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Bildung

Angehende Literaturstars

Erfolgreich Bücher schreiben - diesen Traum haben viele junge Autoren. An der Berliner Uni können sie ausprobieren, ob sie das Zeug zum Schriftsteller haben. Und zwar mit internationalen Bestsellerautoren.

Für Raoni Duran steht fest: Er möchte später Schriftsteller werden. Eine zündende Idee für seinen ersten Roman hat der 26-jährige Berliner Literaturstudent auch schon. Doch ihm "fehlt noch irgendetwas", um seine künstlerische Idee in die richtige Handlung und Schreibweise einzubinden, erzählt der aus der Brasilien stammende Student. 

Als er im Vorlesungsverzeichnis der Freien Universität Berlin das englischsprachige Seminar "Reading as a Writer – Lesen als Schriftsteller" entdeckte, zögerte Raoni Duran nicht lange und meldete sich kurzerhand an. Denn vom Lesen zum Schreiben zu kommen, ist schon lange sein Wunsch. "Als Schriftsteller musst du darüber nachdenken, wie der Text eigentlich funktioniert", meint der Student. "Und nicht über Details des Textes." Genau das hat ihm nun dabei geholfen, seine Romanidee weiterzuentwickeln.

Lernen von den Besten der Welt

Zumal der Seminarleiter nicht irgendein Dozent ist, sondern der amerikanische Bestsellerautor Andrew Sean Greer aus San Francisco. Im Rahmen der sogenannten "Samuel-Fischer-Gastprofessur" unterrichtet der 42-Jährige in diesem Wintersemester 30 Studierende im Masterstudiengang Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Greer ist nicht der erste bekannte Schriftsteller, den die Uni als Gastprofessor nach Berlin geholt hat.

Andrew Sean Greerbeim Unterricht an der FU Berlin Foto: DW/Caitlin Hardee

Der Bestellerautor Andrew Sean Greer ist bei den Studierenden sehr beliebt

Schon seit 1998 gibt es die von der Hochschule, dem Auswärtigen Amt und dem Fischer Verlag getragene Gastprofessur. Zu den bisherigen Gästen zählen internationale Größen wie der japanische Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe, der österreichisch-deutsche Autor Daniel Kehlmann und einer der bedeutendsten afrikanischen Schriftsteller der Gegenwart, der Somalier Nuruddin Farah. Andrew Sean Greer wurde mit seinen Romanen "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" und "Geschichte einer Ehe" weltweit bekannt.

Kultureller Blick über den Tellerrand

Greers Seminar liegt die Beobachtung zugrunde, dass junge Schriftsteller beim Lesen zu sehr die Perspektive eines Literaturkritikers einnehmen. Produktiver sei es jedoch, nach Impulsen für die eigene Arbeit zu suchen. "Ich will, dass sich meine Studenten ihrer Möglichkeiten bewusst sind", betont Greer. Deshalb üben sie im Laufe des Semesters verschiedene literarische Techniken, wie Perspektivwechsel und Zeitsprünge. Denn jeder, davon ist der amerikanische Schriftsteller überzeugt, kann das Handwerk des Bücherschreibens lernen.

Schriftsteller Andrew Sean Greer aus San Francisco Foto: DW/Caitlin

Der Amerikaner mag Berlin

"Der Austausch mit Gästen aus aller Welt ist ein wichtiger Teil der Identität unserer Universität", ergänzt Hochschulpräsident Peter-André Alt. Die Freie Universität hat seit 2007 den Status einer sogenannten Elite-Hochschule. Im Wettbewerb der Exzellenzinitiative überzeugte sie mit ihrem Konzept der "Internationalen Netzwerkuniversität". Einrichtungen wie die Samuel-Fischer-Gastprofessur würden den Studierenden helfen, andere Kulturen besser zu verstehen und dadurch auch ein tieferes Verständnis der eigenen Kultur zu erlangen, sagt Alt.

Großes Interesse am Schreibseminar

Um kulturelle Vergleiche geht es in Andrew Sean Greers Seminar allerdings nur am Rande. Ob es an der Ähnlichkeit von amerikanischer und deutscher Kultur liegt? Auf jeden Fall fühlt sich Greer in Berlin ganz zu Hause. "Die Stadt hat einfach eine Atmosphäre von Gegenwart und nicht Vergangenheit, und das, obwohl die Vergangenheit überall zu spüren ist", meint Greer. "Und das ist so befreiend für mich."

Teilnehmer des Schrifsteller-Seminars an der FU Berlin Foto: DW/Caitlin

Nicht alle träumen von einer Schriftstellerkarriere

Greers Begeisterung für die Literatur und die Stadt Berlin ist offenbar ansteckend. Seine Studenten kommen ausgesprochen gerne in das Schreibseminar. Nicht alle wollen unbedingt Schriftsteller werden, so wie Raoni Duran. Die 24-jährige Sarah Hang etwa sieht ihre Stärke eher in der Literaturkritik, ihre Kommilitonin Lydia Dimitrow, 23, arbeitet neben ihrem Studium schon als Übersetzerin. Doch auch die beiden haben das Gefühl, dass das Seminar sie weiterbringt.

Die hohe Zufriedenheit der Teilnehmer liege auch an der Beschränkung der Teilnehmerzahl, sagt Peter-André Alt. 160 Studierende hatten sich beworben, 30 wurden ausgewählt. Für die abgelehnten Bewerber hat Alt immerhin ein tröstendes Wort parat. "Da die Professur ja zum Glück jedes Semester besetzt wird, kommen alle Interessenten mal in den Genuss teilzunehmen," betont der Hochschulrektor.

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