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Politik

Analyse: Wie geht es weiter im Kosovo?

Nach dem Tod von Ibrahim Rugova ist die Zukunft des Kosovo ungewisser denn je. Der Krebstod des Intellektuellen, den viele als Vater der Nation sahen, hinterlässt eine tiefe Lücke.

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Deutsche KFOR-Soldaten im Kosovo

Das Ableben des Präsidenten fällt in eine politisch sensible Zeit: Die ursprünglich für Mittwoch angesetzten Wiener Gespräche sollen Klarheit über den endgültigen Status des Kosovos bringen. Die Provinz gehört völkerrechtlich immer noch zu Serbien gehört, tatsächlich wird sie aber seit dem Krieg 1999 von der UNO und der NATO regiert wird. Als unbestrittener Führer der Kosovo-Albaner hätte Rugova die schwierigen Verhandlungen leiten sollen, ihm trauten seine Landsleute zu, ihre Heimat endlich von Serbien zu lösen und in die Unabhängigkeit zu führen.

Komplizierte Gemengelage

Die Situation im Kosovo ist komplex: Serbien lehnt es ab, die Provinz verloren zu geben. Die meisten Kosovo-Albaner - diese stellen 90 Prozent der Einwohner - wollen sich mit nichts weniger als der Unabhängigkeit zufrieden geben. Die Protektoratsmächte NATO und UNO indes sind nicht begeistert von der Vorstellung, auf dem Balkan einen weiteren armen, instabilen Kleinstaat zu etablieren. Viele Kosovo-Albaner sahen in Rugova den einzigen, der in diesem komplexen Spiel widerstrebender Kräfte einen Kompromiss finden und vor seinen Bürgern vertreten konnte.

Rugovas Erkrankung hat die Vorbereitung für die Konferenz erschwert. Seit 40 Tagen ist die Kosovo-Delegation nicht mehr zusammengetreten. Der Kosovo-Politikwissenschaftler Milazim Krasniqi analysiert: "Rugovas Absenz wird ein Vakuum schaffen, insbesondere in psychologischer Hinsicht, weil ein großer Teil des Wählervertrauens ihm persönlich galt." Krasniqi vermutet, dass die Todesnachricht die Wiener Verhandlungen "nicht erheblich" beeinträchtigen werde. Die Gespräche hingen vor allem vom Willen der internationalen Teilnehmer ab, eine Lösung zu finden.

Lücke kaum zu schließen

Andere Beobachter sind skeptischer. Sie sehen keinen ebenbürtigen Nachfolger und fürchten einen Machtkampf. Die meisten in Fragen kommenden Kandidaten seien untereinander zerstritten und hätten nicht die übergreifende Autorität Rugovas, warnten Beobachter am Samstag in Pristina. Das bewog auch den Chef der UN-Verwaltung, Soeren Jessen-Petersen, die Albanerführer umgehend zur Einigkeit in diesem für die Provinz "entscheidenden" Augenblick aufzurufen. Die Politiker und das Volk müssten zusammenhalten und "Reife und Weisheit" zeigen, warnte Jessen-Petersen.

Die Kandidaten

Mehrere Politiker machen sich Hoffnung auf die Nachfolge. Gute Chancen werden Parlamentspräsident Nexhat Daci eingeräumt, der Mitglied der Rugova-Partei Demokratischer Liga des Kosovo (DLK) ist. Daci ist nicht unumstritten: Er gilt als autoritärer Charakter, viele sehen ihn als negatives Gegenbeispiel zu dem feinsinnigen Rugova. Auch der 37-jährige Oppositionsführer Hashim Thaci träumt vom Präsidentenamt. Er vertritt die Radikaleren unter den Kosovo-Albanern. 1998 trat er als Chef der Rebellengruppe UCK auf die politische Bühne. In Serbien wurde er in Abwesenheit zu 23 Jahren Haft wegen Terrorismus verurteilt. Thaci kann auf die Unterstützung anderer extremerer Parteien und Gruppen setzen, die im Gegensatz zu Rugova nur den bewaffneten Kampf als Weg in die Unabhängigkeit ansahen.

Auf dem aufsteigenden Ast sieht sich auch der 43 Jahre alte Medienunternehmer Surroi mit seiner Partei Ora. Surroi versucht, sich als Realist zu profilieren: Seine Landsleute forderte er auf, nicht nur von der Unabhängigkeit zu träumen, sondern auch die marode Wirtschaft wiederaufzubauen. Vierter Anwärter auf die Nachfolge ist Ministerpräsident Bajram Kosumi, der seit vergangenem Frühjahr an der Regierungsspitze steht und mit seinen 45 Jahren ebenfalls zu den Nachwuchshoffnungen gezählt wird. (stl/afp)

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  • Datum 22.01.2006
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