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Afrika

Angst vor der Katastrophe

Nach der Einnahme Gomas durch Aufständische bleibt die Lage unübersichtlich. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Humanitären Katastrophe; Außenminister Westerwelle fordert unterdessen eine politische Lösung.

People flee as fighting erupts between the M23 rebels and Congolese army near the airport at Goma, Congo, Monday, Nov. 19, 2012. Rebels believed to be backed by Rwanda fired mortars and machine guns Monday in a village on the outskirts of the provincial capital of Goma and threatened to attack the city which is protected by ragtag Congolese government troops backed by United Nations peacekeepers. The gunfire and explosions erupted in the early afternoon, hours after the M23 rebels said they were halting fighting in order to negotiate with the government of Congo. (Foto:Melanie Gouby/AP/dapd).

Kongo Gefechte nahe Goma Flughafen

Nun ist eingetreten, was die Einwohner Gomas seit Tagen befürchtet hatten: Am Dienstag (20.11.2012) haben die M23-Rebellen die strategisch wichtige Grenzstadt erreicht und unter ihre Kontrolle gebracht. Nennenswerten Widerstand gab es offenbar weder von der kongolesischen Arme noch von den sie unterstützenden UN-Truppen (Monusco). Angeblich haben die Rebellen auch den Flughafen der Provinzhauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Daran gibt es jedoch Zweifel: Der Monusco-Sprecher Manodje Mounoubai sagte gegenüber der DW, der Flughafen sei weiterhin unter Kontrolle der UN-Soldaten. Der Abgeordnete des Regionalparlaments Nord-Kivu, Mayombo Omar bin Fikira, dagegen erklärte, die Rebellen hätten den Airport eingenommen und bauten nun ihre Stellung um das Regional-Parlament aus. "Die Situation ist angespannt, man hört Explosionen", so bin Fikira. "Als ich das Haus kurz verlassen konnte, sah ich Soldaten in den Straßen. Viele Menschen versuchen mit dem Auto, die Stadt zu verlassen."  Regierungsmitarbeiter und Parlamentarier hätten nun Angst vor Racheaktionen der Rebellen.

(DW-Grafik: Peter Steinmetz)

Die Nachbarländer Kongo und Ruanda mit der Grenzstadt Goma

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt: "Dem sich abzeichnenden politischen Chaos und der humanitären Notlage muss dringend Einhalt geboten werden", sagte er am Rande seiner Nahost-Reise. Die Rebellen müssten ihr militärisches Vorgehen "umgehend stoppen". Kongo müsse einen politischen Prozess zur Lösung des Konflikts mit den Rebellen einleiten, die Nachbarstaaten sollten alles unterlassen, was die Situation weiter verschärft, so Westerwelle. Damit ist vor allem Ruanda gemeint: Kongo wirft dem Nachbarland vor, die M23-Rebellen militärisch und logistisch zu unterstützen.

Zehntausende Menschen auf der Flucht    

M23 Rebellen (Foto: PHIL MOORE/AFP/Getty Images)

M23-Rebellen haben ein Dorf bei Goma eingenommen

Wegen des Vormarschs der M23-Rebellen sind Zehntausende Menschen auf der Flucht - die Zahl dürfte jetzt noch steigen. Goma hatte wegen der starken Präsenz von UN-Blauhelm-Soldaten zuletzt als sicher gegolten. Viele Tausend Einwohner der Region Nord-Kivu hatten sich seit Beginn der Kämpfe im April dort in Sicherheit gebracht. Am Wochenende bewegte sich ein Flüchtlingsstrom vom nördlich gelegenen Flüchtlingslager im Ort Kanyarunchinya Richtung Mugunga im Süden, wo ein weiteres Lager ist.

"Rund ein Drittel der Menschen musste in leer stehenden Schulen unterkommen", sagt Joseph Makundi am Montag (19.11.2012) im Gespräch mit der DW. Mukundi ist bei der Provinzregierung Goma zuständig für den Schutz der Bevölkerung. "Viele Flüchtlinge waren zu müde, um es bis ins Lager zu schaffen." Mukundi bekommt nun Hilfe vom Internationalen Roten Kreuz. "Wir betreuen Kinder, die ohne Angehörige geflohen sind. Außerdem muss die Versorgung mit Nahrung und Kochutensilien in den Flüchtlingslagern aufgestockt werden", so Mukundi.

Hilfe aus Deutschland

Auch das Deutsche Diakonische Hilfswerk bereitet Unterstützung vor. Dafür ist Charley Mampasu vor Ort: "Wir sind jetzt dabei, den Einsatz zu koordinieren. Von den Hilfsorganisationen in Goma müssen wir jetzt genau wissen, was sie am dringendsten brauchen." Die Caritas will trotz der angespannten Lage mit rund vierzig Mitarbeitern in der Region bleiben, um den Flüchtlingen zu helfen.

Noch am Sonntag war der Gouverneur von Nord-Kivu, Julien Paluku, nach Goma geeilt, um die Bevölkerung zu beruhigen: "Ich habe der Bevölkerung  versichert, dass die Stadt unter der Kontrolle der kongolesischen Armee steht - und das mit Unterstützung der UN-Soldaten", erklärte er noch am Sonntag gegenüber der DW. 

UN-Soldat in Goma (Foto: JUNIOR D.KANNAH/AFP/Getty Images)

UN-Soldat patroulliert in Goma

Das stellt sich nun als eine grobe Fehleinschätzung heraus. Auch der Schutz durch die UN-Truppen scheint wenig effektiv: Selbst mit Kampfhubschraubern schafften sie es am Samstag nicht, den Vormarsch der Rebellen aufzuhalten. Trotz massiven Beschusses nahmen die Aufständischen mehrere Vororte Gomas ein - und nun auch die Provinzhauptstadt selbst. 

Vereinte Nationen warnen vor humanitärer Katastrophe

Noch bis kurz zuvor hatten die Rebellen behauptet, Goma nicht einnehmen zu wollen - dazu seien sie logistisch nicht in der Lage. Jetzt stellt sich das als strategischer Schachzug heraus. Laut den Vereinten Nationen droht nun eine humanitäre Katastrophe. Ein UN-Sprecher fasste es so zusammen: "Die Situation ist extrem beunruhigend, angespannt und unvorhersehbar."

An M23 rebel stands guard in the village of Kanyarucinya, some 6km from Goma, in eastern Democratic Republic of the Congo, on November 18, 2012. Government soldiers were fleeing the eastern DR Congo city of Goma in large numbers today as rebels advanced to the gates of the regional capital after fresh fighting erupted in the area last week, a UN source said. AFP PHOTO / PHIL MOORE (Photo credit should read PHIL MOORE/AFP/Getty Images)

M23-Rebellen: Unterstützung aus Ruanda?

Auch die UNO wirft Ruanda vor, die Rebellen von M23 militärisch zu unterstützen. Hintergrund ist der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi, bei dem 1994 bis zu einer Million Tutsi und gemäßigte Hutu getötet worden waren. Als die Truppen unter dem heutigen Präsidenten Paul Kagame (Tutsi) siegten, flohen viele ruandische Hutu in die Grenzregion der benachbarten Demokratischen Republik Kongo. Dort schwelt der Konflikt zwischen den ethnischen Gruppen bis heute weiter. Dahinter stehen aber auch wirtschaftliche Interessen: Mit Gewalt und unter dem Vorwand, die im Kongo lebenden Tutsi schützen zu wollen, geht es den M23-Rebellen vor allem um die Kontrolle der rohstoffreichen Region Nord-Kivu.

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