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Afrika

Angriff auf die Beschützer - UN-Mission im Kongo unter Beschuss

Kongolesen demonstrieren gegen UN-Friedenstruppen. Sie werfen ihnen Untätigkeit im Kampf gegen die ADF-Rebellen vor. Aus Verzweiflung greifen manche Bürger zur Selbstjustiz.

Zu Hunderten haben Menschen in der Stadt Beni im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) am Mittwoch (22.10.2014) gegen die UN-Friedensmission MONUSCO protestiert. Laut Augenzeugenberichten setzten die Demonstranten vor dem UN-Quartier Autoreifen in Brand. Sie forderten den Abzug der internationalen Truppen aus Beni. Die Blauhelme feuerten Schüsse in die Luft, um die Menge zu zerstreuen. Mit den Protesten reagierten die Einwohner auf den Tod zweier Jugendlicher. Diese hatten zusammen mit anderen am Abend zuvor eine Patrouille von Blauhelmen und kongolesischen Soldaten angegriffen. Laut einem Bericht zivilgesellschaftlicher Gruppen hatten die Jugendlichen, bewaffnet mit Macheten, Speeren und Steinen, versucht, die Soldaten zu lynchen und waren in der Auseinandersetzung selbst von Kugeln getroffen worden.

Kongo Beni Anti ADF Bürgerwehr 2014 Foto: John Kanyunyu/DW

"Die Menschen bewaffnen sich."

"Die MONUSCO soll den Frieden sichern", sagte ein aufgebrachter Demonstrant gegenüber der Deutschen Welle. "Warum richtet sie ihre Gewehre auf das Volk, obwohl wir Frieden wollen? Wir fordern den sofortigen Rückzug der MONUSCO aus Beni." Zu den Aufgaben der UN-Stabilisierungsmission im Kongo gehört es, die Bevölkerung vor den Übergriffen zahlreicher Rebellengruppen zu schützen. Anfang des Jahres hatte sie eine Operation gegen die Rebellengruppe "Vereinte demokratische Kräfte" (ADF) gestartet und sie bereits im März für besiegt erklärt. Die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich aufgeheizt, nachdem mutmaßliche

ADF-Rebellen bei Angriffen

in den vergangenen Wochen rund 80 Menschen getötet hatten.

Suche nach messbaren Erfolgen

Die MONUSCO habe unmittelbar nach dem Tod der Jugendlichen Ermittlungen eingeleitet, sagte ihr Sprecher Charles Bambara im französischen Programm der Deutschen Welle. "Wir warten noch auf die Ergebnisse, bevor wir Einzelheiten bestätigen können", so Bambara. Momentan habe sich die Lage aber beruhigt. Von den Demonstrationen in Beni am Mittwoch will der Sprecher nichts gehört haben. Unterdessen wirbt die Mission bei der Bevölkerung um Verständnis für ihre Arbeit. "Der Kampf gegen die ADF geht weiter und wir sind an eurer Seite, um dieses Problem der ADF-Angriffe zu lösen", betonte Vize-Kommandeur Jean Baillaud in Beni. Man wolle mit allen Akteuren zusammenarbeiten, um Frieden zu schaffen. "Und wir werden nicht aufhören, bevor wir handfeste Erfolge haben."

Trauerzug in Beni für die Opfer des Massakers der ADF-Rebellen Foto: John Kanyunyu/DW

Trauerzug in Beni für die Opfer eines Massakers der ADF-Rebellen

Doch die MONUSCO verliert das Vertrauen der Bevölkerung - und die wiederholten Aufrufe zur Ruhe laufen ins Leere. Die Bevölkerung lebt in Angst vor der ADF, die laut Schätzungen immer noch 400 Kämpfer zählen könnte. Noch am Freitag hatten Rebellen mehr als 20 Menschen im Dorf Eringeti mit Macheten und Äxten getötet. Eine Überlebende berichtet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von den Warnungen der Angreifer: "Wenn ihr in Ruhe gelassen werden wollt, hetzt nicht eure Soldaten auf uns." Zahlreiche Anwohner sind bereits aus Beni geflohen.

Selbstjustiz als letzter Ausweg

Andere bewaffnen sich. Markthändler berichten von der großen Nachfrage nach Macheten. Die Bürger wollen sich selber vor den Rebellen schützen und organisieren sich in Bürgermilizen. Einige rechtfertigen ihr Verhalten gegenüber der DW. "Solange es hier keine Sicherheit gibt, werden wir das übernehmen", sagt einer. Es sei besser, dem Tod ins Auge zu sehen als von ihm überrascht zu werden. Am Dienstag wendete sich Benis Bürgermeister Nyonyi Bwanakawa in einem Radioaufruf an die Bürger. Diese sollten sich lieber Armee und Polizei anschließen, anstatt Selbstjustiz zu üben: "Wenn einer dieser jungen Leute unter unglücklichen Umständen ums Leben kommt, wie können wir das erklären?"

UN Soldaten und kongolesische Soldaten im Kongo Foto: PHIL MOORE/AFP

Ausgestattet mit einem robusten Mandat: Soldaten der MONUSCO

Die MONUSCO hatte ihr Vorgehen im vergangenen Jahr neu ausgerichtet. Mit zusätzlichen Truppen und einem robusten Mandat wollte sie "alle negativen Kräfte" im Kongo besiegen, angefangen mit der

Rebellengruppe M23

, die über Monate Teile der Provinz Nord-Kivu in ihrer Gewalt hatte. Nach dem Sieg über die M23 stand die Terrorgruppe ADF auf der Liste Blauhelme. Doch Experten kritisierten das Vorgehen und zweifelten an der Strategie. Es sei "offensichtlich, dass man eine bewaffnete Gruppe nicht neutralisieren kann, wenn man sie nur bombardiert", sagte

Thierry Vircoulon

von der Nichtregierungsorganisation International Crisis Group am Montag im DW-Interview. Die MONUSCO und die kongolesische Armee hätten die ADF mit ihren Angriffen lediglich zersplittert. Nun antworteten die Rebellen mit Rachefeldzügen.

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