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Filme

Analoger Held im analogen Film: Tom Tykwers "Ein Hologramm für den König"

Der neue Film des Regisseurs feierte beim Tribeca-Festival in New York Weltpremiere. "Ein Hologramm für den König" ist eine Culture-Clash-Komödie mit Weltstar Tom Hanks in der Hauptrolle - und ganz besonderen Drehorten.

Fast noch abenteuerlicher als die Filmhandlung liest sich die Geschichte der Dreharbeiten. "Ein Hologramm für den König" wurde vor allem in Marokko gedreht, viele Szenen entstanden allerdings auch in Saudi-Arabien, einem Land, das westlicher Kinokultur recht fern steht. Gedreht wurde auch in der für Muslime heiligen Stadt Mekka. Dort dürfen Nichtgläubige eigentlich nicht hin, zum Drehen eines Spielfilms schon gar nicht. Tom Tykwer half sich mit einem Trick.

"Wir hatten eine allgemeine Drehgenehmigung (für Saudi-Arabien, Anmerk. der Red.), aber wir durften keine Spielfilmszenen drehen", teilte der deutsche Regisseur mit. Daran habe man sich auch gehalten. Eine muslimische Crew habe dann aber in Djidda und in Mekka gedreht. Die Spielfilmszenen wurden in Marokko aufgenommen, etwa Sequenzen, in denen Hauptdarsteller Tom Hanks in einem fahrenden Auto zu sehen ist.

Tom Hanks fährt durch Mekka…

"Wir haben die Gegenschüsse ins Auto rein gedreht. Und dann haben wir alles zusammengetrickst." Im fertigen Film wird so Tom Hanks durch Mekka kutschiert. Dem nun in New York uraufgeführten Werk sieht man die Trickserei nicht an. Im Gegenteil. "Ein Hologramm für den König" wirkt wie aus einem Guss inszeniert.

Ein Hologramm für den König - Filmszene mit Tom Hanks (Foto: X Verleih)

In der Wüste auf sich allein gestellt: Tom Hanks als Alan Clay

Worum geht es? Alan Clay (Tom Hanks) ist ein US-amerikanischer Vertreter, früher hat er Stahl verkauft, heute versucht er hochkomplexe Kommunikations-Software an den Mann zu bringen. Clay ist einer der Verlierer der Wirtschaftskrise, der infolge des Banken-Crashs 2008 tief gefallen ist. Seinen Stahl-Job hat er damals verloren. Die neue Arbeit ist so etwas wie seine letzte Chance: Clay ist 54, einen anderen Job zu finden, dürfte schwer werden in seinem Alter.

Ein Hologramm für den Herrscher von Saudi-Arabien

Clay wird von seinem Arbeitgeber für einen neuen Job buchstäblich in die Wüste geschickt. Er soll Abdullah, König von Saudi-Arabien, ein Hologramm verkaufen, eine hochmoderne Technologie: Konferenzteilnehmer irgendwo auf der Welt sollen nicht nur per Bildschirm zugeschaltet werden können, sondern als Hologramm leibhaftig erscheinen.

Nach seiner Ankunft in Saudi-Arabien findet Clay nur ein großes schwarzes Zelt in einer menschenleeren Trabantenstadt mitten in der Wüste vor. Drei amerikanische Kollegen der Firma arbeiten schon seit einigen Wochen vor Ort. Clay soll dem König das Hologramm nun unter Live-Bedingungen vorführen.

Ein Hologramm für den König - Filmszene mit Tom Hanks (Foto: X Verleih)

Wo geht's lang? Clays Chauffeur Yousef (Alexander Black) zeigt die Richtung an

Doch schnell entpuppt sich der Job als wahre Sisyphusarbeit. Im Zelt gibt es keine Klimaanlage, das WLAN-System funktioniert nicht, der Monarch von Saudi-Arabien verschiebt seine Anreise ein ums andere Mal. Alle arabischen Ansprechpartner Clays vertrösten ihn immer wieder aufs Neue. Zwar wird Clay freundlich behandelt, bekommt einen Chauffeur gestellt und andere Annehmlichkeiten mehr, doch er kommt einfach nicht voran. So verschärft sich die Lebenskrise, in der der Mittfünfziger steckt: Mit seiner Frau lebt er in Trennung, die Tochter will mehr finanzielle Unterstützung, im Job gibt's kein Voran. Zum allem Überfluss wächst dem so gebeutelten Geschäftsmann auch noch ein merkwürdiges, dickes Furunkel aus dem Rücken.

Culture-Clash-Comedy

"Ein Hologramm für den König" ist eine Komödie über den Zusammenprall zweier sehr unterschiedlichen Kulturen: der nordamerikanisch-westlichen auf der einen Seite, der eines Landes zwischen Hyper-Moderne und konservativer Tradition auf der anderen: Saudi Arabien. Die Vorlage zum Film lieferte Tykwer der Roman des US-Amerikaners Dave Eggers, von dem der deutsche Regisseur sofort begeistert war: "Der Roman beschreibt unsere westliche Gesellschaft mit einem originellen Trick: Er erzählt von ihr, ohne jemals in der westlichen Welt zu sein; er porträtiert die westliche Welt über einen Mann, der ganz woanders ist, und untersucht über ihn die Ängste der Generation der Mittfünfziger aus der weißen Mittelschicht."

Ein Hologramm für den König - Filmszene mit Tom Hanks (Foto: X Verleih)

Vor Ort wird Clay von der Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) behandelt - es entwickelt sich eine tiefe Zuneigung

Das Handlungskonzept habe er als sehr ungewöhnlich empfunden, erinnert sich Tykwer: "Einen Amerikaner in ein fremdes Land wie Saudi-Arabien zu setzen, das als Projektionsfläche gleichzeitig beunruhigend und verklärt ist, ein Ort, mit dem wir Märchen assoziieren und in dem völlig unrealistische Wünsche wahr werden können."Dave Eggers' Romanheld Alan Clay suche in dem fremden Land nach Rettung, wenn nicht Erlösung, so Tykwer über die Seelenlage seines Filmhelden.

Tom Tykwer: Mehr Witz, weniger Drama

Eggers Roman betont eher die dramatischen Momente der Geschichte, Tykwer arbeitete nach eigenen Angaben die komödiantischen Aspekte der Story heraus: "Alan Clay ist ein gescheiterter Mann, steht vor den Trümmern seines Lebens und glaubt, mithilfe des saudischen Königs auferstehen zu können - aus den Trümmern seiner Asche. Das ist so grotesk und aberwitzig, auch sinnlos an vielen Stellen, dass man es humorvoll erzählen muss."

Tom Hanks liefert mit dem am Rande des psychischen und physischen Zusammenbruchs stehenden Alan Clay eine seiner besten Karriereleistungen ab. Auch die anderen Schauspieler sind großartig. Der Film hat Witz und Tempo, nimmt sich aber auch immer wieder Zeit für die ruhigen und stillen Momente in der Wüste.

Ein Hologramm für den König - Filmszene mit Tom Hanks (Foto: X Verleih)

Ein Mann in der Lebenskrise - fern der Heimat: Alan Clay (Tom Hanks)

Punkten kann "Ein Hologramm für den König" auch mit seinen Schauplätzen: "Wir waren uns einig, dass wir physisch und konkret arbeiten wollten. Wir wollten keinen Film, der überwiegend im Studio unter kontrollierten, beschützten Bedingungen gemacht wird, was ja auch bedeutet, dass man weniges von dem, was die Schauspieler umgibt, real macht, sondern ständig auf Greenscreens zurückgreift", sagt Tykwer: "Wir wollten einen analogen Film machen, weil wir fanden, dass Alan Clay ein analoger Typ ist."

Wirtschaftswandel: Statt Stahl Hologramme

Alan verkaufe zwar ein Hologramm, er selbst aber sei dem Dinglichen verbunden, so Tykwer. "Er hat einst Stahl verkauft, er steht für eine Welt, die sich gerade verabschiedet, präsentiert aber etwas, das ganz der virtuellen Zukunft gehört." Insofern spiegele Clays Arbeitsweise seinen Charakter.

Übrigens: Tom Tykwer war während seiner Reisen nach Saudi-Arabien dann doch noch in der heiligen Stadt: "Ich bin tatsächlich auf meiner Recherche-Tour in Mekka gewesen - ohne es zu wollen. Mein Guide hatte sich verfahren und konnte nicht mehr wenden, darum sind wird durch Mekka gefahren." Dieser unfreiwillige Aufenthalt Tykwers in der heiligen Stadt wird im fertigen Film aufgegriffen und gespiegelt. So ist "Ein Hologramm für den König" ein mit feinem Witz gesponnener Spielfilm über den Zusammenprall zweier Kulturen - und es ist ein Film, der den Umgang der Menschen mit diesen zwei Welten reflektiert.

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