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Deutschland

Angela Merkel Superstar

Es ist der Parteitag der Angela Merkel. In Hannover wurde sie zum siebten Mal zur CDU-Vorsitzenden gewählt. Mit einem Traumergebnis. Die Bundeskanzlerin ist das Gesicht und das Programm ihrer Partei.

Ihr Auftritt auf dem CDU-Parteitag ist sachlich, nüchtern, fast unterkühlt. Nur ganz selten blitzt Leidenschaft auf während ihrer einstündigen Rede. Bundeskanzlerin Angela Merkel, seit zwölf Jahren Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Union (CDU), erfüllt nicht das Klischee eines Superstars. Sie schreitet nicht majestätisch durch die Reihen der Delegierten, ihr Einzug wird nicht von Musik begleitet, ihre Rede nicht von Begeisterungsstürmen unterbrochen. Und auch als die fast 1000 Delegierten ihr zum Abschluss ihrer Rede stehend Ovationen bringen, wirkt Merkel eher verlegen als beglückt. Geduldig wartet sie die rund acht Minuten Beifall ab, die nach den sechs Minuten beim letzten Parteitag einfach Pflicht sind, winkt in den Saal und reckt in einer Geste des Grußes die zusammengelegten Hände in die Höhe.

Unumstritten an der Spitze der Partei

Die Bundeskanzlerin, von ausländischen Medien oft als mächtigste Frau Europas tituliert, wirkt auf dem Parteitag, mit dem sie die Union auf das kommende Wahljahr einstimmen will, still und nachdenklich, trocken und fast farblos. Temperament und Charisma sucht man bei ihr vergebens. Und doch ist sie der unumstrittene Superstar ihrer Partei. Die Delegierten mögen ihre Art, Politik zu betreiben. "Ich fand sie großartig", sagt die Berliner Bundestagsabgeordnete Stefanie Vogelsang. "Man erwartet vielleicht im Wahlkampf mehr Haudrauf, dass der politische Gegner stärker kritisiert wird. Aber das hat sie nicht nötig. Ich finde das toll, wie sie unprätentiös und an der Sache orientiert Politik macht."

Ein Delegierter aus Rheinland-Pfalz lobt Merkels themenbezogene Rede. Damit gelinge es ihr, die Partei in die Wahlkämpfe des nächsten Jahres mitzunehmen. Mit der Bundeskanzlerin an der Spitze der Union und mit der populären Landesvorsitzenden von Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, mache die Politik Spaß, sagt er gut gelaunt.

Rückenwind für Klöckner und McAllister

Die Landesvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner im Landtagswahlkampf 2011. Foto: dapd

Julia Klöckner bringt Schwung in die CDU von Rheinland-Pfalz

Julia Klöckner ist der aufgehende Stern der Union. Attraktiv, charmant und selbstsicher steht sie auf dem Parteitag vor den Kameras, gibt Interviews und beantwortet Fragen. Sie will die CDU in ihrem Bundesland wieder zurück an die Regierung führen und hat der durch Machtkämpfe geschwächten Landespartei neuen Lebensmut eingehaucht. In Hannover wird sie zur Stellvertreterin der Bundeskanzlerin gewählt. Neben ihr hat David McAllister die Sympathie der Delegierten in der Messehalle 13. Der niedersächsische Ministerpräsident mit den schottischen Wurzeln wird sich im Januar der Landtagswahl stellen. Seine kämpferische Rede auf dem Parteitag wird mit Begeisterung aufgenommen. Die Delegierten seines Landesverbands halten Plakate mit der Aufschrift "I am Mc" in die Höhe.

Nachfolger für Merkel?

McAllister und Klöckner, die beiden Ministerpräsidentinnen Annegret Kramp-Karrenbauer aus dem Saarland und Christine Lieberknecht aus Thüringen oder Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, sie alle könnten als Nachfolger der Bundeskanzlerin gelten. Doch von Nachfolge ist auf dem CDU-Parteitag keine Rede.

Merkel herrscht unangefochten über die Union. Sie ist das Programm der Partei, die Steuerfrau "mit festem Wertekompass in schwerer stürmischer See", wie sie ihre eigene Rolle beschreibt. Sie setzt auf Kontinuität. Die Koalition mit der FDP will sie fortsetzen, verspricht sie. Allerdings müsse sich der Koalitionspartner noch anstrengen, um die Wahlen im nächsten September zu bestehen. Die schwarz-gelbe Koalition sei die erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung. Sie habe Deutschland aus der Wirtschaftskrise geführt, die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesenkt und mehr Menschen in Arbeit gebracht als je zuvor. Trotzdem sei die Finanzkrise in Europa noch nicht überwunden, warnt Merkel.

Mit Traumergebnis in das Wahljahr 2013

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am in Hannover auf dem 25. Bundesparteitag der CDU. Foto: dapd

Fast 1000 Delegierte verfolgen Merkels Rede beim CDU-Parteitag in Hannover

Doch die Bewältigung der Finanzkrise traut die CDU ihrer Vorsitzenden ohne Weiteres zu. Mit überwältigenden 97,94 Prozent wird sie von den Delegierten im Amt bestätigt. Und als Merkel unter dem Jubel ihrer Partei an das Rednerpult tritt, um sich für das Vertrauen zu bedanken, wirkt sie gelöst und sogar ein bisschen beglückt. Sie sei platt über dieses Ergebnis, sagt sie mit einem heiteren Lächeln und zwei großen Blumensträußen im Arm, um dann, nun schon wieder ganz nüchtern und arbeitsam und mit Blick auf das Wahljahr 2013, hinzuzufügen: "Ran an den Speck. Wir haben viel Arbeit."

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