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Politik

Angst vor rassistischen Unruhen

Die Ermordung eines bekannten Rechtsextremisten in Südafrika hat zehn Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft Angst vor rassistischen Unruhen ausgelöst. Präsident Zuma verurteilte das Verbrechen und mahnte zur Ruhe.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma (Foto: AP)

Südafrikas Präsident Jacob Zuma

Während Südafrikas Präsident Jacob Zuma und der ANC zu Besonnenheit und Ruhe aufriefen, kündigte die rechtsextreme "Afrikaner Weerstandsbeweging" (AWB) an, den Tod ihres Gründers und Chefs Eugene Terre'Blanche rächen zu wollen. Der 69-jährige weiße Rechtsextremist war am Samstag (03.04.2010) auf seiner Farm in Ventersdorp, 110 Kilometer nordwestlich von Johannesburg, von zwei schwarzen Farmarbeitern erschlagen worden. Polizeiminister Nathi Mthetwa sagte, das Verbrechen habe offenbar keinen rassistischen Hintergrund. Vielmehr sei ein Streit um nicht gezahlte Löhne eskaliert. Die beiden 21 und 15 Jahre alten schwarzen Angestellten, die Terre'Blanche mit einer Machete und einem Knüppel umgebracht hatten, werden wegen Mordes angeklagt, entschied ein Gericht am Dienstag (06.04.2010).

Nachdem der regierende ANC erklärte hatte, kein Grund könne den Mord an Terre'Blanche rechtfertigen, rief Präsident Jacob Zuma alle Südafrikaner auf, Ruhe zu bewahren und Provokationen zu unterlassen, die "Rassenhass nähren" könnten. In einer Fernsehansprache sagte Zuma am Sonntag weiter, die politische Parteien und ihre Führer müssten sich in ihren Erklärungen "allesamt verantwortlich zeigen für ein Land, das hart für die Aussöhnung arbeitet", so Zuma. Zugleich verurteilte er das Verbrechen und stellte klar, dass die Täter verurteilt werden müssen. Niemand dürfe das Gesetz in die eigene Hand nehmen, sagte Zuma.

Auch die Opposition mahnt zur Ruhe

Helen Zille, Vorsitzende der Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) (Foto: dpa)

Helen Zille, Vorsitzende der Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA)

Die Partei "Freiheitsfront Plus", die im südafrikanischen Kabinett die weißen Farmer repräsentiert, verurteilte die Tat scharf. Ihr Sprecher Pieter Groenewald rief die Bevölkerung auf, nicht unüberlegt zu handeln, auch wenn der Mord für eine "explosive Situation" sorge. An die ANC-Jugend appellierte Groenwald, von einem umstrittenen Lied Abstand zu nehmen, in essen Refrain zur Gewalt gegen Weiße aufgerufen wird. Die Oppositionspartei "Demokratische Allianz" sprach unter Hinweis auf das Lied, das zur Tötung von Buren aufruft, vom "unverantwortlichen Schüren rassistischer Spannungen". Der ANC und seine Jugendorganisation sehen das umstrittene Lied dagegen als Teil ihrer Geschichte, wobei der Text nicht wörtlich zu nehmen sei. Gegen ein gerichtliches Verbot des Textes legte die Regierungspartei Berufung ein.

Racheforderungen der Extremisten

Archivbild: Terre'Blanche 1994 (Foto: AP)

Archivbild: Terre'Blanche 1994

Dagegen forderte Andre Visagie, ein Führungsmitglied der rechtsextremistischen AWB, den Tod von Terre'Blanche zu rächen. Am 1. Mai solle über "Aktionen" beraten werden. Zugleich forderte er einen Boykott der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika.

Experten verweisen dazu allerdings auf den minimalen Einfluss der rechtsradikalen AWB mit ihrem dem Hakenkreuz nachempfundenen Logo. Terre'Blanche und seine Organisation hätten sich zunehmend an den Rand und ins gesellschaftliche Abseit manövriert, meinte Lawrence Schlemmer vom Institut für Rassenbeziehungen.

Die Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), die unter anderem einen eigenen Staat für die weiße Minderheit in Südafrika fordert, war 1973 von Terre'Blanche gegründet worden. Sie hatte zunächst gegen mögliche Zugeständnisse des Apartheid-Regimes an die Bevölkerungsmehrheit Front gemacht und dann gewaltsam versucht, das Ende der Apartheid zu verhindern. Terre'Blanche, ein Ex-Polizist, war selbst mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten und verbüßte von 2001 bis 2004 eine Haftstrafe wegen versuchten Mordes an einem schwarzen Wachmann.

Autor: Hartmut Lüning
Redaktion: Dеnnis Stutе

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