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Fokus Osteuropa

Angst prägt weiter das Zusammenleben von Albanern und Serben in Südserbien

Nach bewaffneten Auseinandersetzungen 2001 zwischen rebellierenden Albanern und serbischen Einheiten in Südserbien scheint Ruhe in das Unruhegebiet eingekehrt. Doch wie erlebt die dort ansässige Bevölkerung den Alltag?

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Aus Angst bleiben viele Menschen abends zu Hause

In drei Landkreisen in Südserbien – Bujanovac, Presevo und Medvedja – leben einige zehntausend Albaner. Ihre politischen Vertreter meinen, sie seien sie in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden. Dies sei auch der Grund dafür gewesen, dass es in der Vergangenheit häufig zu Spannungen und Gewaltausbrüchen in diesem Teil Serbiens kam. Auch in den vergangenen Jahren waren in diesem Gebiet die interethnischen Spannungen sehr hoch und kulminierten 2001 in einem bewaffneten Konflikt zwischen Gruppierungen bewaffneter Albaner – der so genannten Befreiungsarmee für Presevo, Medvedja und Bujanovac UCPMB – sowie den Militär- und Polizeikräften.

Leben in Angst

Fünf Jahre nach dem bewaffneten Konflikt äußern sich viele Menschen in der Region nicht gern zu Fragen nach den interethnischen Beziehungen, zur Sicherheitslage und zu der Frage, wie das Leben unter solchen Umständen aussieht. Albaner aus Presevo und Bujanovac sagen: "Ich weiß nicht, ich kann dazu nichts sagen." "Ich bin kein politischer Mensch, nur ein einfacher Bürger." "Wir haben nicht den Mut, etwas zu sagen." "Die Lage in Presevo ist schlecht, wir werden provoziert. Mir persönlich haben sie gesagt, ‚was wollt ihr Skipetaren denn hier‘."

Dies ist eine typische Erklärung dafür, warum einige von Albanern bewohnte Städte in Südserbien auch heute bei Einbruch der Dunkelheit praktisch menschenleer sind. Dies betrifft sowohl die Albaner als auch die Serben. Sie gehen einfach in dieser Gegend nicht spät abends außer Haus, auch wenn es in den Ortschaften keine bewaffneten Konflikte gibt. Trotzdem sind die Spannungen wegen der Nähe zur entmilitarisierten Grenzzone zum Kosovo hoch, weil am Rande dieser Zone häufig Zwischenfälle passieren. Dies verursacht auch bei den dort lebenden Serben Angst. "Die Spannungen sind schon hoch." "Selbstverständlich herrscht Angst, die Menschen sind verschreckt." Dies sagen Serben aus Bujanovac.

Zwiespältiges Verhältnis

Viele Stellungnahmen fallen karg und zweideutig aus. "Häuser brannten nieder, die Menschen waren aufgewühlt und in die Lage versetzt, dass sie nicht nachhause zurückkehren konnten. Auch ich würde ein Gewehr in die Hand nehmen, wenn sei bei mir am Hauseingang stünden, um mein Haus anzuzünden. Für die Einen ist in Ordnung, wenn ihr Haus nach ethnischem Schlüssel verteidigt wird, und für Andere eben nicht", lautet der Tenor der Albaner aus Südserbien. Bei den bewaffneten Zwischenfällen, die es früher an der Grenzzone häufig gab, seien größtenteils junge Menschen zum Oper gefallen, meint ein älterer Albaner. "Was will ich dann mit Leskovac oder mit Belgrad, wenn mein 20-jähriger Sohn stirbt."

Mittlerweile ist die Lage in Bujanovac, Presevo und Medvedja ruhig und stabil. Das heißt, die UCPMB ist entwaffnet, die Zahl der dort stationierten serbischen Militär- und Polizeiangehörigen ist bedeutend reduziert worden. Dagegen ist eine multiethnische Polizeieinheit bestehend aus Serben und Albanern gegründet worden, um Spannungen in dieser Region vorzubeugen. Doch auch jetzt noch kommen bewaffnete Zwischenfälle sporadisch vor, und die Angst der Bevölkerung ist ungebrochen. Grund dafür sind häufig nationalistische Ausbrüche von Lokalpolitikern – sowohl der Albaner als auch der Serben.

Ljiljana Danilovic, Kursumlija
DW-RADIO/Serbisch, 1.7.2006, Fokus Ost-Südost

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