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Aktuell Europa

Anklage gegen angebliche Nemzow-Mörder erhoben

Zehn Monate nach dem Mord an dem Oppositionspolitiker Boris Nemzow hat die russische Staatsanwaltschaft fünf Männer wegen Mordes angeklagt. Sie werden beschuldigt, Nemzow im Februar vor dem Kreml erschossen zu haben.

Gedenken an den erschossenen Boris Nemzow auf der Großen Moskwa-Brücke (Archivbild: SERGEI GAPON/AFP/Getty Images)

Blumen am Tatort: Gedenken an den erschossenen Boris Nemzow auf der Großen Moskwa-Brücke (Archivbild)

Die Angeklagten stammen aus Tschetschenien. Ihnen wird neben dem Mord auch der illegale Besitz von Schusswaffen vorgeworfen. Auftraggeber soll der tschetschenische Polizeioffizier Ruslan Muchudinow sein. Er soll sich aus Russland abgesetzt haben und seinen Wohnsitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben. Die Tat ausgeführt haben soll Saur Dadajew, ebenfalls Tschetschene. Nach Informationen der russischen Untersuchungskommission hat ein Angeklagter bereits ausgesagt, dass Nemzow aufgrund einer angeblichen Beleidigung des Islams erschossen worden sei. Ein früheres Mordgeständnis soll von einem der Angeklagten jedoch widerrufen worden sein. Es sei angeblich durch Folter erzwungen worden.

"Justiz will in die Irre führen"

Die These, dass Tschetschenen am Mord an Nemzow beteiligt seien, wird von Mitgliedern der russischen Opposition nicht unterstützt. Vertreter der Opposition und auch der Anwalt von Nemzows Tochter Schanna zogen die These von Muchudinow als Auftraggeber in Zweifel. "Organisator für die niederen Ränge - ja. Aber die Auftraggeber waren hochgestellte Leute", sagte Anwalt Wadim Prochorow.

Die Justiz wolle die Aufmerksamkeit von der Umgebung des tschetschenischen Anführers Ramsan Kadyrow ablenken, vermutete er. Der Fall Muchudinow werde abgetrennt und einzeln weiter verfolgt, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde. Seine Verhaftung im Ausland sei "nur noch eine Frage der Zeit". Der Prozess soll im Februar beginnen.

Die Hintergründe der Tat sind somit nach wie vor ungeklärt. Präsident Wladimir Putin fordert offiziell eine Bestrafung der Täter. Kontakt zur tschetschenischen Führung, um die Hintergründe zu klären, hat Putin bislang nicht aufgenommen. Er habe, so wörtlich, "auch nicht vor, dies zu tun".

Nemzow galt als Gegner von Präsident Waldimir Putin. Unter dem frühreren Präsidenten Boris Jelzin war Nemzow Vizeministerpräsident und zeitweise Provinz-Gouverneur. Nemzow galt als NATO- und EU-freundlich und unterstützte den Machtwechsel in der Ukraine. Im Rahmen seiner Arbeit als Oppositionspolitiker wurde er mehrfach verhaftet.

cgn/jj (dpa/ap)