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Kultur

Angebot und Nachfrage

Gedichte, Romane und andere Texte stehen nicht im Regal, sondern werden auf Bestellung ausgedruckt und gebunden: Das "books on demand"-Verfahren erfreut sich wachsender Beliebtheit.

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Sterben die klassischen Buchhandlungen aus?

Verlage und Buchhandlungen sparen sich die teure Vorratshaltung und können Kleinstauflagen herausgeben. Nicht nur verschollene Buchtitel werden mit dem "books on demand"-Verfahren so wieder verfügbar gemacht. Ein Verlag kann auf diese Weise auch die Geniestreiche eines jungen Autors oder einer jungen Autorin ausprobieren. Es wäre riskant, diese Arbeiten gleich mit 1000 Buchexemplaren herausbringen und in die Buchhandlungen schleusen zu wollen.

Nischenprogramm in Kleinverlagen

Der hannoversche Verlag "Revonnah", der bislang bemerkenswerte Romane und Sachbücher in konventioneller Weise publiziert hat, versucht es nun zusätzlich mit solchen "books on demand". Die ersten sechs Titel liegen elektronisch gespeichert vor - und werden bei Bedarf gedruckt. Neue verbesserte Maschinen machen es möglich, solche Bücher in guter Ausstattung herzustellen - es ist also nicht mehr so, dass diese Produkte aussehen wie ein Papierbündel aus dem Copyshop von nebenan.

Für Verleger Arne Drews ist es auch eine ökonomische Frage, dieses neue Herstellungsverfahren anzuwenden. "Wenn ich ein Buch in konventioneller Weise herstelle, kostet mich das 10.000 Euro. Wenn das Buch ein Flop wird, setze ich vielleicht 8000 Euro in den Sand. So kann ich diesen Titel antesten - und kann die Daten für 'book on demand' und für Offset gleichermaßen verwenden."

Wieder-Auflage

Neben längst vergriffenen Romanen der Schriftsteller Uwe Friesel und Richard Hey fällt ein Buch aus der ersten Edition besonders ins Auge. Das ist ein 1906 erschienenes literarisches Nachschlagewerk: ein Führer durch die moderne Literatur mit dem Untertitel "300 Würdigungen der hervorragendsten Schriftsteller unserer Zeit". Nachlesbar sind die literarischen Vorlieben und Abneigungen von damals. "Man kann Abgelegenes, Vergessenes und Schwieriges machen. Das spielt nicht mehr eine so große Rolle", erklärt Arne Drews.

So gesehen sind die "books on demand" ein Beitrag, um in Deutschland die Vielfalt des Buchangebots zu sichern. Gleichzeitig machen die Kleinverleger aus Hannover deutlich, dass dieses neue Verfahren die herkömmliche Herstellungsform nicht völlig ersetzen soll. Klassische Leistungen im Bereich der Werbung sind auch künftig zu erbringen.

Der Markt wächst

Zu den bekanntesten Adressen gehört der Großhandel "libri". Hier ist kein ehrgeiziger Verlag tätig, der die Manuskripte auf literarische Qualität prüft und dann entscheidet, ob er sie auf den Markt bringt und in welcher Form. Vielmehr kann jeder Schreibende seine Texte speichern lassen und sie so verfügbar halten. Immer mehr Anbieter von "books on demand" betreten den Markt und stehen jedem, der die entsprechende Summe einzahlt, mit Datenspeicherung zur Verfügung.

Das ist der erste Schritt in Richtung literarischer Müllhalde. "Von allen Titeln sind vielleicht zehn Prozent lesbar. Es wird Aufgabe der Verlage sein, da für Qualität zu sorgen und die auch nach außen erkennbar zu machen", weiß Arne Drews um die Probleme. Die "books on demand" werden die herkömmliche Buchproduktion nicht ablösen, sondern ergänzen. Verlage werden das eine wie das andere anbieten. Vielleicht gibt es bald ja auch Buchhandlungen, die eine kleine Maschine aufstellen, die elektronisch gespeicherte Texte ausdruckt.

Schöne neue Zeiten für den Literaturfreund. So richtig schön werden sie aber erst dann, wenn engagierte Verlage die Oberhand behalten und durch literarische Qualitätsprüfung die Spreu vom Weizen trennen.

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