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Politik

Anflug auf Johannesburg

Johannesburg: Millionenmetropole und Gipfelstadt, Beispiel für die Probleme, die die UN-Konferenz zu lösen hat: Die Stadt leidet unter hoher Luftverschmutzung, Wassermangel, großen Gegensätzen zwischen Arm und Reich.

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Johannesburg im Abendrot

Weit über Johannesburg verdüstert dicker, brauner Smog den Himmel. Beim Anflug auf "Jan Smuts International" fliegt meine Boeing mitten hindurch. Schlechte Luft ist normal in der Millionenstadt, die auf 1500 Meter Höhe liegt. Industrieabgase wabern über den Fabriken. Sand und Staub wehen von den Abraumhalden im Süden Johannesburgs in die Stadt. Betroffen sind vor allem die Armenviertel. Dort, in Soweto oder Alexandria, ist die Luft ohnehin besonders dick. Nach wie vor wird mit Kohle geheizt, mit Brennholz gekocht. Tuberkulose und Atemwegserkrankungen sind auf dem Vormarsch. Eine Katastrophe vor allem für die rund fünf Millionen HIV-positiven Südafrikaner.

Armut bis zum Horizont

Im Anflug auf Johannesburg glitzern die Dächer von Wellblechhütten in der Sonne. Es sind zehntausende. Die Townships ziehen sich bis zum Horizont. Hier lebt die Hälfte aller Einwohner der Provinz Gauteng, in der Johannesburg liegt. Schulen, Kliniken, Arbeitsstellen – das alles liegt von den Wellblechhütten weit entfernt. Kritiker sagen, noch weiter als zu Zeiten der Apartheid. Die Regierung, so sagen sie, habe sich von der Weltbank schlecht beraten lassen. Deshalb gebe es in den Armenvierteln auch keinen Strom und kein bezahlbares Wasser mehr. Anders als in den Vorortvillen samt Pool im reichen Norden der Stadt. Ein Verteilungskampf hat begonnen. Denn Wasser ist knapp in Gauteng.

Wassermangel: Die Goldgräberstadt sucht flüssiges Gold

Gauteng ist Sotho und heißt: "Ort des Goldes". Dieses Gold wurde 1886 von weißen Siedlern gefunden. Zehntausende zog der Goldrausch an, bald war Johannesburg die größte Stadt der Welt ohne natürliche Wasserquelle. Es gibt keinen Fluß, keinen See in Johannesburg. Das Wasser wird gut 60 Kilometer südlich aus dem Fluß Vaal bergauf in die Stadt gepumpt. Doch das allein reicht schon lange nicht mehr. Deshalb gibt es ein kombiniertes Damm-Tunnel-System, das Wasser aus dem Bergland von Lesotho nach Johannesburg bringen soll. Über mehrere hundert Kilometer. Acht Milliarden Dollar kostet das größte Infrastruktur-Projekt Afrikas. Zehntausende Bauern wurden vertrieben. Der betroffene Oranje-Fluß gilt als ökologisch bedroht. Und die Wasserpreise für den Normalbürger sind gestiegen, in den 90er Jahren um rund ein Drittel.

Ruf nach Gerechtigkeit

Für die Fabriken änderte sich dagegen wenig. Südafrika rühmt sich, der Industrie die weltweit niedrigsten Energie- und Wasserpreise zu bieten. Die Wasserversorger, mittlerweile privatisiert, bieten Großverbrauchern Sonderpreise an. In den Minen, auf den Farmen am Stadtrand oder in den Kühlsystemen der Kohlekraftwerke fließt das Wasser reichlich. Eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit, skandieren kommunale Gruppen in den Townships. Als moderne Robin Hoods ziehen sie los, um Wasser und Strom "umzuverteilen", wie sie es nennen.

Landung in Johannesburg. Bei ihren Diskussionen die Probleme der Erde vor Augen zu haben. Wenn es Politikern irgendwo gelingt, dann wohl hier in Johannesburg.

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