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Politik

Ankaras Nachbarschaftshilfe

In Istanbul treffen sich die irakischen Nachbarn, um einen amerikanischen Krieg gegen das Land zu verhindern. Daran haben alle teilnehmenden Staaten ein Interesse - schon aus innenpolitischen Gründen.

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Abdullah Gül in schwieriger Mission

Mit ihrer Einladung nach Istanbul unternimmt die Türkei einen weiteren - vielleicht aber auch letzten - Versuch, die Krise zu entspannen. Politische Führer des Landes haben in letzter Zeit rastlos Appelle an alle Beteiligten gerichtet, es nicht zum Krieg kommen zu lassen. Nun wollen sie noch einmal die wachsende Kriegsgefahr in der Region diskutieren. Patentrezepte zur Verhinderung hat Ankara aber auch nicht. Neben dem Gastgeberland kommen am Donnerstag (23. Januar 2003) die Außenminister des Irans, Syriens, Saudi-Arabiens, Ägyptens und Jordaniens an den Bosporus.

Zwischen zwei Stühlen

Ankaras Lage ist dabei prekärer, weil die Türkei nur die Wahl zu haben scheint zwischen seinem amerikanischen Bündnispartner und einer distanzierten Neutralität zu Gunsten Saddam Husseins. In diesem Punkt ähnelt die Lage der Türkei der der meisten anderen Teilnehmerstaaten: Man ist eng mit den USA verbunden, steht einem Krieg aber skeptisch bis ablehnend gegenüber. Man weiß nur zu gut, dass solch eine Eskalation die Lage in der gesamten Region destabilisieren könnte. Auch Syrien und der Iran können trotz ihrer alten Feindschaft gegenüber dem Irak einem Waffengang nichts Positives abgewinnen. Unter anderem, weil beide wissen, dass sie im Falle eines amerikanischen Sieges noch mehr isoliert dastehen würden als jetzt.

Die Hauptrollen bei den Gesprächen in Istanbul dürften Türken und Saudis spielen: Beide werden von den USA seit geraumer Zeit bedrängt, diesen die Nutzung ihres Territoriums für den Angriff auf den Irak zu gestatten. Aber beide haben - obwohl es bereits US-Basen auf ihrem Boden gibt - Angst vor den möglichen Folgen solch einer Zusage. Vor allem in Saudi-Arabien ist der Einfluss islamistischer Kreise beträchtlich und deren Opposition gegen ein Zusammengehen mit den Amerikanern würde zunächst das eigene Regime gefährden. Auch die moderat islamistische türkische Regierung hätte zumindest mit erheblichem Widerstand zu rechnen - 80 Prozent der Bevölkerung sind laut Umfragen gegen einen Krieg.

Keine massive US-Truppenerhöhung

Während die Saudis schon sehr früh Washington signalisiert hatten, dass amerikanische Basen in Saudi-Arabien nicht genutzt werden dürften, haben die Türken Bachschmerzen, eine solche Absage zu erteilen. Sie haben sich stattdessen darauf verlegt, den USA die Zusage zu einer drastischen Erhöhung der in der Türkei stationierten amerikanischen Truppen zu verweigern. Washington wollte seine gegenwärtig in der Türkei befindlichen Truppen auf 80.000 aufstocken, zu mehr als 20.000 scheint Ankara aber nicht bereit zu sein.

Die Gipfel in Istanbul war unter anderem durch massive diplomatische Aktivitäten der Türkei in den USA, in Europa und der Region selbst vorbereitet worden: Dort hatte Ministerpräsident Abdullah Gül bei Saudis, Jordaniern, Kuwaitis, Syrern und auch Iranern für eine friedliche Regelung geworben und nach Wegen gesucht, den Krieg weiter hinauszuschieben. Gleichzeitig schickte Gül eine Handelsdelegation nach Bagdad, die dort nicht nur Zusagen für umfangreiche Geschäfte sicherte, sondern auch Saddam Hussein in einer Botschaft des türkischen Premierministers dazu aufforderte, mit den Vereinten Nationen (UNO) zu kooperieren, um Washington jeden Vorwand für einen Angriff zu nehmen. Es ist nicht bekannt, wie Saddam Hussein reagierte, bis heute befolgt er den Rat aber weitgehend.

Die eigene Zukunft sichern

Solange er das tut, dürfte er sich der Unterstützung seiner Nachbarn sicher sein. Diese werden in erster Linie darauf drängen, das Mandat der UNO-Inspektoren zu verlängern, um damit den Krieg wahrscheinlich um Monate zu verschieben. Als zweite Option gibt es noch immer den Vorschlag der Saudis, Saddam solle zurücktreten und ins Exil gehen oder aber irakische Militärs sollten Saddam stürzen und dadurch nicht nur einen Krieg vermeiden sondern auch ihre eigene Zukunft sichern.

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