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Brasilien

Angola: Odebrecht-Konzern zahlt Millionen-Strafe

Brasiliens Baukonzern Odebrecht bestimmt derzeit in Lateinamerika die Schlagzeilen. Kaum ein Tag ohne neue Vorwürfe. Nun ist das Unternehmen wegen der Ausbeutung brasilianischer Arbeiter in Angola verurteilt worden.

Odebrecht muss wegen der Ausbeutung seiner brasilianischen Landarbeiter auf angolanischen Baustellen eine Strafe von umgerechnet neun Millionen Euro zahlen. Mit der Zahlung werde der größte Prozess "wegen Sklavenarbeit in der Geschichte Brasiliens" beigelegt, teilte das Arbeitsministerium in Brasilia mit. Der brasilianische Konzern war 2014 verklagt worden, weil er Brasilianer für "erniedrigende" Tätigkeiten in Angola beschäftigte. Die Arbeiter wurden in der Stadt Américo Brasiliense im Bundesstaat São Paulo angeheuert.

Die Entschädigungszahlung soll für Projekte in deren Heimatstadt Américo Brasiliense genutzt werden. Verwickelt in den Skandal, der durch BBC-Recherchen aufgedeckt wurde, waren drei Tochterunternehmen des Odebrecht-Konzerns. Sie verpflichteten sich in der außergerichtlichen Einigung jetzt dazu, Arbeiter nicht länger "sklavenähnlichen" Bedingungen auszusetzen und keine Brasilianer ohne gültiges Arbeitsvisum mehr im Ausland anzustellen.

Internationaler Skandal

Odebrecht steht im Zentrum eines weitverzweigten Korruptionsskandals, der derzeit ganz Lateinamerika erschüttert. Die Ermittlungen gegen den brasilianischen Bauriesen begannen 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage.

Insgesamt sollen seit 2001 in zehn Ländern Lateinamerikas sowie in Angola und Mosambik rund 785 Millionen US-Dollar (735 Mio Euro) an Schmiergeld geflossen sein - oft waren die Bauprojekte am Ende viel teurer als geplant, womit diese "Kosten" kompensiert werden konnten.

19 Jahre Haft: Marcelo Odebrecht (Bildmitte) (Getty Images/AFP/H. Andrey)

19 Jahre Haft: Marcelo Odebrecht (Bildmitte)

Bestechungsabteilung

Odebrecht ist das größte Bauunternehmen Lateinamerikas und weltweit tätig. Das Familienunternehmen hat 128.000 Mitarbeiter, ist in 26 Ländern aktiv - und hat deutsche Wurzeln: Emil Odebrecht war in den 1860er Jahren aus Greifswald nach Blumenau in Südbrasilien ausgewandert und machte sich als Ingenieur und im Eisenbahn- und Straßenbau einen Namen. Seine Nachfahren verhalfen dort der Stahlbetontechnik zum Durchbruch.

1944 gründete Urenkel Norberto Odebrecht die Odebrecht-Gruppe, die ihren Sitz in Salvador da Bahia hat. Der Umsatz betrug zuletzt bis zu 39 Milliarden Euro pro Jahr. Odebrecht ist als Mischkonzern auch im Energie- und Chemiesektor tätig. Das Unternehmen hatte eine eigene "Bestechungs"-Abteilung und ist durch Strafen in Milliardenhöhe zum Sparen gezwungen. Der langjährige Chef Marcelo Odebrecht wurde 2016 zu gut 19 Jahren Haft verurteilt, weitere Manager sitzen in Haft.

cgn/uh (afp, dpa)

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