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Aktuell Europa

Anastasiades muss in die Stichwahl

Der konservative Politiker Nikos Anastasiades hat klar die erste Runde der Präsidentenwahl auf Zypern gewonnen. Er verfehlte jedoch die absolute Mehrheit und muss nun in die Stichwahl.

Es kam dann doch anders als gedacht: Nachdem die Anhänger des konservativen Politikers Nikos Anastasiades schon über den vermeintlichen, von Prognosen gestützten Wahlsieg jubelten, folgte die Ernüchterung. Anastasiades hat zwar die erste Runde der Präsidentenwahl klar gewonnen, blieb aber unter der 50-Prozent-Grenze. So kommt es am 24. Februar in Zypern zu einer Stichwahl zwischen Anastasiades und dem zweitplatzierten, von den Kommunisten unterstützten Kandidaten Stavros Malas.

Laut vorläufigem Endergebnis erhielt Anastasiades 45,4 Prozent aller Stimmen. Der ehemalige Gesundheitsminister Malas landete demnach abgeschlagen bei 26,9 Prozent. Der Vertreter der politischen Mitte, Giorgos Lillikas, kam den Angaben zufolge auf 24,9 Prozent und damit auf den dritten Rang.

Anastasiades gegen Malas

Anastasiades gab sich zuversichtlich, bei der Stichwahl in einer Woche den Sieg davonzutragen. Dennoch rief er alle Bürger des Landes auf, ihm am kommenden Sonntag die Stimme zu geben. Seinen deutlichen Vorsprung vor dem zweitplatzierten Malas in der ersten Wahlrunde interpretierte der 66-Jährige vor seinen jubelnden Anhängern als "Sieg der Kräfte, die wollen, dass Zypern eine neue Seite aufschlägt".

Malas gratulierte seinem Rivalen zum Wahlsieg in der ersten Runde, gab sich für die Stichwahl aber ebenfalls siegessicher. "Diesen Kampf werden wir gewinnen", sagte der 55-Jährige in Nikosia und bedankte sich bei der Kommunistischen Partei und anderen linken Kräften für die Unterstützung.

Video ansehen 01:30

Zypern am Scheideweg

83 Prozent der Zyprer gingen zur Wahl

Auf Zypern wird der Präsident direkt vom Volk gewählt. Er bestimmt und führt auch die Regierung. Wahlberechtigt waren 545.000 griechische Zyprer. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Behörden bei rund 83 Prozent und blieb damit deutlich unter den Beteiligungen an früheren Abstimmungen. In Zypern herrscht Wahlpflicht, und theoretisch werden beim Fernbleiben von den Urnen Bußgelder fällig.

Das hochverschuldete Euro-Mitgliedsland Zypern ist von der Staatspleite bedroht. Auf den Wahlsieger kommt nun die Aufgabe zu, mit den Geldgebern von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Bedingungen für ein milliardenschweres Hilfspaket auszuhandeln, das im Juni beantragt worden war.

Anastasiades: "Es geht ums Überleben Zyperns"

Wegen der finanziell prekären Lage Zyperns galt das Votum inmitten der Schuldenkrise als Schicksalswahl. "Es geht um das Überleben des Landes", erklärte Anastasiades bei seiner Stimmenabgabe in der Hafenstadt Limassol (Artikelbild).

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Viele Regierungen der Euro-Zone hoffen auf einen Machtwechsel in Zypern, weil sich die Gespräche mit dem scheidenden Staatschef Demetris Christofias in den vergangenen Monaten schwierig gestaltet hatten. Der Kommunist, der bei der Wahl nicht mehr antrat, lehnte Privatisierungen als Gegenleistung für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM prinzipiell ab. Auch Malas hat sich gegen Privatisierungen und eine Verschlankung des Staates ausgesprochen.

Pro und Contra Privatisierungen

Anastasiades wiederum hat Reformen und auch Privatisierungen nicht ausgeschlossen. Während des Wahlkampfes betonte er die Notwendigkeit strikter Sparmaßnahmen, um Vorgaben der internationalen Gläubiger zu erfüllen. Nach seinem Sieg in der ersten Wahlrunde versprach er, er werde alles tun, damit Zypern wieder auf Europakurs gebracht werde.

Die Wahl wurde auch im türkisch-zyprischen Norden der Insel aufmerksam verfolgt. Die Insel ist seit 1974 geteilt - nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention. Seit 2004 ist Zypern Mitglied der EU, das Regelwerk der EU gilt jedoch nur für den griechisch-zyprischen Süden.

kis/wl (afp, dpa, rtr, apd)

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