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Afrika

Analyst Shaba: "Europa muss Afrika besser verstehen"

Die USA und Afrika wollen auf ihrem Gipfeltreffen enger zusammenrücken. Auch von den Europäern wünsche sich Afrika mehr Engagement - aber auf Augenhöhe, sagt Richard Shaba von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tansania.

DW: Herr Shaba, nicht nur die USA zeigen wachsendes Interesse an Afrika: Als Wirtschaftspartner ist China von noch größerer Bedeutung, auch Indien investiert. Hat Europa das Rennen um die afrikanischen Märkte etwa schon verloren?

Richard Shaba: Nein. Frankreich, Portugal, Spanien, Belgien, Deutschland und Großbritannien hatten einst Kolonien in Afrika, zu denen sie auch heute noch Verbindungen haben. Auch wenn der Kolonialismus im Sinne von tatsächlicher Machtausübung vorbei ist, bestehen immer noch Abhängigkeiten. Die Wirtschaftsstrukturen zu Kolonialzeiten beruhten auf den afrikanischen Rohstoffexporten nach Europa. Auch heute erwarten die Europäer, dass Afrika Rohstoffe liefert, keine Endprodukte. Das gilt übrigens auch für die USA und China. Hier geht es nicht um afrikanische Lösungen. Der Kontinent steht also vor der Wahl: Er könnte wieder einmal nur liefern, ohne sich zu entwickeln - denn wenn die Rohstoffe einmal weg sind, ist es mit dem Boom vorbei. Oder er könnte seinen Einfluss nutzen und eine faire Partnerschaft einfordern, die hilft, eigene wirtschaftliche Strukturen aufzubauen. Die afrikanischen Staaten müssen sich an die Warnung früherer afrikanischer Präsidenten wie Julius Nyerere oder Kwame Nkrumah erinnern, die sagten: 'Ja, wir haben unsere Unabhängigkeit, unsere Nationalflaggen, aber der Krieg um die ökonomische Unabhängigkeit steht noch bevor. Dieser Kampf wird hart und unbarmherzig sein.'

Wie kann Afrika sich aus dieser Abhängigkeit befreien und sich international mehr Gehör verschaffen?

Europa, China, die USA und auch Indien müssen Afrika als Partner wahrnehmen - nicht nur als Rohstoffquelle. Und Afrika muss sich von Herrschern befreien, die nicht für Afrika wirtschaften, sondern nur in die eigene Tasche - oder in die Tasche von multinationalen Konzernen. Wenn solche Machthaber sich wieder zur Wahl stellen, müssen die Menschen aufwachen und sagen: 'Es reicht! Wir sehen mehr Konzerne, aber keine besseren Lebensbedingungen.' Was der Kontinent zu bieten hat, sollte der Mehrheit nutzen und nicht nur einigen Wenigen. Wir brauchen eine afrikanische Agenda und Staatschefs, die sich die Frage stellen, was die Prioritäten für Afrika sind und wie diese Ziele erreicht werden können.

Was erwarten Afrikaner denn genau von Europa? Stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit, Zugang zu europäischen Märkten - oder ein stärkeres politisches Engagement?

Die Kontakte zwischen Europäern und Afrikanern reichen weit zurück und sind sehr vielfältig - im Guten wie im Schlechten. Gerade wegen dieser langen Beziehungen erwarten Afrikaner von Europäern, dass sie sie besser verstehen. Europa sollte in der Lage sein, die Bedürfnisse afrikanischer Staaten zu verstehen und auf sie einzugehen. Es hat die nötigen Mittel und Wege. Viele Menschen sterben bei dem Versuch, illegal nach Europa zu gelangen. Nicht, weil sie dumm wären, sondern weil sie verzweifelt sind, weil sie Arbeit und ein besseres Leben suchen. Können wir nicht gemeinsam an den Problemen arbeiten, die diese Menschen in die Migration treiben?

Geht es also mehr um wirtschaftliche Bedingungen und Zugang zu Bildung - und weniger um Krisenhilfe in den neuen afrikanischen Kriegen und Konflikten?

Das hängt zusammen. Diese Kriege gibt es ja auch, weil Menschen auf die eine oder andere Weise unzufrieden sind. Meistens geht es um wirtschaftliche Probleme, aber manchmal fühlen sich Menschen auch politisch oder sozial ausgegrenzt und sehen bewaffnete Auseinandersetzungen als die einzige Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.

Noch vor den Staats- und Regierungschefs hat Obama Ende Juli junge afrikanische Führungskräfte nach Washington eingeladen. Was bezwecken internationale Wirtschaftsmächte wie die USA mit solchen Veranstaltungen? Und wie kann Afrika davon profitieren?

Wer auch immer afrikanische Führungskräfte einlädt, sollte auch offen aussprechen, warum er das macht. Die USA sollten ruhig sagen, dass es ihnen dabei um afrikanische Rohstoffe geht. Dann wissen die Menschen in Afrika, woran sie sind, und wissen: Wenn wir demokratischen Wandel für unsere Länder wollen, brauchen wir keine Hoffnungen in so einen Gipfel zu setzen. Auch die teilnehmenden Führungskräfte sollten ihre Ziele öffentlich formulieren. Information ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Öffentlichkeit in Afrika auf die Umsetzung der Ergebnisse pochen kann - wie auch immer diese aussehen.

Richard Shaba ist stellvertretender Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tansania.

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