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Amerika

Andy Warhol fürs "Damenprogramm"

Während Ende der Woche in Pittsburgh die Staats- und Regierungschefs konferieren, besuchen deren Ehepartner das Andy-Warhol-Museum der Stadt. Die einmalige Sammlung zeigt die Vielfältigkeit des amerikanischen Künstlers.

Selbstportrait von Andy Warhol aus dem Guggenheim Museum, New York (Foto: Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, 2005)

Selbstporträt des Künstlers von 1986

Andy Warhol hasste Pittsburgh. Es war die Stadt, in der er groß geworden ist. Es war der Ort, in dem der Ruß der Kohle- und Stahlfabriken die Luft verpestete. Die Industrieabwässer vergifteten die Flüsse. Andy Warhol wuchs in den 1930er und 1940er Jahren des letzten Jahrhunderts in armen Verhältnissen auf. Er war oft krank. Trost boten die Liebe seiner Mutter sowie die byzantinische Liturgie der Kirche. Gleichzeitig entwickelte er als Kind eine Leidenschaft für Kinofilme und Comics. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er Grafik. In den 50er Jahren floh Andy Warhol nach New York. Zunächst arbeitete er dort erfolgreich als Grafiker in der Werbeindustrie.

Andy Warhol und der Ruhm

Außenansicht des Andy-Warhol-Museums in Pittsburgh (Foto: AP)

Hinter unscheinbaren Fassaden: Das Andy-Warhol-Museum in Pittsburg

Tom Sokolowski, ein stämmiger Mann mit violetter Hornbrille und freundlichem Lächeln, ist Direktor des Andy-Warhol-Museums in Pittsburgh. Auf sieben Etagen werden in einem Industriegebäude Bilder, Filme und andere Werke von Andy Warhol ausgestellt. Das Museum ist wenige hundert Meter von dem Konferenzzentrum entfernt, wo die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten am 24. September zusammenkommen werden. Während sie verhandeln, wird Tom Sokolowski ihre Ehepartner durch die hohen Museumshallen führen. Andy Warhol hätte dieser prominente Besuch gefallen, meint Sokolowski: "Warhol hatte einen komplizierten, komplexen Blick auf Ruhm. Sein Mantra lautete: In Zukunft wird jeder weltweit berühmt sein – für 15 Minuten. Er wusste, dass 15 Minuten zu Ende gehen."

Bilder wie am Fließband

Wer die Museumsräume durchschreitet, sieht an den Betonwänden all die Werke, die Warhol einst bekannt machten: Bilder von Berühmtheiten wie Marilyn Monroe oder Elvis Presley. Andy Warhol produzierte Bilder wie am Fließband, drehte Filme, schrieb Theaterstücke, gab eine Zeitschrift heraus. Das Museum zeigt, wie vielfältig Andy Warhol war.

Eine Gruppe von Ausstellungsbesuchern schaut sich das Bild The Last Supper von Andy Warhol im gleichnamigen Museum in Pittsburgh an (Foto: AP)

"The Last Supper" von Warhol im Museum in Pittsburgh

Zeitkapsel aus Kunst und Krams

Heute noch sorgt Andy Warhol für Überraschungen, vor allem durch seine "Zeitkapseln", so genannte "Time Capsules". Diese Zeitkapsel ist ein Umzugskarton, in den Andy Warhol alles hinein schmiss, was ihm in die Hände kam: Salzstreuer oder Teller, die er auf dem Flohmarkt ersteigerte, die Schuhe des Schauspielers Clark Gable oder ein Diamantring. Über 600 Umzugskartons mit Kunst und Krams hat Andy Warhol hinterlassen. Etwa die Hälfte davon sind bislang geöffnet worden. Schneller ginge es nicht, so der Museumschef, es fehle das entsprechende Personal.

In einer der so genannten "Zeitkapseln" hat sich unlängst ein Brief des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt gefunden, lacht Sokolowski. Warhol habe enge Beziehungen zu Deutschland gehabt: "Er hatte deutsche Freunde wie zum Beispiel Josef Beuys. Auch kannte er wichtige Kunsthändler in Köln und Berlin und hatte viele deutsche Sammler."

Pittsburgh: Aufbruch nach Ende der Stahlindustrie

Portrait Marilyn Monroes von Andy Warhol (Foto: DW)

Bekannte und weniger bekannte Bilder hängen im Museum in Pittsburgh

Seit dem Tod von Andy Warhol 1987 hat sich Pittsburgh sehr verändert. Die Kohle- und Stahlindustrie brach ein, hunderttausende Arbeitsplätze wurden vernichtet, etliche Bewohner verließen Pittsburgh. Es begann der schmerzliche Prozess der Umstrukturierung. Inzwischen haben sich neue Wirtschaftszweige in Pittsburgh angesiedelt: Banken, Medizintechnik und Universitäten. Kunst und Kultur spielten ebenfalls eine große Rolle, meint Sokolowski: "Wir können zeigen, wie sich Städte neu erfinden können, nicht nur Pittsburgh, sondern auch Städte in Russland oder China, wo es mit der Stahlindustrie zwar später losging, aber sie jetzt schon wieder im Niedergang begriffen ist." Die Umstrukturierung in Pittsburgh sei teilweise im Schatten des großen Künstlers erfolgt, so der Museumsdirektor weiter: "Auch Künstler können somit den Weg aufzeigen, nicht nur Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft oder Politik."

Autor: Miodrag Soric

Redaktion: Stephanie Gebert

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