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Testseite Wirtschaft

Angst regiert am Öl-Markt

Die Verschnaufpause nach dem Preisschock vom Juni währte nicht lange. Diese Woche wurden die Händler an den internationalen Öl-Markten abermals hoch nervös. Die Rohöl-Preise steigen wieder. Warum eigentlich?

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Alles hängt am Öl-Preis. Auch dieser Börsenhändler in Frankfurt/Main.

Brennende Pipeline im Iraq

Ein Bild, das immer noch zum irakischen Alltag gehört: eine brennende Öl-Pipeline

Die Gründe für den Preisanstieg am Öl-Markt sind vielfältig: Da ist einerseits die unsichere Situation im Irak. Noch immer vergeht kaum eine Woche, ohne dass irakische Förderanlagen oder Pipelines in Flammen aufgehen. Daran haben weder die Machtübergabe an die Iraker, noch die Mitte der Woche eingeführten Notstandsgesetze etwas geändert.

Yukos-Krise strahlt nach Europa

Yukos Logo mit Thumbnail

Das Logo von Yukos

Ein noch größeres Sorgenkind als der Irak ist der Yukos-Konzern: Die Zukunft der bislang einflussreichsten russischen Öl-Gesellschaft ist ungewiss. Am Mittwoch (7.7.) verstrich eine Frist zur Rückzahlung einer hohen Steuerschuld an den russischen Staat. Damit könnte nun die Zerschlagung der Firma anstehen. Gut möglich, dass die Pumpen auf Yukos Öl-Feldern demnächst still stehen. Das dürfte man besonders in Europa zu spüren bekommen, dessen größter Öl- und Gas-Lieferant Russland ist.

Und dann meldete auch noch die Firma Total einen vorläufigen Förderstopp in Nigeria, unter anderem werden neue Streiks befürchtet. Der westafrikanische Staat ist größter Öl-Produzent in der Region, zumindest auf dem Papier. Neben Total (Frankreich) sind auch Shell (Großbritannien) und Exxon Mobil (USA) in Nigeria aktiv. Die drei Multis beklagen häufige Produktionsausfälle wegen Arbeitskämpfen und anderer Unwägbarkeiten.

Experte: Überreaktion des Markts

Die Angst, die die jüngsten Entwicklungen im Irak, in Russland und Nigeria an den Öl-Märkten auslöste, ist beträchtlich. Sie ist aber nach Ansicht von Rainer Wiek vom Energie-Informations-Dienst ganz unbegründet. "Die Reserven in den Industriestaaten sind momentan ausreichend, die Märkte werden gut versorgt. Zur Panik besteht kein Anlass." Mittelfristig müsse sich die Lage in den Krisengebieten aber wieder stabilisieren, ergänzt Wiek, denn: "Es gibt keine Alternative zum Öl aus diesen Regionen."

Brennpunkt Nigeria

Shell USA floating oil platform, photo on black Ölplattform

Shell-Förder-Plattform

Für die Probleme, die die Öl-Multis in Nigeria geltend machen, hat Wiek viel Verständnis: "Dieses Land war schon immer ein sehr schwieriges Pflaster. Es sind ja nicht nur die Streiks: Dort werden Mitarbeiter entführt, Pipelines illegal angezapft oder durch Feuer zerstört." Neun Millionen Barrel Öl (1,4 Milliarden Liter) verlor allein Shell vergangenes Jahr durch Diebstahl.

Verwirrung um Shells Pläne im Niger-Delta

Dass die Sicherheitslage in Nigeria häufig angespannt ist, weiß man auch an den Rohöl-Märkten. Für besondere Verwirrung sorgte bei den Händlern aber eine interne Shell-Studie, die im Juni zufällig an die Öffentlichkeit gelangte. In dem Papier heißt es, der Konzern müsse sich vielleicht bis 2008 aus dem öl-reichen Niger-Delta zurückziehen. Der Sinn der dortigen Öl-Förderung stehe wegen der anhaltenden Probleme mittelfristig in Frage.

Ein Rückzug Shells aus dem westafrikanischen Land sei "völlig undenkbar", verkündet dazu der Shell-Sprecher in London, Simon Burk. Er dementiert auch die jüngsten Berichte über einen vorübergehenden Förderstopp oder eine gedrosselte Produktion in Nigeria. Burk verweist stattdessen auf die mehr als 70-Jährige Geschichte Shells in Nigeria, das er als "Kernland" des Öl-Imperiums bezeichnet. "Wir gehen mit diesem Land durch Dick und Dünn", sagt der Shell-Sprecher. Das flammende Bekenntnis des Konzerns ist verständlich: Nigeria lieferte letztes Jahr zehn Prozent der gesamten Shell-Förderung.

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