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Kultur

Angriff der Yogi-Flieger

Die Lehre des Gurus Maharishi Mahesh breitet sich aus. Allein in Deutschland sollen 300 "Friedenspaläste" entstehen, in denen Meditationslehren wie das "yogische Fliegen" verkauft werden sollen - für gutes Geld.

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Maharishi-Jünger, noch am Boden

Für knapp eine Million Euro hat die Maharishi-Weltfriedensstiftung im vergangenen Jahr das ehemalige Gebäude des Niedersächsischen Landesamtes für Straßenbau in Hannover gekauft. Das 1864 erbaute Palais beherbergt nun die Maharishi-Jünger und eine Art Ayurveda-Wellness-Zentrum. Im Angebot: transzendentale Meditation, Ayurveda, Massagen, Kräuterpräparate und Nahrungsergänzungsmittel. Emmanuel Schiffgens, der Deutschlandchef der Maharishi-Organisation, verspricht aber nicht nur Wellness und Vorbeugung gegen Krankheiten, sondern er schlägt auch wirre nationalistische Töne an: "Alles, was Deutschland braucht, um unbesiegbar zu werden, ist Kohärenz und Geordnetheit im kollektiven Bewusstsein", meint der Mann. "Wir sind ja in Deutschland momentan fremden Einflüssen stark ausgesetzt. Das ist ein großes Verbrechen. Deutschland ist nicht frei, und diesen Zustand wollen wir ändern." Mit ähnlich kruden Parolen zogen Anhänger der Naturgesetzpartei sogar mehrfach in den Bundestagswahlkampf. Seit 2004 ist mit den politischen Ambitionen aber Schluss.

Fliegen durch Glückseeligkeit

Gebleiben ist der Gedanke, mit yogischem Fliegen die Welt zu ändern: Eine Technik, die sich durch transzendentale Meditation erlernen lasse. Durch die Konzentration auf sich selbst könnten Gedanken Wirklichkeit erzeugen und sich erfüllen, sagt Schiffgens, ein korpulenter Geschäftsmann: "Das yogische Fliegen ist ein Phänomen, in dem das transzendentale Bewusstsein in Schwingungen versetzt wird. Das äußert sich subjektiv als ein Sprudeln von Glückseligkeit, und zwar so stark, dass es auch die Physiologie mitreißt, so dass der Körper richtig in die Luft kommt. Das ist das yogische Fliegen."

Maharishi Mahesh Yogi

Maharishi Mahesh Yogi

Fliegen durch Glückseligkeit? Für andere ist es schlicht Hüpfen auf einer Matte. Denn vom Fliegen könne weiß Gott nicht die Rede sein, sagt Ulrich Dehn von der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Eher von einer Turnübung. "Das yogische Fliegen ist etwas, was wahrscheinlich jeder Turnlehrer irgendwann hinkriegt."

Für den Weltfrieden

Trotzdem: Allein in Deutschland folgen über 100.000 Menschen den Lehren des in den Niederlanden lebenden indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi. Als Religion verstehen sie die Lehre nicht: "Die transzendentale Meditation ist keine Religion, ist keine Weltanschauung, sie ist nichts als eine wissenschaftliche Technik", beteuert Emmanuel Schiffgens. "Es ist bewiesen, dass Meditieren besonders in großen Gruppen, die systematische Technik ist, um Weltfrieden herzustellen, weil sie den Stress in der Atmosphäre auflöst."

Ulrich Dehn sieht die Maharishis dagegen sehr wohl als religiöse Gruppe, die sich mit ihren "sieben Schritten zur Meditation" eng an hinduistische Riten anlehnen. Gegen Meditation spreche im Prinzip ja auch nichts. Meditation könne zur Stabilisierung der eigenen Persönlichkeit beitragen. "Alles, was darüber hinaus geht, halte ich für Unfug", sagt der evangelische Theologe. "Auch diese Vorstellung, dass durch ein bestimmtes Quantum an Meditieren und an Menschen, die diese yogischen Übungen machen, ein bestimmter Bereich der Umgebung und darüber hinaus eine ganze Nation unbesiegbar wird. Das ist ein Etikettenschwindel, der sehr schnell entlarvt werden kann."

Fliegen ab 10.000 Euro

Die Angebote der Maharishi-Organisation sind nicht ganz billig. Ayurveda-Kurse ab 1000 Euro, transzendentale Meditation ab 2300 und wenn man das yogische Fliegen erlernen will, muss man schon über 10.000 Euro investieren. "Durchschnittsverdiener, die ihren letzten Cent hergeben, indem sie sich auf die Sachen einlassen, da kann es ein Problem werden, dass sie der Meinung sind, sie würden an einem großen Weltentwurf mitwirken", meint Dehn. "In Wirklichkeit haben sie zu viel Geld für Wellness ausgegeben, die sie woanders billiger gekriegt hätten, das war es dann schon."

Die Maharishi-Organisation ist vor allem auf der Suche nach solventen Kunden: Jetzt hat das Meditationsunternehmen so genannte Weltfriedens-Wertpapiere zur angeblichen Beseitigung von Armut aufgelegt. Wer pro Wertpapier eine Million Euro und mehr an die Maharishi Global Financing zahlt, dem wird ein Gewinn von 15 Prozent versprochen. Branchenkenner rümpfen die Nase: Solche Renditen seien zu schön, um wahr zu sein. Da solle man lieber gleich Lotto spielen.