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Afrika

Angola drangsaliert Muslime

Als einziges Land der Welt soll Angola den Islam verboten haben. Die Regierung hat diese Meldung zwar dementiert. Dennoch hindert sie die muslimische Minderheit in dem afrikanischen Land an der Religionsausübung.

Plötzlich, eines Nachmittags sei der Stadtverwalter der zentral-angolanischen Stadt Huambo bei der örtlichen Moschee aufgetaucht, berichtet Imam David Já von der Islamischen Gemeinde Angolas (COIA). "Er hat gesagt, dass er diese Moschee nicht hier haben wolle. Als wir am nächsten Morgen zum Beten kamen, war die Moschee abgebrannt. Der Koran war verbrannt, die Teppiche waren es auch."

Die Schilderung des Imams ist dramatisch - und offenbar kennzeichnend für die Lage der Muslime und anderer religiöser Minderheiten in dem mehrheitlich katholischen Staat. Allerdings ereignete sich der Vorfall in Huambo bereits 2010. Erst in den vergangenen Tagen aber machte Angolas Vorgehen gegen die Muslime Schlagzeilen und löste vor allem in islamischen Ländern einen Sturm der Entrüstung aus. In internationalen Medien machte plötzlich die Meldung die Runde, Angola habe als einziges Land der Welt "den Islam verboten". Einige arabische Zeitungen schrieben sogar von einem "Krieg gegen den Islam", den Angola ausgerufen habe.

Islamische Institutionen wie die al-Azhar-Universität in Kairo - eine der höchsten geistlichen Autoritäten des sunnitischen Islams - forderten Aufklärung von der angolanischen Regierung. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit rief die Vereinten Nationen auf, sich der mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen in Angola anzunehmen.

Kein Verbot, aber auch keine Erlaubnis

Karte von Angola (Grafik: DW)

Die meisten Angehörigen der muslimischen Minderheit in Angola sind Einwanderer

Angolas Regierung hat das angebliche Islamverbot inzwischen dementiert. "Es gibt keinen Krieg gegen den Islam oder irgendeine andere Religion in Angola", erklärte der Direktor des zuständigen nationalen Instituts für Religionsgemeinschaften, Manuel Fernando, internationalen Nachrichtenagenturen. Tatsächlich ist Angola laut Verfassung ein laizistischer Staat mit garantierter Religionsfreiheit. Der Staat muss die Stätten der Religionsausübung offiziell sogar schützen. Allerdings ist in der Verfassung auch festgelegt, dass alle Religionsgemeinschaften eine staatliche Registrierung benötigen.

Diese Registrierung haben bisher nur 83 Gruppen erhalten, darunter ausschließlich christliche Kirchen. Fast 200 Organisationen wurde offiziellen Angaben zufolge die Eintragung ins Register verwehrt, unter anderem einigen evangelikalen Freikirchen. Und auch islamischen Gruppen - wie der COIA von David Já.

Laut dem Imam hätten die Behörden zuletzt ihr Vorgehen gegen Moscheen verstärkt. Die angolanische Regierung rechtfertigt das mit fehlenden Baugenehmigungen. Doch Já sieht in den Zerstörungen ein Zeichen religiöser Intoleranz. "Die Menschenrechte sind in der Verfassung garantiert. Die Menschen dürfen die Religion ausüben, die sie für richtig halten", sagt Já heute, drei Jahre nach dem Moscheebrand. "Wir leben hier seit langem. Wir haben nie etwas gegen die Interessen des Staates getan. Insofern könnte sich der Staat auch mehr um uns kümmern."

Wenige Moslems in einem weitgehend christlichen Land

Pilger in der angolanischen Hauptstadt Luanda (Foto: CHRISTOPHE SIMON/AFP/Getty Images)

Die meisten Angolaner sind Katholiken

Dabei ist nicht einmal klar, wie viele Muslime in Angola leben. Schätzungen schwanken zwischen 80.000 und 800.000. Das wären zwischen 0,4 und 4 Prozent der Gesamtbevölkerung, die auf etwa 20 Millionen geschätzt wird. Angola gilt als Albtraum für Statistiker, weil es keine verlässlichen Daten über die Größe und die Zusammensetzung der Bevölkerung gibt. Die letzte Volkszählung stammt aus dem Jahr 1970, als Angola noch portugiesische Kolonie war.

Sicher ist, dass die Mehrheit der Bevölkerung christlich ist, darunter sind besonders viele Katholiken. Angola gilt als eines der am stärksten katholisch geprägten Länder Afrikas. Und das trotz der durchgehenden Herrschaft der ehemaligen kommunistischen Befreiungsbewegung MPLA seit der Unabhängigkeit 1975.

Katholische Kirche macht Stimmung gegen Konkurrenz

Gottesdienst in der Stadt Muxima (Foto: ESTELLE MAUSSION/AFP/GettyImages)

In ganz Angola sind christliche Symbole stark verbreitet

Seit mehreren Monaten hat sich die katholische Kirche in Angola immer wieder kritisch zur Ausbreitung des Islams und christlicher Freikirchen geäußert. Die Freikirchen, darunter zahlreiche Pfingstkirchen aus Brasilien, werden von ihr generalisierend als "Sekten" bezeichnet. Man wolle zwar nicht die Ankunft neuer Religionen verbieten, fürchte sich aber vor den Konsequenzen, da diese Kirchen "eine gewisse Intoleranz, eine gewisse Gewalt und bis zu einem bestimmten Punkt auch eine Perversion der eigenen Kultur" mit sich brächten, sagte José Manuel Imbamba, der Sprecher der angolanischen Bischofskonferenz, auf einer Pressekonferenz im Oktober.

Die meisten Angehörigen der islamischen Minderheit in Angola sind aus Westafrika eingewandert. Vor allem aus Ländern wie Mali, dem Tschad und dem ebenfalls portugiesischsprachigen Guinea-Bissau. Zu den muslimischen Einwanderern kommen einige zum Islam konvertierte Angolaner. Nun hoffen die islamischen Gemeinden in Angola darauf, dass sie endlich von der Regierung registriert und damit legalisiert werden. So könnte ihnen dann nicht mehr verwehrt werden, ihre Religion zu praktizieren und Moscheen zu bauen.

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