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Deutschlehrer-Info

Anglizismen schließen Lücken im Wortschatz

Habseligkeiten und Augenblick, das sind für viele Menschen schöne deutsche Wörter – Shitstorm und Airbag dagegen hässliche Anglizismen. Einige Sprachwissenschaftler jedoch sind da ganz anderer Meinung.

Deutschlehrer, Großeltern und Traditionalisten empören sich gerne über den Gebrauch von Anglizismen in der deutschen Sprache. Ihre Sorge: Englische Begriffe könnten die schönen, alten, deutschen Wörter verdrängen. Doch was die einen beunruhigt, sehen die anderen ganz entspannt. Sie halten das Englische im Deutschen sogar für eine Bereicherung. Nach Ansicht des englischen Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin schließen entlehnte Begriffe Lücken im Wortschatz.

Stefanowitsch nennt als Paradebeispiel für die klassische Entlehnung den Begriff „Shitstorm“, den Anglizismus des Jahres 2011: Etwas Neues kommt auf, das benannt werden muss. Das kann eine kulturelle Praxis sein, eine Technologie oder ein Gegenstand. Dafür bedienen sich die Muttersprachler aus einer so genannten Zielkultur, also einer Kultur mit Vorbildcharakter. Im späten 19. Jahrhundert zum Beispiel war das Französische modern. Derzeit ist es eben das Englische. „Aber es ist keineswegs so, dass unsere Zielkultur heute die USA oder Großbritannien sind“, sagt der Sprachwissenschaftler. Vielmehr sei die globalisierte Welt den Deutschen ein Vorbild. Und die globalisierte Welt spricht Englisch.

Holger Klatte vom Verein Deutsche Sprache in Dortmund will das nicht so einfach hinnehmen, „weil das Deutsche eine alte, lang beständige und gut ausgebaute Kultursprache ist, in der wir eigentlich alles ausdrücken können“, sagt er. Für Shitstorm könne man auch sehr gut Empörungswelle sagen, findet der Sprachwissenschaftler.

So richtig passt das aber eben nicht, urteilte die Jury des Anglizismus 2011. „Sprachgemeinschaften entlehnen keine Wörter für etwas, für das sie schon ein Wort haben“, sagt Stefanowitsch. Der Shitstorm zum Beispiel ist ein ganz spezieller Sturm der Entrüstung, der sich im Internet immer mehr hochschaukelt, besonders auf den sozialen Plattformen.

ip/rh (dpa)