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Kultur

Anfällig aber unersetzlich: Tiefseekabel

Im Internet-Zeitalter haben sich die Menschen daran gewöhnt, Informationen in Bruchteilen von Sekunden um die Welt zu schicken. Beim digitalen Transport helfen oft dicke Tiefseekabel. Die können freilich auch mal reißen.

Glasfaserkabel

Glasfaserkabel sind die schnellsten und stärksten Verbindungen für den digitalen Datenverkehr

Kurz vor Silvester, am 27. Dezember 2006, gab es vor Taiwan ein starkes Seebeben. Die Folge: Hundert Millionen Menschen in Taiwan, Südkorea, Japan, China, Singapur, Hong Kong, Vietnam und anderswo waren zeitweise komplett offline - und das nur, weil das Seebeben Teile des Untersee-Kabelnetzes beschädigt hatte. Die Reparatur wird noch mindestens bis zum 15. Januar dauern - so lange müssen die Leute damit leben, dass sie ihre schnellen Breitband-Internetzugänge nicht oder nur eingeschränkt nutzen können.

Ein ganzes Netz von Hochleistungs-Unterseekabeln schließt die Region ans Internet an, transportiert Telefongespräche und Kabelfernsehen. Glasfaserkabel sind dafür Standard. Das meiste an einem solchen Kabel ist seine schützende Hülle: So ein Kabel ist etwa faustdick. Im Innern sind die Glasfasern gebündelt, eine einzelne Faser ist sehr viel dünner als ein Haar und aus besonders lichtdurchlässigem Quarzglas. Das transportiert die Daten sehr schnell und ohne Verluste. Die Daten werden als Lichtpulse gesendet und rasen mit Lichtgeschwindigkeit durch die Glasfaser.

Alltägliche Lichtgeschwindigkeit

Raum mit vielen Großrechner

Der größte Server-Park liegt lahm, wenn die Leitung klemmt

Die Hochleistungskabel vor Taiwan können bis zu 640 Gigabit Daten pro Sekunde übertragen - das entspricht in etwa dem Inhalt von 80.000 Büchern. Licht hat noch einen Vorteil: Es hat ein breites Spektrum von Wellenlängen. Die kann man einzeln ausnutzen und noch mehr Daten gleichzeitig verschicken.

Das Glasfaserkabel überträgt keine richtigen Bilder oder Telefongespräche. Die Informationen werden digitalisiert und als Nullen und Einsen verschickt - in gigantischen Mengen: Bis zu 640 Millarden Nullen und Einsen kann das ostasiatische Breitband-Kabelnetz pro Sekunde verarbeiten. In der Region liegen ungefähr ein Dutzend Tiefseekabel, in einer Tiefe von 1000 Meter und mehr. Damit sie Zug, Druck und Salzwasser aushalten, sind sie dick mit Stahldraht umwickelt. Das soll sie auch vor felsigem Meeresgrund, Schiffsankern, Schleppnetzen und bissigen Haien schützen. Vor einem starken Seebeben gibt es allerdings keinen Schutz. Reißt ein Kabel, dann muss möglichst schnell repariert werden.

Milliarden-Investitionen

Das gesamte Kabelnetz in Ostasien soll mehrere hundert Milliarden Dollar gekostet haben. Etliche regionale und internationale Telekommunikations-Unternehmen teilen sich die Kosten. Die Reparatur eines Seekabels ist aufwendig. Dort, wo das Kabel gerissen ist, wird ein neues Stück eingesetzt. Dazu werden die Glasfasern mit einem Lichtbogen-Schweißgerät sehr heiß gemacht und dann nahtlos aneinandergeklebt.

Bis das Seekabel-Netz vor Taiwan wieder voll einsatzfähig ist, werden Internet, Fernsehen und Telefon teilweise durch andere Kabel umgeleitet - zum Beispiel über Europa -, oder über Satelliten ausgestrahlt. Vor allem in den ersten Tagen nach dem Erdbeben war das Internet extrem langsam. Populäre Seiten aus den USA, wie die Suchmaschine Google oder das Videoportal YouTube, konnten überhaupt nicht aufgerufen werden. Besonders ärgerlich war der Internetausfall für kleine und mittlere Unternehmen.

Lesen Sie weiter: Das Geschäftsrisiko des modernen Büro-Menschen und warum Satelliten keine Alternative sind.

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