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Wirtschaft

Angst vor dem Ausverkauf in Island

Islands Gesellschaft ist gespalten: Ein chinesischer Investor plant ein großes Öko-Tourismusprojekt. Einige sehen darin eine Chance für die Wirtschaft, andere fürchten den Ausverkauf.

Chinesisches Geld. Foto: EPA/MARK

Gut gefüllte Kassen für Investitionen weltweit: China

Ausverkauf in einer Boutique in Rejkavik. Foto: Per Henriksen.

Nach der Wirtschaftskrise: Angst vor dem Ausverkauf Islands

Knapp drei Jahre ist es her, dass in Island das Bankensystem zusammenbrach. Die Volkswirtschaft wurde hart von der Finanzkrise getroffen. Langsam erholt sich der kleine Staat im Nordatlantik von dem Crash. Eine nicht geringe Rolle beim Erstarken der isländischen Wirtschaft spielen ausländische Investoren. Die sind gerade in der noch immer schwierigen Lage sehr erwünscht. Die jüngsten Pläne eines chinesischen Investors gehen vielen Isländern dann allerdings doch zu weit: 100 Millionen Dollar will der Chinese Huang Nabo für ein Ökotourismus-Projekt im Nordosten des Landes aufwenden. 300 Quadratkilometer Land will er erwerben. Ein Geschäft, das nicht jedem gefällt.

Wenn in der Vergangenheit viel Geld von ausländischen Investoren nach Island geflossen ist, war zumeist die Schwerindustrie beteiligt. Aluminiumwerke konnten zum Beispiel in kaum einem anderen Land so günstig Strom beziehen wie auf der Insel mit den gewaltigen Wasserfällen und enormen Naturressourcen. Wie wohlklingend hört es sich dagegen an, wenn ein Großinvestor sein Geld einfach nur im Öko-Tourismus einbringen will. Große Hotelanlagen mit Golfplätzen an einem Ort, an dem derzeit nur vereinzelt ein paar Schafe grasen und ein einsamer Bauernhof steht, der im Sommer ein paar Gästezimmer für die Touristen bereithält.

Sorge um die natürlichen Ressourcen

Karte Island.

Kleines Land mit großen Sorgen: Island

"Will Huang Nubo tatsächlich 300 Quadratkilometer erwerben, nur um einigen wohlhabenden Ökotouristen eine Luxussuite bieten zu können oder steckt da doch mehr dahinter?" fragen sich jedoch viele Isländer. "Ich denke, dass es gut für Islands Wirtschaft ist und für die Menschen im Nordosten neue Einkommensmöglichkeiten schafft. Vielleicht wird es auch eine Touristenattraktion für die Isländer selbst", meint dagegen eine junge Frau. Ein älteres Ehepaar, das im vergangenen Jahr Urlaub in China gemacht hat, findet den Plan ganz in Ordnung: Schließlich investierten die Europäer in China mehr als die Chinesen in Europa. Und: "Wir brauchen doch jetzt Investitionen." Eine ältere Dame ist hingegen skeptisch: "Wenn man jemandem ein solch großes Areal verkauft, der aus einer ganz anderen Kultur kommt, dann weiß man nicht genau, was er mit dem Eigentum machen wird. Darüber machen sich viele Isländer Sorgen."

Das Gebiet, das Huang Nubo kaufen möchte und für das bereits Vorverträge unterschrieben wurden, umfasst den Fluss Jökulsá. Das ist ein großer Gletscherfluss, dessen Wassermassen in einem Tal in die Tiefe stürzen und eine der größten Naturattraktionen Islands bilden: den Wasserfall Dettifoss. Um Wasserrechte für Energiegewinnung geht es dem Chinesen aber offenbar nicht. Diese will er an die isländische Regierung abtreten. Die Rechte für das Quellwasser dagegen wären in seiner Hand. Manche vermuten, Huang Nubo wolle in Island zu einem künftigen Umschlagplatz für Waren aus Asien machen. Das Eis am Nordpol schmilzt und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Schiffe direkt aus Asien dorthin gelangen.

Aber völlig unabhängig davon, welche Absichten Huang Nubo mit dem Investment letztlich verfolgt, der linksgrüne Innenminister Ögmundur Jónasson hat Zweifel an dem Vorhaben: "Das isländische Gesetz sieht vor, dass Ausländer nicht einfach so Land erwerben dürfen. Soll das nicht mehr aktuell sein?", fragte er angesichts manch euphorischer Äußerung über das geplante Investment. Und: "Wenn ein ausländische Investor 300 Quadratkilometer kaufen will, dann sollten wir darüber gründlich nachdenken, ob wir das wirklich wollen. Sollen wir unser Land wirklich derart zum Verkauf anbieten?"

Wasserfall in island. Foto: AP Photo/Suzanne Plunkett

Islands Landschaften: Kapital im Tourismusgeschäft

Streit innerhalb der Regierung

Dieses Projekt spaltet die Regierungskoalition. Während die Links-Grünen einen Ausverkauf ihrer Heimat befürchten, wittert der größere Koalitionspartner, die Sozialdemokraten, ein gutes Geschäft. Geld kann das von der Finanzkrise hart getroffene Land gut gebrauchen, findet die sozialdemokratische Industrieministerin Katrín Juliusdóttir. Im isländischen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender RÚV sagte sie außerdem: "Privates Kapital ist privates Kapital, unabhängig davon, ob es einem In- oder Ausländer gehört. Aber wenn es sich um ein Geschäft dieser Größe handelt, dann ist es verständlich, dass viele das mit einer gewissen Zurückhaltung betrachten. Aber es gibt schließlich Gesetze, die verhindern, dass an der Natur Raubbau betrieben werden kann. Insofern braucht man ausländische Investments nicht zu fürchten."

Der Deal hat auch noch eine politisch pikante Note, denn Huang Nubo ist ein persönlicher Freund des Mannes der ehemaligen sozialdemokratischen Außenministerin Ingibjörg Sólrun Gisladóttir.

Autorin: Jessica Sturmberg
Redaktion: Matthias von Hein / Friedel Taube