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Musik

András Kállay-Saunders gibt sich nachdenklich

Der ungarische Kandidat mit der Gänsehaut-Soulstimme hat sich ein sensibles Thema für den Glamour-Wettbewerb ausgesucht: Kindesmissbrauch. Die Wettbüros sehen seine eingängige Ballade unter den Top Ten.

"Stumme Schreie jede Nacht/ Daddy ist zuhause/ Sie versucht sich zu verstecken/ Sie ruft nach Mama/ aber eine Antwort kommt nie." Starker Tobak für die bunte Glitzernwelt des Eurovision Song Contests, wo es bis dato allenfalls um gebrochene Herzen ging. Doch András Kállay-Saunders hat sich bewusst für diese Thematik entschieden: "Mein Lied 'Running' basiert auf einer wahren Begebenheit. Eine gute Freundin von mir wurde als Kind missbraucht", erzählt er. "Ich möchte meine Stimme einsetzen, um darauf aufmerksam zu machen. Das Thema des Songs mag nicht gefällig sein, aber wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen: Es spricht etwas an, was jeden Tag überall auf der Welt passiert."

In Vaters Fußstapfen

András trägt seinen Song ganz ohne Pathos vor, er sitzt am Klavier und beschwört mit souligem Gesang eindrucksvoll die beklemmende Szenerie herauf. Das Singen hat er vom US-amerikanischen Vater gelernt, und der ist alles andere als ein Unbekannter. Fernando Saunders, seines Zeichens Sänger und Bassist, hat viele Jahre lang mit Lou Reed musiziert, mit Marianne Faithfull, Tori Amos und Joan Baez. Selbst mit Pavarotti ist Saunders Senior aufgetreten und hat seinem Sohn ein sicheres Gespür für Jazz, R'n'B und Rock in die Wiege gelegt. Mutter Katalin ist ein ungarisches Model, der gemeinsame Sohn kam 1985 in New York zur Welt. Sein Vater nahm den Jungen mit nach Detroit, wo er einst seine Karriere begonnen hatte, und dem Junior war schnell klar: "Ich will in Daddys Fußstapfen treten."

Karriere auf Ungarisch

András Kállay-Saunders lächelt in die Kamera(Foto: David Agkai)

András will seine Zuhörer aufrütteln

Gemeinsam gingen die beiden auf Tournee, doch 2011 erkrankte András ungarische Großmutter, und er zog nach Budapest. Dort machte er bei der populären TV-Talentshow Megasztár mit, belegte den 4. Platz und legte den Grundstein für eine nationale Karriere. Er platzierte zwei Songs in den ungarischen Top Ten, und auch seine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Rapper Rebstar landete ganz oben in den Charts.

Mittlerweile ist Kállay-Saunders bei dem renommierten skandinavischen Label "Today Is Vintage" unter Vertrag. Mit seiner Ballade "Running" ist er übrigens zum zweiten Mal für Ungarn in Sachen ESC am Start. 2013 war er mit seinem Wettbewerbsbeitrag "My Baby" beim nationalen Vorentscheid knapp gescheitert, aber immerhin hielt sich der Song damals wochenlang auf Platz 1. Wie weit András es jetzt beim Eurovision Song Contest bringt, hängt davon ab, wie weit sich das Publikum auf sein schwieriges Thema einlässt. Potenzial hat Kállay-Saunders allemal.

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