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Politik

Angst vor nordkoreanischen Atomwaffentests

Neue Spannungen im Konflikt um Nordkoreas Atomwaffenprogramm: Das Regime droht den USA mit dem Ausbau seines Atomprogramms und steht nach US-Medienberichten möglicherweise kurz vor einem ersten Atomwaffentest.

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Übung zur Vorbereitung auf einen Nuklear-Angriff in Seoul

Eigentlich deuteten die Anzeichen wieder einmal auf Entspannung: Am Wochenende fand zwischen Nord- und Südkorea das ranghöchste Treffen seit Jahren statt. Der südkoreanische Ministerpräsident Lee Hae Chan und der Vorsitzende des Präsidiums der Obersten Volksversammlung in Nordkorea, Kim Yong Nam, hatten am 23. April vereinbart, die Regierungsgespräche wieder aufzunehmen. Nordkorea hatte seit Juli 2004 den politischen Dialog mit Südkorea boykottiert.

Nukleare Abschreckung stärken

Schon einen Tag später kamen aus Pjöngjang dann wieder ganz andere Signale. An die Adresse der USA gewandt drohte Nordkorea erneut mit dem Ausbau seines Atomwaffenarsenals und dem Einsatz von Nuklearwaffen im Falle eines Angriffs. Der nordkoreanische Generalstabschef Kim Yong Chun warnte die USA, im Falle eines Angriffs werde Nordkorea "seine über Jahre aufgebauten militärischen Abschreckungskräfte mobilisieren und die Aggressoren bis auf den letzten Mann auslöschen". Er kündigte zudem den weiteren Ausbau des Atomwaffenprogramms an. "Die Armee und die Bevölkerung der Volksrepublik werden niemals passive Beobachter der US-Absichten sein, die Volksrepublik zu isolieren und in die Knie zu zwingen, sondern ihre nukleare Abschreckung als Selbstverteidigung stetig verstärken."

Das rhetorische Säbelrasseln wird in Washington zwar mit Unmut, aber auch mit einer gewissen routinierten Gelassenheit zur Kenntniss genommen. Mehr Sorge bereitet der US-Regierung die Aussicht, dass Nordkorea möglicherweise kurz vor einem ersten Atomwaffentest steht. Nach Berichten des "Wall Street Journal" und der "New York Times" sind US-Geheimdienste derzeit mit der Auswertung von Daten beschäftigt, die auf neue Aktivitäten in einer mutmaßlichen nordkoreanischen Atomwaffenanlage schließen lassen. Pjöngjang, so die Befürchtung, könnte einen ersten unterirdischen Atomwaffentest vorbereiten und damit endgültig alle Zweifel über sein Atomkapazitäten ausräumen.

Möglicher Strategiewechsel

Aufgrund der neuen Situation erwägt die US-Regierung nun einen Strategiewechsel im Umgang mit Nordkorea. "Wir sind bereit, vor den Sicherheitsrat zu gehen, wenn die Zeit dafür reif ist und wir der Ansicht sind, dass wir alle Möglichkeiten im derzeitigen Rahmen ausgeschöpft haben", sagte US-Außenministerin Rice im amerikanischen Fernsehen. Bislang setzten die USA auf Verhandlungen mit Nordkorea im Rahmen der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche (Nordkorea, USA, China, Japan, Südkorea, Russland). Pjöngjang bleibt den Verhandlungen allerdings seit Juni 2004 fern und wirft den USA eine "feindselige Politik" vor. Laut "New York Times" wird in der US-Regierung im Zuge eines Gangs vor den Sicherheitsrat auch über Sanktionen und ein Embargo gegen das Land nachgedacht, wogegen sich bislang vor allem China ausgesprochen hat. (mik)

Lesen Sie mehr über die unterschiedlichen Prioritäten der USA und Chinas im Fall Nordkorea im DW-WORLD-Interview mit dem Asien-Experten Xuewu Gu.

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