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Deutschlehrer-Info

Anglizismus des Jahres: „Refugees Welcome“

Die Flüchtlingsdebatte in Deutschland spiegelt sich auch in der Sprache wider: Das Wort „Flüchtlinge“ wurde Wort des Jahres 2015, „Gutmensch“ das Unwort. Und auch der Anglizismus des Jahres greift das Thema auf.

Mit dem Slogan „Refugees Welcome“ (Flüchtlinge willkommen) ist eine politische Botschaft zum Anglizismus des Jahres 2015 gewählt worden. Die Jury aus Sprachwissenschaftlern spricht von einer „selbstbewussten Antwort“ auf rechte Parolen wie „Ausländer raus“. Jury-Vorstand Anatol Stefanowitsch aus Berlin begründete die Entscheidung so: „Mit „Refugees Welcome“ hat die deutsche Sprachgemeinschaft einerseits die unmittelbare Sprachbarriere zu den Flüchtlingen überwunden andererseits fast nebenbei ein Signal für Weltoffenheit gesetzt.“ Außerdem habe der Slogan eine zentrale Rolle in der gesellschaftlichen Diskussion um das deutsche Selbstverständnis im Umgang mit Flüchtlingen gespielt.

Neu ist der Ausruf „Refugees welcome“ nicht: Er entstand in den 1990er Jahren als politischer Slogan von Flüchtlingsinitiativen in unterschiedlichen Ländern. Richtig bekannt wurde er aber erst 2015, als er zum Aushängeschild einer gelebten Willkommenskultur wurde und sich auf Aufklebern, Flyern, T-Shirts und als Profilbild in den Sozialen Medien wiederfand.

Vom Exit zum Säxit

Auf dem zweiten Platz landete die Wortendung „-(e)xit“ (Ausstieg), die bei der Jury wegen der „hohen Produktivität dieses Wortbildungsmusters“ Anklang fand. So war 2015 im Zusammenhang mit der Finanzkrise in Griechenland der Begriff „Grexit“ in aller Munde, der einen möglichen Ausstieg des Landes aus der Euro-Währungszone bezeichnete. „Brexit“ wiederum bezieht sich auf Großbritannien, das mit einem Referendum den Rückzug aus der Europäischen Union herbeiführen könnte.

Jemand hält bei einer Demonstration ein Refugees not welcome-Plakat hoch

Bei Pegida-Aufmärschen sind "Refugees not welcome

Und schließlich prägte der Journalist Stefan Schirmer einen weiteren „Exit“, als er angesichts des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses und Rechtsextremismus in Sachsen die Frage stellte: „Wird es nicht Zeit für einen Säxit – den Austritt der Sachsen aus der Bundesrepublik?“

Platz drei schließlich belegte das Wort „spoilern“ – das Verraten von Informationen. Im Englischen bedeutet „to spoil“ „verderben“ – und beim „Spoilern“ verdirbt man jemandem die Freude an einem Buch oder einem Film, weil man ihm schon vorab den Inhalt verrät. Für die Jury ist das Wort ein schöner Beweis, wie kreativ und selbstverständlich fremdsprachige Vokabeln in den deutschen Wortschatz aufgenommen werden.

Sprachlicher Lückenfüller

Der Anglizismus des Jahres wird seit 2010 vergeben. Eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern will seitdem dem negativen Bild der englischen Lehnwörter positive Beispiele entgegensetzen. „Es soll ein Wort sein, das jenseits von Moden in die deutsche Sprache eingeht und eine interessante sprachliche Lücke füllt“, so Jury-Vorstand Anatol Stefanowitsch. 2014 machte „Blackfacing das „Rennen“, die Darstellung Dunkelhäutiger durch schwarz geschminkte Weiße.

Beim Anglizismus des Jahres 2015 standen 70 Wörter zur Wahl. „Refugees Welcome“ war nicht nur der Favorit der Jury, sondern auch Publikumsliebling. 750 Menschen gaben dem Slogan ihre Stimme.

suc/bea (kna,dpa)

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