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Fußball

Andi Brehme und der Elfmeter von Rom

1998 endete seine aktive Fußballer-Karriere - und trotzdem kennen seinen Namen auch die ganz jungen Fans: Andreas Brehme schoss Deutschland 1990 zum Weltmeistertitel. An diesem Dienstag wurde er 50 Jahre alt.

Andreas Brehme (Foto: dpa)

Andreas Brehme ist nicht leicht zu erreichen in diesen Tagen. Häufig ist er unterwegs mit Geschäftspartnern, fliegt zu Terminen ins Ausland, Mitte November geht es mit der Traditionsmannschaft des FC Bayern München zu einem Freundschaftsspiel nach Indien. Zeit und Lust, seinen runden Geburtstag (09.11.2010) groß zu feiern, hatte er daher nicht. Erst den 51. im kommenden Jahr, den wolle er feiern, sagte Brehme.

Andreas Brehme verwandelt einen Elfmeter zum 1:0-Sieg der DFB-Elf im WM-Finale von 1990 in Rom gegen Argentinien (Foto: AP)

Ein Elfmeter für die Ewigkeit

Seine vielleicht größte Party feierte Andreas Brehme in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli 1990 in Rom: Die deutsche Nationalmannschaft hatte im Endspiel der Weltmeisterschaft die Mannschaft aus Argentinien um Superstar Diego Maradona mit 1:0 besiegt - dank des damals 29 Jahre alten Andreas Brehme.

Nach einem Foul von Roberto Sensini an Rudi Völler im Strafraum schnappte sich der linke Verteidiger in der 85. Minute selbstbewusst den Ball und versenkte den Foulelfmeter mit einem strammen Rechtsschuss im linken unteren Eck. Der als "Elfmeterkiller" bekannte argentinische Torhüter Sergio Goycochea war geschlagen - und ganz Deutschland jubelte.

Vier erfolgreiche Jahre in Mailand

Wie schnell sein Puls damals schlug, daran kann sich Brehme nicht mehr erinnern. Doch Angst, zu verschießen, die habe er nicht gehabt: "Ich fühlte mich relativ sicher, sonst wäre ich gar nicht zum Elfmeter hingegangen. Man muss Verantwortung übernehmen, und einer muss zum Elfmeter gehen. Wer das Tor schießt, das ist egal. Wichtig ist, dass wir Weltmeister geworden sind."

Als Andreas Brehme Deutschland zum dritten WM-Titel in der Geschichte der Bundesrepublik schoss, hatte der Blondschopf ungefähr die Hälfte seiner Karriere hinter sich und stand beim italienischen Club Inter Mailand unter Vertrag. In seinen vier Jahren in Mailand (1988 bis 1992) gewann er mit Inter einmal den Uefa-Cup und einmal die nationale Meisterschaft, spielte dort auch zusammen mit Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann. "Inter Mailand war eine richtig tolle Zeit, das waren vier wunderschöne, erfolgreiche Jahre", schaut Brehme gerne auf diesen Abschnitt seiner insgesamt 18 Jahre währenden Profi-Karriere zurück.

Die deutschen Nationalspieler (l-r) Andreas Brehme, Pierre Littbarski und Lothar Matthäus jubeln nach dem Finalsieg gegen Argentinien bei der Fußball-Weltmeisterschaft am 08.07.1990 im Olympiastadion in Rom. +++(c) dpa - Report+++

Weltmeisterlicher Jubel: Brehme (l.), Littbarski und Matthäus (r.) nach dem WM-Sieg 1990 in Rom

Hamburg - Saarbrücken - Kaiserslautern - München

Brehmes (Fußball-)Leben beginnt in Hamburg. In der Hansestadt wird er am 9. November 1960 geboren, absolviert nach der Schulzeit eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker und spielt Fußball bei seinem Heimatverein, dem heutigen Oberligisten HSV Barmbek-Uhlenhorst.

1980 verlässt er Hamburg im Alter von 19 Jahren, wechselt nach Saarbrücken und spielt dort ein Jahr in der Zweiten Liga. Von da an geht es steil bergauf mit der Karriere: Brehme wechselt in die Pfalz, ist bis 1986 mit dem 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga aktiv. 1984 absolviert er sein erstes von insgesamt 86 Länderspielen, im Sommer 1986 verliert er mit Deutschland das WM-Finale in Mexiko-City mit 2:3 gegen Argentinien.

Brehme macht im Anschluss den nächsten Karriere-Schritt, unterschreibt einen Vertrag bei Bayern München. Ein Jahr später wird er mit dem FCB zum ersten Mal Deutscher Meister. Es folgt die Zeit bei Inter Mailand, bevor er 1992 für ein Jahr nach Spanien zu Real Saragossa wechselt.

Das Beste kommt zum Schluss

Andreas Brehme (l) vom 1. FC Kaiserslautern kämpft bei seinem letzten Bundesligaspiel am 09.05.1998 im Hamburger Volksparkstadion gegen den Hamburger Hasan Salihamidzic. Das Spiel endet mit einem 1:1 Unentschieden. (Foto: dpa)

1998: Abschied aus der Liga

Zwischen 1995 und 1998 erlebt Brehme zum Ende seiner Laufbahn die drei wohl verrücktesten Jahre: Der Routinier ist seit 1993 zurück auf dem Betzenberg beim 1. FC Kaiserslautern. Doch sportlich läuft es irgendwann nicht mehr rund. Am letzten Spieltag der Saison 1995/96 könnte mit einem Sieg in Leverkusen der erste Abstieg der Vereinsgeschichte noch verhindert werden, doch es reicht nur zu einem Unentschieden. Kaiserslautern muss den bitteren Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Vor laufenden Kameras heult Brehme an der Schulter von Rudi Völler Tränen der Enttäuschung.

In der Rückschau ordnet er den Abstieg folgendermaßen ein: "Man kann nicht jedes Finale gewinnen, das gibt es nirgends, in keiner Sportart. Deswegen muss man ab und zu auch mit Niederlagen umgehen können. Und das konnte ich auch relativ gut." Brehme zeigt sich verantwortungsbewusst, bleibt auch in der 2. Bundesliga in Kaiserslautern und geht mit vollem Einsatz voran - mit Erfolg.

Unter Trainer Otto Rehhagel gelingt 1997 der sofortige Wiederaufstieg in die Bundesliga - und noch ein Jahr später die Riesensensation: Als erster Aufsteiger in der Bundesliga-Geschichte wird Kaiserslautern 1998 Deutscher Meister. Zum Ende seiner Karriere darf Andreas Brehme im Alter von nun 37 Jahren noch einmal die Meisterschale in die Höhe strecken - es ist sein sechster großer Titelgewinn.

Kein Glück auf der Trainerbank

Andreas Brehme blickt 2002 als Trainer des 1. FC Kaiserslautern auf seine Uhr (Foto: AP)

Brehme als Trainer

Doch danach wird es ruhig um den gebürtigen Hamburger. Die angestrebte Trainerkarriere kommt nicht recht in Schwung. Zwei Jahre Chefcoach in Kaiserslautern (2000-2002), ein Jahr Trainer in Unterhaching (2004/2005) und ein halbes als Co-Trainer in Stuttgart. Das war's. Seit fast fünf Jahren ist Andreas Brehme auf der Suche nach einem Platz im Fußballgeschäft - und findet ihn nicht so recht. Der Vater von zwei Söhnen verfolgt die Bundesliga aufmerksam, sitzt regelmäßig bei den Heimspielen von Bayern München auf der Tribüne. Doch einen neuen Job als Trainer hat er noch nicht gefunden. Einige Angebote gab es schon, was richtig Seriöses war aber nicht dabei, so Brehme. Zwar sei er im Moment mit seiner Arbeit in zwei Firmen sehr beschäftigt, doch "liebend gerne" würde er einen Trainer-Job im Ausland annehmen. "Das reizt mich unheimlich", sagt der Ex-Nationalspieler. In Italien, dem Land, das ihm so sehr gefällt, könne er sich sogar vorstellen, bei einem Zweitligisten zu arbeiten, ergänzt Brehme.

Bis es so weit ist, lebt Weltmeister Brehme erst einmal weiter in seiner Lieblingsstadt München - von wo es nur ein Katzensprung ist in den von ihm geliebten Süden.

Autor: Uli Petersen
Redaktion: Arnulf Boettcher

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