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Aktuell Nahost

Angriffe auf Aleppo vertreiben 50.000 Syrer

Der verschärfte Kampf um die nordsyrische Stadt Aleppo bringt die verbliebenen 300.000 Bewohner in immer ärgere Not. Kurdische Kämpfer melden einen strategischen Sieg - Russland soll eine Waffenruhe vorgeschlagen haben.

Eine Frau kocht auf offener Straße für ihren kleinen Sohn (Foto: AFP)

Die Not ist groß in Aleppo

Die Offensive der syrischen Streitkräfte unterstützt von russischen Bombardements gegen Rebellen in der Provinz Aleppo hat nach Schätzungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bisher 50.000 Menschen in die Flucht getrieben. Die Syrien-Beauftragte des IKRK, Marianne Gasser, erklärte, bei extrem niedrigen Temperaturen versuchten die Menschen, ohne Schutz, Wasser und Nahrung unter sehr gefährlichen Bedingungen zu überleben. Da Straßen unterbrochen seien, habe man große Schwierigkeiten, die Vertriebenen mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" warnte, das Gesundheitssystem in der Region Asas nördlich von Aleppo stehe "vor dem Zusammenbruch". Das Gebiet um die umkämpfte Grenzstadt sei schon vor den neuen Gefechten "eine der am schlimmsten von diesem brutalen Krieg betroffenen Regionen" gewesen, machte die Syrien-Koordinatorin Muskilda Zancada deutlich.

Keine Wasserversorgung in Aleppo

In der Stadt Aleppo, in der laut Angaben der Vereinten Nationen (UN) noch 300.000 Menschen ausharren, gibt es keine reguläre Wasserversorgung mehr. Die verbliebenen Einwohner sind auf 100 Verteilstellen angewiesen, an denen unter anderem das Rote Kreuz Wasser ausgibt. Darüber hinaus gibt es kaum Strom, es herrscht Bezinmangel, wie Helfer weiter mitteilten. Falls sich die Lage noch verschärfen sollte, rechnen die UN damit, dass 150.000 Zivilisten aus Aleppo fliehen könnten. Aus der Region haben sich bereits zehntausende Syrer bis zur türkischen Grenze durchgeschlagen. Dort harren sie in Lagern aus.

Flüchtlinge aus Aleppo in einem Lager an der türkischen Grenze (Foto: picture alliance)

Flüchtlinge warten in einem Lager an der türkischen Grenze auf die Verteilung von Lebensmitteln

Kurden vertreiben Islamisten von Militärstützpunkt in Aleppo

In der Provinz Aleppo nahmen kurdische Kämpfer nach Angaben von Aktivisten einen strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt ein. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hätten gemeinsam mit ihren arabischen Verbündeten Islamisten und andere Kämpfer von dem Stützpunkt Minnigh und aus der angrenzenden gleichnahmigen Stadt vertrieben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Damit hätten die Islamisten den einzigen Militärflughafen verloren, den sie in der Provinz kontrollierten, erklärte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Feuerpause zum 1. März?

Mehrere Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in New York drängten Russland, die Luftangriffe einzustellen. Sie seien "direkte Ursache für die Krise um Aleppo", sagte Neuseelands UN-Botschafter Gerard van Bohemen bei den Beratungen des UN-Gremiums zur Lage in Aleppo. Der Krieg am Boden habe einen direkten Einfluss auf die politischen Gespräche und damit die humanitäre Situation. Auch Großbritannien und Frankreich riefen Moskau auf, die Bombardements zu beenden, damit humanitäre Helfer die Menschen in Not erreichen könnten. "Es ist kein Gefallen, um den wir die syrische Regierung und ihre Verbündeten bitten, es ist ihre Pflicht", betonte Frankreichs UN-Botschafter François Delattre.

Anwohner nach einem Luftangriff der syrischen Streitkräfte in den Trümmern ihrer ehemaligen Häuser in Aleppo (Foto: rtr)

Anwohner nach einem Luftangriff der syrischen Streitkräfte in den Trümmern ihrer ehemaligen Häuser in Aleppo

Hinter den Kulissen soll Russland mit den USA über eine mögliche Feuerpause verhandeln. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte in New York, man führe "sehr wichtige" Gespräche im Vorfeld des internationalen Syrien-Treffens in München an diesem Donnerstag. Wie verlautet, soll Russland eine Waffenruhe zum 1. März vorgeschlagen haben. Dagegen meinte US-Außenamtssprecher Mark Toner in Washington, vor den Beratungen in München werde man den Inhalt jeglicher Vorschläge nicht analysieren oder diskutieren.

Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz kommen Vertreter der sogenannten Syrien-Kontaktgruppe zusammen. Neben US-Außenminister John Kerry und seinen Kollegen aus Deutschland und Russland, Frank-Walter Steinmeier und Sergej Lawrow, werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch Delegierte des Irans und Saudi-Arabiens in der bayerischen Landeshauptstadt erwartet.

se/wl (afp, ape, rtr, dpa)

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