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Deutschlehrer-Info

Anglizismus des Jahres

Manche Menschen betrachten englische Lehnwörter als Bedrohung für die deutsche Sprache. Die Initiative „Anglizismus des Jahres“ sieht das ganz anders – und wählte „Crowdfunding“ zum Wort des Jahres 2012.

Ob „Politik“ aus dem Griechischen, „Humor“ aus dem Lateinischen oder „Friseur“ aus dem Französischen – schon immer wurde die deutsche Sprache durch andere Sprachen beeinflusst und verändert. In den letzten Jahrzehnten war es vor allem das Englische, das die meisten Spuren im deutschen Wortschatz hinterlassen hat.

Einige Menschen sehen dadurch den Fortbestand der deutschen Sprache in Gefahr und rufen zu ihrer Rettung auf. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Organisationen und Vereinen, die versuchen, Anglizismen wieder zu verdrängen. Sie verweisen auf ähnliche deutsche Begriffe und verleihen sogar Auszeichnungen an Personen, die ihrer Meinung nach ganz besonders gut oder schlecht mit der deutschen Sprache umgehen.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt dagegen die Initiative „Anglizismus des Jahres“. Sie betrachtet Entlehnung als einen natürlichen Prozess und als Bereicherung für die deutsche Sprache, weil so Lücken im Wortschatz geschlossen würden. Mit der Wahl zum Anglizismus des Jahres soll dieser positive Beitrag gewürdigt werden.

Nachdem sich die Jury 2010 für das Verb „leaken“ und 2011 für das Substantiv „Shitstorm“ entschieden hatte, fiel die Wahl für 2012 nun auf das Wort „Crowdfunding“. Der Begriff bezeichnet eine Methode der Projekt- oder Produktfinanzierung, bei der viele Menschen übers Internet jeweils eine meist kleine Summe beisteuern. Nach Ansicht der Jury füllt das Wort „eine Lücke im deutschen Wortschatz, die durch das Aufkommen einer neuen Art der netzgestützten Kapitalbeschaffung entstanden ist.“ Es habe sich im Laufe des letzten Jahres im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt.

Auf dem zweiten Platz landete das Wort „Hipster“, eine negative Bezeichnung für junge, meist in der Großstadt lebende Menschen, die sich betont lässig und auffallend kleiden und sich vom Mainstream unterscheiden wollen. An dritter Stelle wurde das Substantiv „Fracking“ gewählt, das ein neuartiges Verfahren zur Öl- und Gasgewinnung beschreibt.


Autor: Ingo Pickel
Redaktion: Raphaela Häuser