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Geschichte

Angela Merkel - Die Frau an der Spitze

"Es ist ein Mädchen", titelte die "taz" 2005, Angela Merkel regiert als erste Frau die Bundesrepublik. Fünf Mal wurde sie vom US-Magazin "Forbes" zur mächtgsten Frau der Welt gewählt. "Mutter der Nation" ist sie nicht.

Porträt der Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel

US-Präsident Barack Obama überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die US-Freiheitsmedaille im Juni 2011

Angela Merkel erhält die US-Freiheitsmedaille im Juni 2011

Glamouröses Auftreten ist nicht ihr Stil. Ihr geht es immer "um die Sache". Aber der Tag im Juni 2011, an dem US-Präsident Barack Obama Angela Merkel die US-Freiheitsmedaille als höchste zivile Ehrung der USA verlieh, entlockte selbst der kühlen Kanzlerin echte Emotionen: "Dass ich einmal im Rosengarten des Weißen Hauses stehen würde, und dass ich von einem amerikanischen Präsidenten die Freiheitsmedaille empfangen würde - das lag jenseits aller meiner Vorstellungskräfte."

Kindheit und Jugend in der DDR

Als junges Mädchen bereitet Angela Merkel im Juli 1973 - nach ihrem Abitur - mit Freunden beim Camping im brandenburgischen Himmelpfort auf der Feuerstelle ein Essen zu.

Als junges Mädchen in der DDR: Angela Merkel im Juli 1973 beim Camping

Angela Merkel wird 1954 in Hamburg geboren, verbringt aber ihre Kindheit und Jugend in der DDR. Ihr Vater Horst Kasner ist evangelischer Pfarrer und links orientiert, die Mutter Herlind Mitglied in der SPD. Merkels Bruder ist zeitweilig grün: "Die Tatsache, dass Angela Merkel CDU-Mitglied wurde, war ihr nicht ins Stammbuch geschrieben", sagt ihr Biograf Gerd Langguth. Nach dem Studium in Leipzig arbeitet Merkel von 1978 bis 1989 als Physikerin an der DDR-Akademie der Wissenschaften. Eine Ehe mit ihrem Studienkollegen Ulrich Merkel wird 1982 geschieden, 1984 trifft Merkel auf ihren jetzigen Ehemann, den Chemiker Joachim Sauer.

Beginn der politischen Karriere 1989

Angela Merkel und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl auf einem CDU Parteitag 1991

"Kohls Mädchen" Angela Merkel mit ihrem damaligen politischen Ziehvater Helmut Kohl 1991 auf einem Parteitag der CDU

Das Ende des Kommunismus in Deutschland 1989 ist der Startpunkt für Merkels politische Laufbahn: Sie engagiert sich noch vor der Wende beim "Demokratischen Aufbruch", einer christlichen Oppositionsbewegung. Nach der Wende tritt Angela Merkel der CDU bei.

Zu Beginn ihrer Parteikarriere arrangiert sie ein persönliches Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl - und katapultiert sich damit selbst in die Bundespolitik: Schon ein Jahr nach dem ersten Treffen beruft Kohl Angela Merkel als Ministerin für Frauen und Jugend in sein Kabinett. Vier Jahre später übernimmt sie das Umweltministerium. Die Förderung durch den damaligen CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler bringt Merkel vorübergehend den Spitznamen "Kohls Mädchen" ein.

Verantwortung nach der Spendenaffäre

Porträt von Angela Merkel als Generalsekretärin der CDU

Angela Merkel wird Generalsekretärin der CDU

1998 verliert die CDU die Bundestagswahl - 16 Jahre hatte Helmut Kohl regiert. Die Partei wählt Angela Merkel mit großer Mehrheit in das Amt der Generalsekretärin. Sie übernimmt damit Verantwortung in einer schwierigen Phase: Die CDU-Spendenaffäre wird bekannt. Jahrelang hatte die CDU-Spitze illegale Parteispenden angenommen. Als erste in ihrer Partei distanziert sich Angela Merkel öffentlich vom Altbundeskanzler. Den ungeliebten Spitznamen hat "Kohls Mädchen" damit abgeworfen: Im Jahr 2000 wird Angela Merkel Vorsitzende der CDU.

Die Krise und die Kanzlerin

Bei den vorgezogenen Neuwahlen 2005 ernennt die Union aus CDU/CSU Angela Merkel zu ihrer Spitzenkandidatin. Das Ergebnis bei den Bundestagswahlen fällt knapp aus - für die angestrebte Koalition mit der FDP reicht es nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kommen am Donnerstag (24.09.2009) im Bundeskanzleramt in Berlin zu einer Pressekonferenz vor dem Abflug zum G20-Gipfel im amerikanischen Pittsburgh.

"Große Aufgaben, große Koalition"

So wird Angela Merkel Kanzlerin einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD. Im Wahlkampf als "Merkel die Mutige“ von ihrer Partei gefeiert, vollzieht sie im Amt einen Paradigmenwechsel: "Große Aufgaben, Große Koalition" lautet nun das Credo, mit dem sich die Verantwortlichen aus Union und SPD arrangieren. Eine Koalition sei schließlich keine Liebesheirat. Pragmatisch geht Angela Merkel an Reformen heran. Ihre Anhänger schätzen die ausgleichende Art der "Moderatorenkanzlerin", ihre Kritiker nennen sie eine Zauderin.

Wirtschaftlich läuft die zweite Große Koalition in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gut an - die Arbeitslosenzahlen sinken, hohe Steuereinnahmen kurbeln die Konjunktur an. Doch dann zerschlägt die internationale Finanzkrise alle Hoffnungen auf einen ausgeglichenen Haushalt in Deutschland.

Die Krise 2008 wird zur größten Herausforderung der ersten Amtszeit Angela Merkels. Die Kanzlerin arbeitet eng mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zusammen: Sie beschließen Konjunkturpakete, einen Bankenrettungsschirm, eine Begrenzung der Managergehälter. Der pragmatische Politikstil der Kanzlerin zahlt sich aus: Merkel wird zur Managerin der Krise. Die Bürger nehmen ihr diese Rolle ab und wählen sie 2009 wieder. Diesmal kommt es zur Wunsch-Konstellation der CDU: eine Koalition mit der liberalen FDP ist möglich.

Kehrtwenden der zweiten Amtszeit

Bald kratzen jedoch Konflikte innerhalb der schwarz-gelben Koalition am Bild der "Wunschkoalition". Und auch parteiintern gibt es ein hohes Konfliktpotential, denn die zweite Amtszeit Angela Merkels steht vor allem für Kehrtwenden.

Angela Merkel setzt auf den Atomausstieg (Foto: dapd)

Angela Merkel setzt auf den Atomausstieg

Es gibt einen radikalen Kurswechsel in der Atompolitik: Merkel, ursprünglich Verfechterin der Kernenergie, setzt sich nach der Atomkatastrophe von Fukushima für einen Atomausstieg bis Ende 2022 ein.

Auch die Wehrpflicht galt in der Union lange als unantastbar. Doch seit Sommer 2011 werden junge Männer nicht mehr zur Bundeswehr eingezogen. Außerdem lässt sich die CDU unter Merkel auf einen Abschied von der Hauptschule ein und hält damit nicht mehr am klassischen dreigliedrigen Schulsystem fest.

Merkel hat das Ziel, ihre Partei modern und zukunftstauglich zu gestalten - auch um neue Wählerschichten anzusprechen:

"Wir leben in einer Zeit epochaler Veränderungen. Wir müssen alte Antworten prüfen und neue finden", sagt sie auf dem CDU-Bundesparteitag in Leipzig im November 2011.

Der zentrale Vorwurf von Merkel-Kritikern lautete lange Zeit, die Kanzlerin könne nicht führen. Spätestens seit den Richtungswechseln von 2011 gilt er nicht mehr. Allerdings haben viele Unionsmitglieder nun das Gefühl, Merkel führe sie in die falsche Richtung.

Die Krise als Chance

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspraesident Nicolas Sarkozy unterhalten sich im Bundeskanzleramt in Berlin nach dem Europaeischen G20-Vorbereitungstreffen bei einer Pressekonferenz.

Manager der Eurokrise: Merkel und Sarkozy

Doch auch in der zweiten Amtszeit werden diese internen Streitigkeiten von der Finanzlage in Europa überschattet: Merkel nutzt die Eurokrise als Chance. Diesmal übernimmt sie gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Führung in der Eurozone. Gemeinsam erarbeiten sie Vorschläge, um das hochverschuldete Griechenland zu retten und den Euro zu stabilisieren.

Merkel findet Zustimmung in der Bevölkerung für ihre Auftritte auf europäischer Bühne. Und auch die eigene Partei feiert sie als Kanzlerin der EU.

Trotzdem bleiben Kritiker bei dem Vorwurf, die CDU unter Kanzlerin Merkel werde bei all den Richtungswechseln unglaubwürdig und unterscheide sich zu wenig von der sozialdemokratischen SPD. Denn Angela Merkel gilt zwar als eine rigorose Krisenmanagerin, aber nicht als Seele ihrer christlich-konservativ geprägten Volkspartei.


Autorin: Heike Mohr
Redaktion: Hartmut Lüning