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Podcast Wirtschaft

Anleger kritisch bei Biotechnologie

Hintergrund zum Thema Biotech

FRANKFURT Verfehlte Prognosen, Rückschläge in der Entwicklung von 'Hoffnungsträgern' und nicht tragfähige Geschäftsmodelle haben die Lieblingsbranche vielen Anleger der Jahre 1999 und 2000 zum Sorgenkind werden lassen. In der Biotechnologie

brechen die Kurse weg. In einem kränkelnden Börsenumfeld ist der Weg des Börsengangs nach Ansicht von Ulrich Abshagen, Vorstandsvorsitzender des Venture-Capital-Unternehmens Heidelberg Innovation, vorerst verschlossen. Für den Fondsmanager Markus Manns von Union Investment ist die Frage des Börsengang jedoch vor allem eine Frage des Preises: 'Börsengänge sind auch im derzeitigen schwierigen Umfeld möglich, wenn die Risiken bei der Bewertung entsprechend berücksichtigt werden', sagte Manns auf der Auftaktsveranstaltung des DVFA-Biotechforums in Frankfurt.

80 PROZENT KURSVERLUST

Seit seinem Höchststand von 266 Punkten im Jahr 2000 hat der NEMAX Biotech-Index fast 80 Prozent auf rund 58 Zähler eingebüßt. Ähnlich desolat ist die Entwicklung des amerikanischen AMEX Biotech-Index, der mit knapp 410 Punkten auf einem 52-Wochen-Tief liegt. Für Risiko und Nebenwirkungen im Biotech-Sektor blickten die Anleger auch auf die Aktie des Anbieters von Hautersatzprodukten, BioTissue. Um mehr als 28 Prozent auf 3,55 Euro abwärts ging es für die Stuttgarter, nachdem das Unternehmen bekannt gab, dass der Umsatz im laufenden Jahr nur um 150 statt um 400 Prozent zulegen soll. Der Verlust vor Zinsen und Steuern soll nur noch um zehn Prozent auf 5,2 Millionen Euro statt um 20 Prozent sinken. Das Erreichen des Gewinnzieles wurde auf 2004 verschoben.

RÜCKSCHLAG AUCH FÜR MEDIGENE

Mitte April hatte mit MediGene eines der wenigen auf Produktentwicklung spezialisierten Biotech-Unternehmen aus dem NEMAX 50 mit dem Medikamentenkandidaten Etomoxir gegen Herzinsuffizienz einen herben Rückschlag erlebt. Die Entwicklung des Wirkstoffes verzögere sich voraussichtlich um ein Jahr. Etomoxir war mit einem geschätzten Spitzenumsatz von 500 Millionen Euro der wichtigste der sieben Medikamentenkandidaten.

Für die Analystin Christa Bähr von der DZ-Bank ist MediGene nach dem herben Kursverlust bis auf 9 Euro dennoch ein Kauf. Auch wenn nur noch eine geringe Wahrscheinlichkeit bestehe, dass das Produkt auf den Markt komme, sei MediGene zu 50 Prozent unterbewertet.

DER WAHRE UNTERNEHMENSWERT

Der wahre Wert eines Unternehmens solle die Ausfallwahrscheinlichkeit bei Produkten deutlich machen, unterstrich Manns. Auch die Erfahrung des Managements sollte stärker Berücksichtigung finden. In der vorklinischen Phase liege die Ausfallquote bei 90 Prozent, in der Phase I bei 80 und der Phase II bei 60 Prozent. In der Phase III sinke die Ausfallquote auf immer noch 30 Prozent. Die Kosten für die Entwicklung eines Medikamentes schlagen nach einer Studie der Boston Consulting Group mit 800 bis 880 Millionen US-Dollar zu Buche.

Auf einen konkreten Zeitpunkt für eine neue Welle von Biotech-Börsengängen wollte sich auf der Auftaktveranstaltung des DFVA-Biotechsforums in Frankfurt kein Diskussionsteilnehmer festlegen. Während im Januar viele Branchenkenner auf Börsengänge im zweiten Halbjahr 2002 setzten, rechnen die Experten mittlerweile nicht vor Anfang 2003 mit einem Schub.

VORAUSSETZUNG FÜR BÖRSENGÄNGE

Für Börsengänge in der Biotech-Branche müssten laut Markus Manns von Union Investment zahlreiche Punkte erfüllt sein. Der Mediziner und Fondsmanager (UniSector BioPharma, UniSector GenTech) nannte die Produkte in späten Phasen der klinischen Prüfung, das Einhalten zuverlässiger Prognosen, die Qualität des Managements, eine kritische Unternehmensgröße, die Marktkapitalisierung und die Zeit, die sich das Management zum Halten der eigenen Aktien verpflichtet habe. Laut Studie des Venture-Capital-Branchenverbandes BVK sank der Kapitalfluss an Biotechunternehmen im Vorjahr vergleichsweise mäßig von 840 auf 500 Millionen Euro. Da derzeit Börsengänge so gut wie

ausgeschlossen sind, müssten VC-Unternehmen Engagements länger durchfüttern.

MEHR INSOLVENZEN

Neben der Risikoaversion der Investoren und Anleger scheint auch die Zahl der Insolvenzen zuzunehmen. Seit Jahresbeginn gaben neun Firmen auf, darunter der Augsburger Impfstoff-Entwickler Creatogen oder die Berliner Genprofile AG. In der Branche wächst die Sorge, dass der Gründungsboom völlig abreißt. Nach Einschätzung des Branchenteams Life-Science der DZ-Bank besteht bei einigen niedrigkapitalisierten Biotechnologie-Unternehmen wie CyBio in diesem oder für Curasan, BioTissue und co.don im kommenden Jahr Finanzierungsbedarf.

Quelle: dpa/AFX

  • Datum 07.05.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/29tn
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