Andrew Parsons: ″Wir erwarten großartige Paralympics″ | Sport | DW | 08.03.2018
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Paralympics

Andrew Parsons: "Wir erwarten großartige Paralympics"

Vor den Paralympics in Pyeongchang spricht der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees Andrew Parsons im DW-Interview über den Kampf um Aufmerksamkeit, Inklusion und den heiklen Umgang mit Russland.

Brasilien Rio Paralympics Andrew Parsons (Getty Images/M. Hazlett)

Auch der neue Präsident des IPC betont in der Russland-Frage die Unterschiede zum IOC

DW: Die Winter-Paralympics beginnen am Wochenende. Es sind für Sie die ersten Spiele seit ihrer Wahl zum Präsidenten des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) im September. Sind Sie mit den Vorbereitungen zufrieden?

Andrew Parsons: Die Vorbereitungen verlaufen hervorragend. Wie man bereits bei den Olympischen Winterspielen sehen konnte, ist Südkorea ein ausgezeichneter Gastgeber und wird es auch bei den Paralympics sein. Wir beschäftigen uns aktuell noch etwas mit dem Ticket-Verkauf, weil wir sichergehen wollen, dass unsere Spiele vor vollen Rängen ausgetragen werden. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) und die Internationalen Verbände sind bereit für großartige Spiele. Bereits in der vergangenen Wintersaison konnte man die herausragenden Leistungen der Athleten bestaunen, wir erwarten in diesem Jahr großartige Paralympics.

Sie sprechen die Tickets an: Die Paralympics liegen bei den Zuschauerzahlen immer noch deutlich hinter den Olympischen Spielen. Warum ist das so? Könnte ein Grund in der Herausforderung liegen, die verschiedenen Schadensklassifizierungen für die Öffentlichkeit verständlich zu machen?

Ich glaube nicht, dass darin das größte Problem liegt. Natürlich müssen wir die unterschiedlichen Klassifizierungen erläutern, um dem Zuschauer zu zeigen, dass der Wettbewerb fair ist. Es ist beispielswiese nicht einfach jemandem den Unterschied zwischen S9 und S10 bei einem Schwimmwettbewerb zu erklären. Aber was die Menschen wirklich sehen wollen, ist, dass alle Athleten auf einem gemeinsamen Level gegeneinander antreten.

Olympische Spiele und Paralympics zusammenlegen? "Ein logistischer Albtraum!"

Auch bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang gab es bei vielen Wettkämpfen leere Ränge. Macht Ihnen das mit Blick auf die Paralympics Sorgen?

Wir sind uns natürlich bewusst, was bei den Olympischen Spielen passiert ist. Wir arbeiten eng mit dem Koreanischen Paralympischen Komitee zusammen und auch die Regierung tut viel dafür, dass wir so viele Zuschauer wie möglich zu den Wettkämpfen holen können.

Es gibt immer wieder Stimmen, die sich für eine Zusammenlegung von Paralympics und Olympischen Spielen einsetzen. Ist das ein realistisches Ziel?

Es wäre ein logistischer Albtraum! 10.500 Olympische Athleten mit 4.350 Paralmypische Athleten gleichzeitig im selben Olympischen Dorf, das wäre eine Menge Arbeit - bei Inklusion geht es nicht zwangsläufig immer darum miteinander zu sein, vielmehr bedeutet Inklusion jedem die gleichen Chancen zu bieten. Unserer Meinung nach ist das aktuelle Modell, nämlich dass die Paralympischen Spiele auf die Olympischen Spiele folgen, die bestmögliche Lösung. Mit Hinblick auf die eben angesprochenen logistischen Probleme würde ein Zusammenlegung der beiden Wettkämpfe bedeuten, dass insgesamt weniger paralympische Wettkämpfe stattfinden und damit auch weniger Athleten teilnehmen könnten. Dadurch hätten die paralympischen Athleten viel weniger Möglichkeiten sich auf dem weltweit höchsten Level zu beweisen.

"Russland zählt mittlerweile zu den führenden Verbänden im Anti-Doping-Kampf"

Russland Winter Paralympics 2014 russisches Team (Getty Images/H. Peters)

Keine russischen Symbole: Bei den Paralympics müssen die Russen als neutrale Athleten starten

Insgesamt 168 russische Athleten traten bei Olympia für die "Olympischen Athleten aus Russland" an. Auch Sie erlauben 30 russischen Sportlern unter dem Namen "Neutrale Paralympische Athleten" die Teilnahme an den Winter-Paralympics. Welche Bedeutung hat es, dass das Wort "Russland" fehlt?

Das IOC und das IPC sind unterschiedliche Organisationen und manchmal haben wir unterschiedliche Meinungen. Das Russische Paralympische Komitee (RPC) ist ein Mitglied von uns und derzeit suspendiert. Solange sie suspendiert sind, können wir keine russischen Symbole erlauben, wie zum Beispiel die Fahne. Deshalb wäre so etwas wie "Paralympische Athleten aus Russland" gegen unsere Regeln, es ist etwas, was wir nicht erlauben können. Und da wir den Namen "Neutrale Paralympische Athleten" während der Qualifikation verwendet haben, war es für uns klar, dass dies auch die richtige Wahl für den Namen während der Winter-Paralympics sein würde. Es entspricht unseren Regeln, diesen Athleten die Teilnahme an den Spielen zu erlauben und sendet gleichzeitig eine starke Botschaft: Denn das Russische Paralympische Komitee zählt mittlerweile im Kampf gegen Doping zu einem der führenden Komitees. Allerdings haben sie die Kriterien für die Wiederaufnahme noch nicht erfüllt. Das liegt nun in den Händen der Russischen Föderation.  

Das IOC hat die Suspendierung Russlands kurz nach den Spielen von Pyeongchang aufgehoben. Gibt es bereits ähnliche Überlegungen beim IPC?

Die Situation ist ganz klar: Sie haben aktuell zwei Kriterien immer noch nicht erfüllt. Das ist zum einen die Bestätigung bzw. Widerlegung des McLaren-Reports sowie die Wiedereinsetzung der RUSADA (die russische Anti-Doping Agentur, Anm. d. Red.). Diese beiden Kriterien müssen erfüllt sein, um die Suspendierung aufzuheben. Alle anderen Kriterien hat Russland bis hierher erfüllt, auf die beiden fehlenden warten wir jedoch noch.

Der gebürtige Brasilianer Andrew Parsons, 41, wurde im vergangenen September zum Präsidenten des Internationalen Paralympischen Komitee gewählt. Damit löste er Sir Philip Craven ab, der das Amt für 16 Jahre innehielt und in der Russland-Frage ebenfalls auf Distanz zum IOC ging. Zuvor war Parsons jeweils Vorsitzender des Brasilianischen Olympischen Komitess und des Amerikanischen Paralympischen Komitees.

Das Interview führte Chuck Penfold.

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