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Welt

Anklage gegen Strauss-Kahn gerät ins Wanken

Noch ist es nur eine Zeitungsmeldung: Die New Yorker Ermittler sollen ernste Zweifel an den Vorwürfen gegen den ehemaligen IWF-Chef Strauss-Kahn hegen. Das zuständige Gericht hat eine außerplanmäßige Anhörung angesetzt.

Dominique Strauss-Kahn noch als IWF-Chef auf einer Pressekonferenz in New York (Foto: AP)

Spektakuläre Wende im Fall Strauss-Kahn?

Die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn stehe kurz vor dem Zusammenbruch, berichtet die "New York Times" in ihrer Freitagsausgabe (01.07.2011). Demnach hat die New Yorker Staatsanwaltschaft das Vertrauen in ihre wichtigste Zeugin verloren: Eine Hotelangestellte, die Strauss-Kahn massive sexuelle Übergriffe während seines Aufenthalts in einem New Yorker Luxushotel vorgeworfen hatte. Das Zimmermädchen habe seit dem angeblichen Vorfall am 14. Mai wiederholt die Unwahrheit gesagt, heißt es in dem Blatt. Die 32-Jährige, die vor neun Jahren aus dem westafrikanischen Guinea eingewandert war, soll nicht nur bei ihrem Asylantrag gelogen haben. Es gebe auch Hinweise, dass sie in Geldwäsche und Drogenhandel verwickelt sei. Die Zeitung beruft sich dabei auf zwei hochrangige Strafverfolger, ohne sie namentlich zu nennen.

Ermittler haben "Probleme mit dem Fall"

Möglicherweise wird die Wende in einem der spektakulärsten Fälle des Jahres bereits an diesem Freitag aktenkundig, denn das zuständige Gericht in New York hat – ohne weitere Details zu nennen - eine außerplanmäßige Anhörung Strauss-Kahns vor Gericht angeordnet. Turnusgemäß sollte der ehemalige IWF-Chef erst in drei Wochen wieder vorgeladen werden, um die Kautionsbedingungen zu überprüfen. Nun wollten die Staatsanwälte jedoch dem Richter gegenüber deutlich machen, "Probleme mit dem Fall" zu haben, berichtet die "NYT". Sollten die schwerwiegenderen Vorwürfe gegen den französischen Diplomaten fallen gelassen werden, kann der Hausarrest grundsätzlich aufgehoben werden.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird m 15. Mai 2011 aus einer New Yorker Polizeistation geführt (Foto: AP)

Bilder wie dieses gingen um die Welt: Ist der mächtige IWF-Chef ein Vergewaltiger?

Die Staatsanwaltschaft könnte Strauss-Kahn jedoch auch auffordern, sich hinsichtlich eines geringeren "Fehlverhaltens" schuldig zu bekennen - gegen solch ein Szenario würden sich allerdings seine Anwälte wehren, heißt es. Strauss-Kahns Anwalt, William Taylor, sagte nur, bei dem Termin sollte es um leichtere Haftbedingungen für den 62-Jährigen gehen. Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht äußern. Staatsanwaltschaft und Verteidigung dürfen die Kautionsentscheidung zu jedem Zeitpunkt in einem laufenden Verfahren vom Richter überprüfen lassen.

Der Verdächtige beteuert seine Unschuld

Strauss-Kahn war im Mai verhaftet worden, nachdem ihn die Hotelangestellte angezeigt hatte. Der Franzose weist alle Vorwürfe zurück und plädierte auf nicht schuldig. Nachdem forensische Beweise gesichert werden konnten, die einen sexuellen Kontakt zwischen dem Banker und der Putzfrau nachwiesen, sprachen die Anwälte des Bankers von freiwilligem Sex. Strauss-Kahn war in der Untersuchungshaft von seinem Posten als IWF-Chef zurückgetreten.

A collection of French newspapers displaying headlines referring to the head of IMF, Dominique Strauss-Kahn, in Paris, France, Monday, May 16, 2011. The International Monetary Fund's managing director Dominique Strauss-Kahn is being held in U.S. on charges that he sexually assaulted a maid in his hotel room. Headlines predict the end of the career of Dominique Strauss-Kahn (DSK). (AP Photo)

In Frankreich war die Anklage gegen "DSK" das beherrschende Thema

Seit seiner Freilassung gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar und weiteren Bürgschaften über fünf Millionen Dollar steht Strauss-Kahn unter strengem Hausarrest. Der französische Volkswirt und Diplomat wird in einem luxuriösen Stadthaus in Manhattan rund um die Uhr bewacht und muss eine elektronische Fußfessel tragen. Er darf das Stadthaus im trendigen Viertel Tribeca nur verlassen, um Gerichts-, Anwalts- oder Arzttermine wahrzunehmen und um einmal wöchentlich an einem Gottesdienst teilzunehmen. Die Sicherheitsmaßnahmen, darunter auch Überwachungskameras, kosten ihn schätzungsweise 200.000 Dollar im Monat, die Miete beträgt 50.000 Dollar.

Autor: Rolf Breuch (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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