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Nahost

Angst vor neuer Gewaltwelle im Irak

Bei einem Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra sind zwei Minarette eingestürzt. Ein ähnlicher Anschlag auf das Gebäude hatte 2006 eine Welle der Gewalt zwischen den Religionsgruppen ausgelöst.

Die Moschee nach dem Anschlag; einzig ein Turm steht noch, Quelle: AP

Die Moschee nach dem Anschlag; einzig ein Turm steht noch

Nach dem erneuten Anschlag auf die für Schiiten bedeutendste Moschee in Samarra hat die irakische Regierung am Mittwoch (13.6.07) für die Hauptstadt Bagdad eine Ausgangssperre ausgerufen. Ab drei Uhr nachmittags Ortszeit (13 Uhr MESZ) dürften die Menschen ihre Häuser bis auf weiteres nicht mehr verlassen, teilte das Büro von Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit.

Anfang 2004 war die Moschee noch unversehrt, Quelle: AP

2004 war die Moschee noch unversehrt

Bei dem Anschlag in der Pilgerstadt Samarra waren am Mittwochmorgen zwei Minarette eingestürzt. Bei einem ersten Anschlag auf die Grabmoschee war die Kuppel des Bauwerks stark beschädigt worden. Dies hatte im Februar 2006 eine verheerende Welle der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten ausgelöst, der seither mindestens 15.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Bewegung des Schiitenführers Moktada al-Sadr rief ihre Anhänger dazu auf, Ruhe zu bewahren. 2006 hatten Extremisten seiner Miliz Racheakte an der sunnitischen Bevölkerung in der Hauptstadt Bagdad begangen.

Mehrere Mörsergranaten

Die Polizei berichtete, diesmal seien vor der Explosion der Sprengsätze auf dem Gelände der Moschee mehrere Mörsergranaten eingeschlagen. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Es habe sich eindeutig um einen "terroristischen Akt" mit dem Ziel gehandelt, die religiöse Gewalt weiter anzufachen, sagte der Leiter der Verwaltung der schiitischen Heiligtümer im Irak, Saleh el Haidiri. Ein Vertreter des irakischen Innenministeriums wollte die Informationen zunächst nicht bestätigen. Er sagte lediglich, es würden verschiedene "Informationen geprüft". US- und irakische Soldaten nahmen im nördlich von Bagdad gelegenen Samarra Ermittlungen auf.

Der Anschlag im vergangenen Jahr war von mutmaßlichen Anhängern des Terrornetzes El Kaida verübt worden. Die Moschee wurde daraufhin geschlossen und von Sicherheitskräften umstellt. Diese konnten den neuerlichen Anschlag jedoch nicht verhindern.

Einzigartiges Heiligtum

In der "Goldenen Moschee" befinden sich die Schreine der schiitischen Imame Ali al-Hadi und Hassan al-Askari, die im 9. Jahrhundert in der Stadt gelebt hatten. Der Moschee-Komplex, in dem laut Überlieferung auch die sterblichen Überreste von zwei weiblichen Angehörigen der Familie des Propheten Mohammed aufbewahrt werden, war im 10. Jahrhundert entstanden und mehrfach renoviert und vergrößert worden. Erst 1905 wurde die 68 Meter hohe vergoldete Kuppel des schiitischen Heiligtums fertig gestellt.

Der zehnte Imam Ali al-Hadi ist für die meisten Schiiten einer der zwölf "rechtmäßigen Imame" oder Nachfolger des Propheten Mohammed. Zusammen mit seinem Sohn Hassan al-Askari, dem elften Imam, verbrachte er fast sein ganzes Leben unter Hausarrest in Samarra. Im Jahr 868 wurde er angeblich auf Befehl des Kalifen Dschafar al-Mutawakkil vergiftet. Sechs Jahre später starb auch sein Sohn durch Gift. Der zwölfte Imam ist dem schiitischen Glauben zufolge entrückt und soll am Ende der Tage zur Errichtung eines islamischen Reiches wiederkehren.

Die Schiiten stellen im Irak die Bevölkerungsmehrheit und waren einst von dem Regime Saddam Husseins unterdrückt worden. Der Vorsitzende der religiösen Stiftung der Sunniten in Samarra, Scheich Ahmed al-Samarai, verurteilte den Anschlag und rief die Iraker auf, "sich nicht in Konflikte zwischen den Religionsgruppen hineinziehen zu lassen". (stu)

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