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Aktuell Europa

Anklage gegen Bruder des Attentäters von Toulouse

Frankreichs Justiz wirft Abdelkader Merah vor, seinem Bruder Mohamed bei der Vorbereitung der Terrorserie geholfen zu haben. Jetzt muss er in einem Hochsicherheitstrakt in Paris auf seinen Prozess warten.

Die französische Justiz hat den älteren Bruder des Attentäters von Toulouse und Montauban, Mohamed Merah, als Mittäter angeklagt. Sie wirft dem 29-jährigen Abdelkader Merah Beihilfe zum Mord und Verschwörung zur Vorbereitung von Terrorakten vor. Der am Donnerstag von der Polizei getötete Attentäter hatte dagegen behauptet, allein für den Tod der Opfer verantwortlich zu sein und Kontakte zur Terror-Organisation Al-Kaida zu haben.

Presse: Abdelkaders Handy nahe der jüdischen Schule gefunden

Abdelkader Merah wurde am Sonntag einem Anti-Terror-Richter vorgeführt und anschließend in einen Hochsicherheitstrakt im Westen von Paris gebracht (Bild oben). Die Polizei habe "ernsthafte und übereinstimmende Erkenntnisse", wonach er wahrscheinlich Komplize und Teil einer "terroristischen Unternehmung" gewesen sei, hieß es in einer Mitteilung.

Sein Bruder Mohamed Merah soll zwischen dem 11. und dem 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie vor einer jüdischen Schule einen Rabbiner und drei jüdische Kinder erschossen haben. Laut einem Bericht der Zeitung "Le Parisien" spricht unter anderem gegen den 29-jährigen Abdelkader, dass sein Mobiltelefon in der Nähe der Schule gefunden wurde. Die beiden Brüder hätten sich am Vorabend der Bluttat getroffen und gemeinsam zu Abend gegessen. Er habe nichts von den Attentatsplänen gewusst, behauptete Abdelkader Merah zuletzt. Er sei aber "stolz" auf sie. Außerdem habe er zugegeben, bei dem Diebstahl eines Motorrollers dabei gewesen zu sein, hieß es in dem Blatt weiter. Mit Hilfe des Rollers soll sein Bruder die Verbrechen begangen haben.

Der Attentäter von Toulouse und Montauban, Mohamed Merah, auf einem Video (Foto: rtr)

Der Attentäter von Toulouse und Montauban, Mohamed Merah, auf einem Video

Verteidigerin: Kein Stolz auf die Taten des Bruders

Abdelkader Merahs Anwältin bestritt unterdessen, dass dieser Kenntnis von den Attentatsplänen seines Bruders gehabt habe. Auch habe er sich während des Polizeiverhörs nicht "stolz" angesichts der Taten gezeigt. Anders als es in der Presse dargestellt worden sei, verurteile ihr Mandant die Terrorserie "entschieden", sagte sie vor Journalisten weiter. Abdelkader wolle nicht als "Sündenbock" für die Taten seines Bruders herhalten.

In Paris nahmen tausende Menschen an einem Schweigemarsch gegen Rassismus, Antisemitismus und Terrorismus teil. Nach Angaben der Organisatoren zogen mehr als 20.000 Menschen vom Place de la Bastille zum Place de la Nation, die Polizei sprach von lediglich 2800 Teilnehmern. In Toulouse fanden sich rund 6000 Menschen zu einem religionsübergreifenden Schweigemarsch zusammen. Auch in anderen Städten Frankreichs gab es am Wochenende Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer von Toulouse und Montauban.

sti/wl (afp, dapd, dpa)

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