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Urteil im "Fall Lisa"

Angeklagter im "Fall Lisa" zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Verschwinden der 13-jährigen Russlanddeutschen Lisa sorgte 2016 international für Aufregung. In Berlin ist nun ein 24 Jahre alter Mann wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Fast eineinhalb Jahre nach Aufklärung des sogenannten Falls Lisa ist ein 24-Jähriger in Berlin zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt worden. In dem Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde der Angeklagte Ismet S. des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig gesprochen. Nach Angaben des Gerichts erhielt er außerdem eine Geldstrafe von 3000 Euro.

Die damals 13 Jahre alte Russlanddeutsche hatte im Winter vergangenen Jahres ihre Entführung vorgetäuscht. Der Fall sorgte international für Aufsehen und führte zu diplomatischen Verwerfungen mit Russland. Moskau nutzte die russlanddeutsche Herkunft des Kindes zu Propagandazwecken. Im Zuge der Ermittlungen stieß die Polizei auf S., der im Herbst 2015 Oralsex mit dem Kind gehabt und diesen gefilmt haben soll. Das heute fünfzehnjährige Mädchen war im Prozess als Zeugin geladen. 

Deutschland Proteste vor dem Bundeskanzleramt zum Fall Lisa (picture-alliance/dpa/K.-D. Gabbert)

Russlanddeutsche gingen im Januar 2016 empört auf die Straße und schürten Angst vor Flüchtlingen

Selbst Russlands Außenminister Lawrow schaltete sich ein

Der Prozess stieß auf großes öffentliches Interesse, weil die lange Zeit ergebnislosen Ermittlungen sowohl in Deutschland als auch aus Russland kritisiert wurden. Das Mädchen hatte angegeben, von drei Migranten entführt und über viele Stunden festgehalten und vergewaltigt worden zu sein. Gegner der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sahen den Fall als Beleg für eine Verschlechterung der Sicherheitslage durch den Zuzug hunderttausender Flüchtlinge. Auch das russische Staatsfernsehen hatte berichtet, das das russlanddeutsche Mädchen von Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden sei. Selbst der russische Außenminister Sergej Lawrow schaltete sich ein und warf deutschen Behörden Vertuschung vor. Hunderte Russlanddeutsche demonstrierten in Berlin. Die Ermittler fanden später heraus, dass das Mädchen vermutlich wegen Schulproblemen bei ihrem alten Bekannten Unterschlupf gesucht hatte. Im Internet schlug der Fall hohe Wellen.

Die Polizei misstraute den Aussagen des Kindes, weil es sich wiederholt in Widersprüche verwickelte. Schließlich gab das Mädchen zu, sich wegen schulischer Probleme vor seinen Eltern versteckt zu haben. Die Entführung war vorgetäuscht.

as/bri (afp, dpa)