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Sport

Angie gegen Goliath

Die Rollen beim Finale - klar verteilt. Auf der einen Seite Williams, 21 Grand-Slam-Titel, weltweit beste Tennisspielerin. Auf der anderen: Kerber, null Titel, Außenseiterin. Aber: Auch Houdini wusste zu überraschen.

Mal ehrlich: Eigentlich ist es fast unmöglich für Angelique Kerber im Finale gegen Serena Williams zu bestehen. Gegen jene, die seit 277 Wochen unangefochten die Nummer eins und die mit ihrer Wucht scheinbar jede Gegnerin vom Platz fegt. Eine aussichtslose Situation - so scheint es.

Aber genau das ist Kerbers Stärke, der ihr ihren Spitznamen eingebracht hat: "Houdini". So haben die US-Medien die Deutsche getauft, nachdem sie sich in ihren Matches aus schier aussichtslosen Situationen noch befreien konnte. Wie der legendäre Entfesselungskünster Harry Houdini. "Das ist schon phänomenal, wie es ihr immer wieder gelingt, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Wenn Angelique zurückliegt, spielt sie noch konzentrierter", lobte John McEnroe die deutsche Nummer eins nach ihrem Sieg gegen Serenas Schwester Venus Williams 2012 in der zweiten Runde der US Open.

Der Aufschlag - ohje

Verteidigen - das ist Kerbers Ding. Aus der Defensive kann die derzeit Weltranglisten-Sechste sehr gut kontern. Und das ist wohl das, was am Samstag (9:30 Uhr MEZ im DW-Liveticker) im Finale gegen Williams auch gefragt sein wird. Die Deutsche ist Linkshänderin, das ist für die große Favoritin aus den USA natürlich eine gewisse Umstellung, wohl aber kein größeres Problem. Womit Kerber punkten kann: mit ihrer Vorhand-Longline - ihrem bester Schlag.

Australien Australian Open 2016 Angelique Kerber

Kerbers Schwäche: ihr Aufschlag

Ihre große Schwäche - und die wird Williams wohl auszunutzen wissen - ist ihr Aufschlag. Vor allem ihren zweiten Aufschlag wird die 21-malige Grand-Slam-Siegerin Williams mit ihren Hammer-Returns Kerber wohl um die Ohren hauen. Problematisch könnte für Kerber auch werden, dass ihr Spiel sehr kraftaufreibend ist. Bei langen Turnieren wie einem Grand Slam kann sich das durchaus negativ auswirken. Zudem ist das Spiel der 28-Jährigen oft zu passiv. Selbst mal die Initiative im Ballwechsel zu ergreifen, die Gegnerin und damit auch das Publikum überraschen - das muss ihr Ziel sein.

Im Schatten von Lisicki und Petkovic

Erfahrungen hat Kerber, die auch die polnische Staatsbürgerschaft besitzt, genug. Seit 2003 ist sie auf der Profitour. Tennis, das war immer ihr Leben, seit ihren Eltern von Bremen nach Kiel in eine Wohnung innerhalb einer Tennishalle zogen. Von sich reden machte Kerber erstmals durch ihr Auftreten bei den US Open 2011 und Wimbledon 2012, wo sie jeweils erst im Halbfinale rausflog. Im Oktober des Jahres wurde Kerber dann sogar als Fünfte der Weltrangliste und Deutschlands Nummer eins geführt. Trotzdem kommt ihr bis heute nicht die gleiche Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu wie ihrer deutschen Kollegin Sabine Lisicki oder Freundin Andrea Petkovic. Das stört Keber aber nicht. Die vielen Niederlagen 2013 und 2014 allerdings schon. Lediglich mit dem deutschen Team erreichte sie 2014 das Finale des Fed Cups.

Im Februar 2015 trennte sich "Angie", wie Familie, Freunde und die Medien sie gerne nennen, von ihrem Trainer Benjamin Ebrahimzadeh. Betreut wird sie seitdem von Torben Beltz. Die Bilanz: Kerber gewann im vergangenen Jahr vier ihrer insgesamt sieben WTA-Titel: Die in Charleston, Stuttgart, Birmingham und Stanford. Sogar bei den WTA-Finals Endes des Jahres war sie dabei. Doch die Deutsche verpasste das Halbfinale. Ein einziger Satzgewinn fehlte ihr am Ende - die Nerven.

Die sollte Kerber im Griff haben, wenn sie nun in ihrem bisher wichtigsten Match auf die beste Spielerin der Welt trifft. Auf den Kampfgeist konzentrieren, die gute Beinarbeit nutzen, durch das zuletzt aufgebaute Selbstvertrauen nicht nur reagieren, sondern selbst häufiger den Punktgewinn suchen - unbesiegbar ist niemand. Auch Goliath alias Williams nicht.