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Aktuell Nahost

Angst vor neuen Unruhen in Nahost

Nach zwei tödlichen Messerattacken von Palästinensern auf israelische Staatsbürger wächst die Furcht vor einer neuen Intifada. Eine Äußerung von Israels Regierungschef Netanjahu dürfte die Palästinenser weiter erzürnen.

Die Serie von Attentaten gegen Israelis reißt nicht ab. Am Montag attackierte ein palästinensischer Jugendlicher in Tel Aviv einen 20-jährigen Soldaten und verletzte ihn mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich. Wenig später starb das Opfer in einem Krankenhaus.

Nur Stunden später stürzte sich an einer Bushaltestelle im Westjordanland ein Palästinenser mit einem Messer auf wartende Zivilisten. Eine 26-jährige Israelin wurde bei dem Anschlag getötet, zwei Männer erlitten leichte und mittelschwere Verletzungen. Der Attentäter wurde von einem Wachmann der nahegelegenen Siedlung Alon Schvut angeschossen und schwer verletzt.

Attentat an symbolischem Ort

Zu dem zweiten Anschlag bekannte sich die palästinensische Extremistengruppe "Islamischer Dschihad" ("Heiliger islamischer Krieg"). Der Attentäter war eines ihrer Mitglieder. Der Vorfall ereignete sich an demselben Ort, an dem im Juni drei israelische Jugendliche entführt und später ermordet worden waren. In der Folge war es zwischen Israel und den Palästinensern zu einem 50-tägigen Krieg im Gazastreifen gekommen, der erst im August mit einer durch Ägypten vermittelten Waffenruhe endete.

Die Hintergründe des Attentats in Tel Aviv sind noch unklar. Die Polizei nahm einen Verdächtigen in der Stadt Nablus im Westjordanland fest, von dem es hieß, er sei Hamas-Mitglied und halte sich illegal in Israel auf. Die radikal-islamische Organisation bekannte sich jedoch nicht zu dem Anschlag. Sie teilte in einer Stellungnahme lediglich mit, "Akte des Widerstandes von Menschen im Westjordanland oder in Ostjerusalem" seien eine "normale Reaktion auf die Verbrechen Israels".

Anschlag Tel Aviv 10.11.2014

Bei einem Attentat in Tel Aviv starb ein 20-jähriger Soldat

Netanjahu kündigt drastische Strafen an

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will die derzeitigen Angriffe und Unruhen nach eigenen Worten mit allen Mitteln stoppen. Vor Mitgliedern seiner Likud-Partei kündigte er unter anderem an, die Häuser von Unruhestiftern niederzureißen. Palästinensischen Demonstranten in Ostjerusalem und in Israel empfahl er den Umzug ins Westjordanland oder in den Gazastreifen: "Jenen, die gegen den Staat Israel und für den Palästinenserstaat demonstrieren, sage ich einfach: Geht dorthin, in das Gebiet der Palästinenserbehörde oder nach Gaza!"

Auch der rechtsorientierte Wirtschaftsminister Naftali Bennett rief zu einer härteren Bestrafung palästinensischer Angreifer auf. Er bezeichnete Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als "Terrorist im Anzug" und forderte, Israel müsse ihn dementsprechend behandeln.

Spannungen nehmen zu

Schon vor den jüngsten Anschlägen waren die Sicherheitskräfte aus Furcht vor neuen Unruhen in Israel und den Palästinensergebieten in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. In den vergangenen Wochen hatten sich die Spannungen zwischen den verfeindeten Lagern verschärft. So hatte in der vorigen Woche in Jerusalem ein Palästinenser einen Kleinbus in eine Menschenmenge gesteuert und zwei Israelis getötet. Bei einem ähnlichen Zwischenfall war zuvor ein israelischer Säugling ums Leben gekommen.

Vor der Küste von Gaza verletzte die israelische Marine nach palästinensischen Berichten zwei Fischer und zerstörte ihr Boot. Eine Armeesprecherin sagte, es habe sich um ein Schmugglerboot gehandelt, das auf dem Rückweg aus Ägypten gewesen sei. Die Insassen hätten Aufrufe zum Anhalten ignoriert. Ein Teil der im August vereinbarten Waffenruhe war die Ausweitung der Fischereizone von drei auf sechs Seemeilen. Seit Ende des jüngsten Gaza-Krieges ist es zu mehreren derartigen Zwischenfällen gekommen.

mak/wl (dpa, rtr, afp)