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Asien

Angriff auf NATO-Tanklaster in Pakistan

Im Süden Pakistans haben Aufständische insgesamt 27 Lastwagen mit Treibstoff für die internationalen Truppen in Afghanistan in Brand gesteckt. Der Vorfall belastet das Verhältnis Pakistans zum Westen weiter.

Die brennenden NATO-Fahrzeuge in der Nähe von Shikapur (Foto: AP)

Die brennenden NATO-Fahrzeuge in der Nähe von Shikapur

Es war kurz nach Mitternacht, als die Angreifer am Freitag (01.10.2010) zuschlugen: An einer Raststätte eröffneten mit Raketenwerfern und Sturmgewehren bewaffnete Männer das Feuer auf die geparkten Fahrzeuge. Nach Angaben der Polizei zwangen sie die Fahrer auszusteigen und zündeten dann die Tanklaster an. "Einige wurden komplett zerstört, andere nur zum Teil", sagte der örtliche Polizeichef. Zehn Männer seien festgenommen worden. Der Überfall ereignete sich am Stadtrand von Shikapur in der südpakistanischen Provinz Sindh. Der Vorfall ist keine Seltenheit. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu ähnlichen Übergriffen.

Geschlossene Grenze

An der seit Donnerstag geschlossenen Grenze am Khyber-Pass stauen sich die NATO-Fahrzeuge (Foto: AP)

An der geschlossenen Grenze am Khyber-Pass stauen sich die NATO-Fahrzeuge

Über den Grenzübergang Chaman sollte der Konvoi Treibstoff von der pakistanischen Hafenstadt Karachi zu den NATO-Truppen nach Afghanistan bringen. Die in Afghanistan stationierten Einheiten beziehen einen Großteil ihrer Nachschub-Lieferungen – etwa drei Viertel - auf dem Landweg über Pakistan. Neben dem Übergang in Chaman nördlich von Quetta ist vor allem die Grenze in Torkham am Khyber-Pass eine wichtige Route für die Versorgungsfahrzeuge der NATO. Diese Strecke aber hatten die pakistanischen Behörden am Donnerstag gesperrt.

Reaktion auf Angriff

Damit reagierte die Regierung in Islamabad, einer der wichtigsten Verbündeten der USA bei der Stabilisierung Afghanistans, auf den Angriff eines NATO-Kampfhubschraubers in Pakistan an demselben Tag. Dabei waren drei einheimische Soldaten getötet worden. Nach Angaben des pakistanischen Militärs war es der dritte Grenzzwischenfall binnen einer Woche. Der NATO zufolge drangen die Hubschrauber kurz in den pakistanischen Luftraum ein, weil sie von dort beschossen wurden. Man sei davon ausgegangen, dass es sich um Aufständische gehandelt habe, hieß es von Seiten der ISAF.

Polizist vor brennendem Taklastwagen (Foto: AP)

Polizist vor einem brennendem Taklastwagen

Forderungen von Seiten Islamabads

Pakistan seinerseits will den jüngsten NATO-Angriff nicht einfach hinnehmen. Stattdessen fordert die aufgebrachte Regierung in Islamabad eine offizielle Entschuldigung des Bündnisses. "Wenn Ihr (die NATO) den Vorfall nicht erklärt, wenn Ihr keine Entschädigung zahlt oder Euch dafür entschuldigt, dann haben wir andere Möglichkeiten. Und wir werden sie nutzen", so Premierminister Syed Yusuf Raza Gilani. Welche Möglichkeiten er konkret meinte, sagte der Regierungschef in seiner Ansprache vor dem Parlament am Freitag nicht. Die NATO-geführte Afghanistan-Schutztruppe kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an.

Autorin: Esther Broders (dpa, rtr, dapd, afp)
Redaktion: Miriam Klaussner