Zählern.

Welche Branchen von einem Brexit besonders in Mitleidenschaft gezogen würden, liegt für die Börsianer auf der Hand: Hierzu gehören Exporteure wie Autobauer und der Investitionsgütersektor. Denn ein Brexit könnte den Euro zum britischen Pfund teurer machen und damit die Exportchancen schmälern. Auch einige Anlagen- und Maschinenbauer und Konzerne wie Siemens wären zu nennen, die Betriebsstätten auf der britischen Insel haben und langfristige Verträge erfüllen müssen. Ebenso wie die in Großbritannien aktiven Versorger RWE und Eon.

zdh/wen (dpa, rtr)

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