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Politik

Analyse: Die Anschläge von Amman

Nahost-Experte Peter Philipp über die Ursachen, Motive und Ziele der Selbstmordattentate in Jordanien.

Peter Philipp

Das Königreich Jordanien ist radikalen Gruppen in der arabischen Welt schon immer ein Dorn im Auge gewesen: Unter dem verstorbenen König Hussein, weil es zusammen mit Ägypten einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen hatte und auch immer wieder direkt mit Israel Kontakte unterhielt.

Dann aber auch, weil es schon unter Hussein und seit dessen Tod auch unter seinem Nachfolger, König Abdullah, eine klar pro-westliche und Amerika-freundliche Linie verfolgte und verfolgt. Dies wurde in den letzten Jahren besonders deutlich an der jordanischen Haltung gegenüber dem Konflikt im Irak: Das Königreich ist als direkter Nachbar Durchgangsland auf dem Weg in den Irak und es dient als Etappe für Amerikaner und andere Ausländer, denen es im Irak zu gefährlich geworden ist. So waren zum Beispiel auch die Mitarbeiter der Vereinten Nationen aus Bagdad nach Amman verlegt worden, nachdem ihr Hauptquartier im Irak bei einem Anschlag zerstört worden war.

Es hatte in den letzten Monaten wiederholt Versuche von El Kaida nahe stehenden Terroristen gegeben, Jordanien in ihren Kampf gegen die Vereinigen Staaten und andere mit dem Irak verbundene westliche Staaten zu verwickeln. Nur ein Angriff auf ein US-Kriegsschiff im Rotmeerhafen von Akaba forderte dabei Opfer und richtete Sachschaden an, die anderen Angriffe konnten von den jordanischen Sicherheitsbehörden verhindert werden.

Diese Sicherheitsbehörden sind für ihre Effektivität bekannt. Aber in einem Land mit wahrscheinlich 60 Prozent palästinensischer Bevölkerung – von der viele nicht einverstanden sind mit der pro-amerikanischen Politik des Königshauses – darf es nicht verwundern, wenn radikale Gruppen in Jordanien Unterstützung finden. Dies umso mehr, als der meistgesuchte Terrorist im Irak, Abu Mussab al-Sarkawi, aus Jordanien stammt und dort sicher Anhänger hat.

Jordanien könnte mit den Anschlägen auch den Preis dafür zahlen, dass es sich schon sehr früh so klar abgewandt hatte von Saddam Hussein und dem alten Regime in Bagdad. Jahrelang hatte Amman davon profitiert, dass der Nachschub für das Bagdader Regime durch Jordanien floss, als der Angriff der USA auf den Irak nahte, da bezog Jordanien klar Stellung. So sehr, dass man nach dem Krieg im Irak heftig dagegen opponierte, jordanische Truppen zur Unterstützung der neuen irakischen Regierung zu akzeptieren.

Die Anschläge von Amman könnten deswegen mehrere Ziele verfolgen: Einmal das Königreich abzustrafen für seinen Frontenwechsel. Zum zweiten, das Land als sichere Basis für westliche Geschäftsleute und Bürger zu zerstören oder einfach: Jordanien schweren wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Wenn auch Geschäftsleute, erst recht aber Politiker und Militärs weiterhin nach Jordanien kommen werden, so dürften Touristen sich dies nun zwei Mal überlegen. Und Jordanien ist gerade zu dieser Jahreszeit beliebtes Tourismus-Ziel. Nicht nur wegen seines guten Klimas am Roten Meer, sondern auch, weil es von Pilgern als Teil des "Heiligen Landes" betrachtet und in weihnachtliche Pilgerfahrten eingeschlossen wird, die letztlich nach Bethlehem und Jerusalem führen.

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  • Datum 09.11.2005
  • Autorin/Autor Peter Philipp
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7QwV
  • Datum 09.11.2005
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