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Afrika

Angst wegen neuer Ebola-Fälle in Westafrika

Das Ebola-Virus hält Westafrika weiter in Atem: Liberia meldet neue Fälle - die Nachbarn Sierra Leone und Guinea kämpfen mit konstant hohen Neuansteckungen. Liberia galt seit Mai als Ebola-frei.

Nach dem Todesfall eines 17-Jährigen Jungen in einem Dorf nahe Liberias Hauptstadt Monrovia haben die Behörden gemeldet, dass sich Angehörige im gleichen Haushalt ebenfalls mit Ebola infiziert hätten. Mitarbeiter des Gesundheitszentrums, in das der an Ebola erkrankte Junge gebracht worden war, stehen unter Quarantäne.

In Liberia waren seit Ausbruch der Krankheit im März 2014 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 4800 Menschen an Ebola gestorben. Das westafrikanische Liberia war erst

im Mai von der WHO für Ebola-frei erklärt worden

- das heißt, zu dem Zeitpunkt waren 42 Tage lang keine Neuansteckungen festgestellt worden.

Doch die Erfahrung mit vergangenen Ebola-Ausbrüchen - etwa in der Demokratischen Republik Kongo oder Uganda - zeige, dass ein

erneuter Ausbruch

in den folgenden sechs bis 24 Monaten nicht unüblich sei, sagte WHO-Sprecherin Margarete Harris im Gespräch mit der DW.

"Jetzt geht es darum, zwei Dinge abzuklären: Wo kam das Virus her, und wo wird es hingehen? Der Junge war für sieben Tage krank und das heißt, andere Menschen waren dem Virus möglicherweise ausgesetzt", so Harris. "Wir müssen herausfinden, wer alles zu ihm Kontakt hatte und diese Leute dann 21 Tage beobachten." Wer Symptome entwickele, müssen schnellstens behandelt und von anderen isoliert werden, um niemanden anzustecken.

"Liberia ist alarmbereit"

Dass die Fälle von Ebola in Liberia erkannt wurden, sei ein Zeichen dafür, dass das System funktioniere, so Harris weiter. Auch David Heymann, der an der London School of Hygiene and Tropical Medicine zu ansteckenden Krankheiten forscht, betont, dass Liberia vorbildlich gehandelt habe. "Liberia ist immer noch alarmbereit und kann Ebola-Fälle schnell identifizieren. Das ist ein sehr gutes Zeichen", so Heymann im DW-Gespräch. "Das bedeutet, dass sie nicht einfach gesagt haben, die Ebola-Epidemie ist nun vorbei und wir gehen zum Alltag über. Sie arbeiten daran, dass Ebola nicht zurückkommt."

Plakat mit der Aufschrift: Ebola Must Go Foto: DW/Julius Kanubah

Liberia hatte Ebola eigentlich erfolgreich aus dem Land vertrieben und galt seit Mai als Ebola-frei

Noch ist allerdings unklar, wie sich der 17-Jährige angesteckt hat. Liberias Nachbarn

Sierra Leone

und Guinea kämpfen immer noch mit dem Virus. Die WHO verzeichnet dort rund 20 Ansteckungen pro Woche.

Ebola-Erkrankter war nicht in Nachbarstaaten

"Wir wissen, dass dieser junge Mann nicht gereist ist. Wir wissen von den Untersuchungen des Gesundheitsministeriums in Zusammenarbeit mit der WHO, dass niemand in seinem näheren Umfeld in diese Länder gereist ist", sagte Harris. "Wir befragen nun alle Familienmitglieder und die Menschen in seinem Umfeld, um zu bestimmen, ob es andere Faktoren gab, die zu der Erkrankung geführt haben."

In Guinea und Sierra Leone verzeichnet die WHO immer noch konstant hohe Neuinfektionen - und von der Hälfte der Fälle weiß niemand, wo und wie sie mit dem Virus in Berührung gekommen sind. "Wir finden immer noch Menschen, die sich angesteckt haben, die aber auf keiner Kontaktliste von einem bereits erkrankten Patienten waren. Das heißt, wir wissen nicht, wo diese Infektion herkommt", sagt Harris. Es sei besorgniserregend, dass diese Zahlen nicht sinken.

Ein großes Hindernis im Kampf gegen Ebola sei in diesen Ländern, dass die Bevölkerung oft nicht kooperiere. "Wir kämpfen immer noch damit, Individuen oder Familien davon zu überzeugen, dass es wirklich in ihrem besten Interesse ist, zuhause zu bleiben und überwacht zu werden", so Harris. Doch auch sie merkt an: "Das ist wirklich viel verlangt von den Leuten - für drei Wochen müssen sie darauf verzichten, zu arbeiten, die Schule zu besuchen und generell ihren Alltag zu leben." Und das sei für viele ein größeres Opfer als das Risiko einer Erkrankung.

Nicht arbeiten zu gehen und damit auch kein Geld zu verdienen, ist für viele einfach keine Option. So wie für die 25-jährige Nancy Sannoh aus Sierra Leone, die sich im August letzten Jahres mit Ebola ansteckte. Sie überlebte, doch sie kann nun schlecht sehen. Auch ihre Gelenke schmerzen.

"Ich habe kein Geld. Die Menschen, die mir geholfen haben, sind tot. Ich habe nun niemanden, der sich um mich und meine Tochter kümmert", sagte Sannoh der DW. In ihrem Heimatdorf Combemba im Kenema-Distrikt arbeitet sie nun auf einem Reisfeld, um ihre kleine Familie durchzubringen.

Auswirkungen auf ein ganzes Dorf

Nicht nur die Menschen, die an Ebola erkrankten, leiden - die ganze Bevölkerung sei betroffen, sagt Mariatu Turay-Rohde, die für die deutsche Organisation Welthungerhilfe als Notfallkoordinatorin arbeitet. Wenn die jungen Leute, die besonders wichtig für die lokale Wirtschaft sind, an Ebola erkrankten, reiße das ein großes Loch in die Gemeinschaft. "Sie hinterlassen Frauen, Kinder, Familien, denen dann von anderen Überlebenden geholfen werden muss, die jedoch nicht die Mittel dazu haben."

Nancy Sannoh aus Sierra Leona Foto: D. Pelz/ DW

Nancy Sannoh aus Sierra Leona hat Ebola überlebt und kämpft jetzt ums wirtschaftliche Überleben

Als Ebola-Fälle im Dorf entdeckt wurden, stellte die Armee Combemba unter Quarantäne. Das war für die Dorfbewohner verheerend, erinnert sich der Dorfälteste Lahai Kallon. "Wir mussten ja an einem Ort bleiben, deshalb war es schwer, an Nahrung zu kommen."

Farmer konnten ihre Felder nicht bestellen. Manche waren so verzweifelt, dass sie ihre Pflanzenkeimlinge aßen oder ihre Werkzeuge verkauften, um Geld für Nahrung zu haben. Der Preis für Grundnahrungsmittel wie die Maniok-Wurzel verdoppelte sich.

Auch wenn die Ebola-Erkrankungen hier zurückgehen, wird das Dorf und das gesamte Land noch für Jahre mit den Nachwirkungen der Ebola-Krise zu kämpfen haben.

Die Behörden in Liberia warten unterdessen auf die Ergebnisse von weiteren Bluttests - dann erst werden sie wissen, ob es noch weitere Neuinfizierte gibt, die mit dem 17-Jährigen Kontakt hatten.

Mitarbeit: Daniel Pelz, Abu-Bakarr Jalloh, Mark Caldwell

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