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Afrika

Angola: Regierungskritische Jugendliche hinter Gittern

Seit fast einer Woche sitzen 13 Jugendliche in Angola im Gefängnis - weil sie friedlich gegen den Präsidenten demonstrieren wollten. Die neue Verhaftungswelle zeigt, mit welcher Härte das Regime gegen Kritiker vorgeht.

Jeden Tag versammeln sich Angehörige und Freunde vor der Zentrale der Kriminalpolizei in Angolas Hauptstadt Luanda. Sie wollen wissen, wie es den inhaftierten Jugendlichen geht, was genau ihnen vorgeworfen wird. Doch Antworten bekommen sie nicht. Polizisten in Sicherheitsmontur und Agenten des Geheimdienstes halten die Demonstranten auf Abstand. Auch Dalia Chivonde hat ihren 18-jährigen Sohn Manuel Nito Alves seit Tagen nicht gesehen. "Wie kann es sein, dass ein so mächtiger Staat wie Angola Angst vor Kindern hat? Warum nur wollen sie die jungen Leute mundtot machen?". Bei den Verhafteten handele es sich um friedliche, unbewaffnete Zivilisten. Auch der Musiker Mbanza Hamza wurde festgesetzt. "Die Polizei war bei uns zuhause. Sie haben alles durchwühlt, Computer und Mobiltelefone mitgenommen. Sogar auf dem Dach waren sie. In unserem Haus gibt es keine Waffen, mein Sohn Hamza ist völlig harmlos. Er war noch nicht einmal beim Militär", sagt seine Mutter Leonor João.

Nito Alves (Foto: Maka Angola)

Manuel Nito Alves: Er wurde schon zweimal verhaftet, das erste Mal als Minderjähriger im Jahr 2013

Wer sind die Jugendlichen?

Sie trafen sich jeden Samstag in einer Buchhandlung in Luanda: Mitglieder der seit Jahren aktiven Jugendbewegung "movimento revolucionário", ein loser Zusammenschluss von Schülern und Studenten, Rappern und jungen Journalisten. Was sie zusammenhielt? Der Wunsch nach einem Ende des Regimes von Präsident José Eduardo dos Santos, der Angola seit 38 Jahren regiert. Für die jungen Männer und Frauen ist dos Santos ein "Diktator". Immer wieder hatten die "Revus", wie sich die Jugendlichen selbst nennen, friedliche Demonstrationen gegen das Regime organisiert. Bis zum vergangenen Samstag. Da stürmten Polizei und Geheimdienst den Treffpunkt in Vila Alice und führten 13 Jugendliche in Handschellen ab. Sie wurden auf mehrere Gefängnisse in der Stadt verteilt und sind seitdem praktisch von der Außenwelt abgeschnitten: Sie dürfen keinen Besuch empfangen - weder von Familienangehörigen, noch von Rechtsanwälten. Angeblich werden sie seit Anfang der Woche von der Staatsanwaltschaft verhört. Der Vorwurf: Sie hätten versucht, die "Sicherheit und öffentliche Ordnung im Land außer Kraft zu setzen". Die Angelegenheit werde bearbeitet und unterliege dem "Justizgeheimnis", gab der angolanische Innenminister Ângelo Tavares im Staatsrundfunk bekannt.

Demonstration gegen die Ermordung zweier Oppositioneller in Luanda (Foto: Getty Images)

Spezialeinheiten der angolanischen Polizei versuchen, Demonstrationen im Keim zu ersticken

Ein Buch - Grund für die Verhaftung?

Am Tag der Verhaftung war die Gruppe gerade dabei, ein lang geplantes Seminar unter dem Motto "180 friedliche Methoden, um einen Diktator abzusetzen" vorzubereiten - in Anlehnung an ein kürzlich erschienenes Buch des jungen Journalisten Domingos da Cruz mit dem Titel "Werkzeuge, um einen Diktator zu zerstören und eine neue Diktatur zu verhindern".

Cruz selbst hatte zunächst versucht, zu fliehen. Inzwischen wurde aber auch er verhaftet. Im Interview mit dem DW-Korrespondenten in Luanda hatte der Journalist noch vor seiner Verhaftung daran erinnert, dass die Jugendlichen bloß über seine Thesen diskutieren wollten: "Sie wollten nur über mein Buch sprechen. Das Regime ist verzweifelt. Es hat Angst, die Kontrolle über das Land zu verlieren."

Journalist Domingos da Cruz (Foto: Nelson Sul D'Angola)

Journalist Domingos da Cruz: Er verfasste das Buch "Werkzeuge, um einen Diktator zu zerstören"

Sorgen um die Menschenrechte

Immer wieder werden Regierungskritiker in Angola bedroht oder weggesperrt. Erst vor kurzem wurde der Journalist und Aktivist Rafael Marques zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte ein Buch über Menschenrechtsverletzungen in den Diamantenminen im Osten des Landes geschrieben, gegen das einige der Angeprangerten - mächtige Generäle Angolas - geklagt hatten. Für Iain Levine von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ist die jüngste Verhaftungswelle ein Anzeichen dafür, dass das angolanische Regime Polizei und Justiz zunehmend dafür benutze, Menschen zu unterdrücken, die ihre Meinung äußern wollten: "Das bereitet uns sehr große Sorgen".

Luanda Angola Afrika Beerdigung Repression Demonstration (Foto: Antonio Cascais)

Nach dem Tod eines Demonstranten: Jugendliche demonstrieren auf den Strassen Luandas

Große Sorgen machen sich auch die Eltern der verhafteten Jugendlichen. Wie es ihnen geht, wie sie im Gefängnis behandelt werden - darüber ist nichts zu erfahren. Schlimme Gerüchte machen bereits die Runde: Zwei der Inhaftieren sollen versucht haben, sich in einer Polizeizelle das Leben zu nehmen. Dalia Chivondes Sohn sitzt jetzt schon zum zweiten Mal hinter Gittern. Manuel Nito Alves war noch minderjährig, als er vor zwei Jahren schon einmal verhaftet wurde - weil er bei einer Druckerei Pamphlete und T-Shirts mit der Aufschrift "Nieder mit dem dreckigen Diktator José Eduardo dos Santos" in Auftrag gegeben hatte. Manuel musste damals zwei Monate lang ins Zuchthaus. Seine Mutter hat Angst, dass es dieses Mal sogar noch schlimmer kommt. "Der Präsident ist durchgedreht und reagiert völlig übertrieben, ich kann das absolut nicht nachvollziehen".

Mitarbeit: Nelson Sul D'Angola

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