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YouTube

Angela Merkel: "Mein Lieblings-Emoji ist der Smiley"

Wahlkampf bedeutet: Immer in Kontakt bleiben mit den Wählern, auch mit den jungen. Am Mittwoch stand Angela Merkel erfolgreichen YouTubern im Interview Rede und Antwort. Und schlug sich wacker.

Bundeskanzlerin Merkel spricht mit YouTubern (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den You-Tubern

Lisa ist gerade einmal 20 Jahre alt und Psychologiestudentin. Bei YouTube firmiert sie unter dem Namen "ItsColeslaw" und hat eine riesige Fan-Gemeinde. Normalerweise spricht sie über Jugendthemen wie Sexualität und Identitätssuche, jetzt fragt sie erst einmal: "Frau Merkel, ist das okay so, wenn ich Sie so nenne?" Ja, das ist okay, findet die Kanzlerin. Förmlicher muss es nicht sein.

Viermal YouTube: Drei Millionen Abonnenten

Noch mal langsam zu Mitschreiben: "ItsColeslaw", "MrWissen2Go", "AlexiBexi" und "IschtarIsik" heißen die YouTube-Stars, die an diesem Mittwoch eine Stunde lang, einer nach dem anderen, in Berlin mit Angela Merkel sprechen. Ausgewählt wurden sie von einem privaten Fernsehkanal. Zu sehen ist das einstündige Interview bei YouTube unter "#DeineWahl''. Ob sich die Kanzlerin alle Namen wirklich gemerkt hat, ist ihr nicht anzumerken. Aber Angela Merkel weiß natürlich, dass die YouTube-Kanäle der vier mit den Zungenbrecher-Namen zusammen etwa drei Millionen Abonnenten haben. Das allein zählt. Schon vor zwei Jahren ließ sich die Kanzlerin von dem YouTube-Star LeFloid befragen. Satte 5,5 Millionen Mal wurde das Video bislang aufgerufen. Kommunikationsexperten haben der Kanzlerin versichert, dass sie damals wie heute genau das richtige tut: Sie erreicht eine Bevölkerungsgruppe, die sich oft wenig bis gar nicht für Politik interessiert, und vor allem: die mit Wahlplakaten und Auftritten auf Marktplätzen so gut wie gar nicht erreichbar ist. In ein paar Wochen ist Bundestagswahl.

"Rechnen, Schreiben, Lesen."

Zehn Minuten lang spricht "ItsColeslaw" mit der Kanzlerin über Bildung, über die Ehe für alle, über Armut in der Gesellschaft: "Wir müssen mehr Menschen die Möglichkeiten geben, zu arbeiten, und deshalb haben wir die Mindestlohnregelung verbessert", sagt Merkel. Dass die SPD das in der Koalition gegen großen Widerstand der CDU von Kanzlerin Merkel durchsetzen musste, kommt nicht zur Sprache. Am Ende wird es dann aber persönlich: "ItsColeslaw" sagt: "Also ich hab in der Schule wenig fürs Leben gelernt, und schon gar keinen Respekt, wenn man - wie ich - Männer und Frauen liebt." Was denn Merkel wichtig wäre an der Schulbildung? "Lesen, Schreiben, Rechnen", sagt die Kanzlerin trocken. Anbiedern ist nicht ihre Sache. 

Deutschland Merkel Interview mit YouTubern (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

Angela Merkel stellt sich der jungen Wählergruppe

"Das finde ich aber blöd!"

Beim Gespräch mit "IschtarIsik", die ansonsten bei Youtube Schminktipps gibt, geht es um Feminismus. Die 21 Jahre alte Youtube-Größe, deren Eltern aus dem Irak stammen, bekennt, dass viele ihr das zuvor gar nicht zugetraut hätten, einfach so mit der Kanzlerin zu sprechen. "Das finde ich aber blöd!" sagt Merkel dazu knapp. Die zehn Minuten mit "AlexiBexi" sind digitalen Themen vorbehalten. "Ich bin bei Facebook und bei Instagram, und bei YouTube hab ich meine wöchentliche Videobotschaft", berichtet die Kanzlerin. Und natürlich will sich Merkel für einen besseren Breitbandausbau vor allem auf dem Land einsetzen.

"Meinungsverschiedenheiten" mit Donald Trump

Am meisten packt dann "MrWissen2Go" zu, eigentlich Mirco Drotschmann, immerhin schon 31 Jahre alt. Wie geht Merkel damit um, wenn US-Präsident Trump Tweets sendet mit dem Inhalt, er habe gegenüber Nordkorea "geladen und entsichert"? Da bleibt Merkel ganz die nüchterne Staatsfrau: "Ich habe mit ihm Meinungsverschiedenheiten, und ich trete schon dafür ein, im Ton gemäßigt zu bleiben. Wenn es nötig ist, sage ich das dem Präsidenten auch am Telefon".

Das Smiley und die Ostsee-Welle

Auch eine Frage an die Kanzlerin: Was ist ihr Lieblings-Emoji? Für einen Moment muss sich Merkel sammeln. Jetzt nur nichts Falsches sagen: "Na ja, der  Smiley", bewältigt sie dann die Herausforderung mit Ach und Krach. Und was für ein Motiv würde sie wählen, wenn sie ein T-Shirt bedrucken lassen möchte? Merkel, die Frau der Hosenanzüge, mit bedrucktem T-Shirt? Eine amüsante Vorstellung. "Ach Gott, ja nun", sagt die CDU-Chefin dazu. "Dann nehme ich doch mal eine Welle, eine Ostseewelle, wie da oben im meinem Wahlkreis."

Am Ende sind alle zufrieden

Ansonsten erfährt die YouTube-Gemeinde noch, dass Merkel keine Angst vor einer Islamisierung in Deutschland hat und dass sie findet, die Pflegeberufe seien zu schlecht bezahlt. Viel Neues ist nicht zu hören von der Kanzlerin. Aber sie schlägt sich wacker und erliegt vor allem nicht der Versuchung, besonders schick und jung rüberkommen zu wollen. Die vier Interviewer sind ohnehin begeistert.

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