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Wirtschaft

An vielen Diamanten klebt Blut

Weil in afrikanischen Staaten wie Angola oder Sierra Leone mit dem Verkauf von Diamanten Kriege finanziert werden, will die EU den Import dieser so genannten Blutdiamanten in die EU-Mitgliedsstaaten unterbinden.

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Diamanten-Wäscher in Sierra Leone

In der westlichen Diamantenindustrie geht es nicht ganz so lupenrein zu, wie ihre Produkte es vermuten lassen - diesen Vorwurf erheben zahlreiche Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen. Sie geißeln vor allem den Handel mit Rohdiamanten, die aus dubiosen Quellen kommen. Während die Händler an den Diamantenbörsen und Vertreter der Diamantenkonzerne beschönigend von "Konfliktdiamanten" sprechen, mit denen sie nichts zu tun hätten, nennen Nichtregierungs-Organisationen den hochkarätigen Rohstoff "Blutdiamanten". Ihr Vorwurf: Nicht alle Steine stammen aus dem offiziellen Abbau. Mit dem Erlös illegal eingeführter Diamanten finanzierten Rebellengruppen in Ländern wie Angola, Kongo und Sierra Leone ihre Waffenkäufe. Diesem schmutzigen Rohstoff habe Angola mehr als eine halbe Million Tote und über zwei Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge zu verdanken, Sierra Leone mehr als 50.000 Tote und eine Million Vertriebene.

Millionengeschäft

Den jährlichen Umsatz mit diesen Blutdiamanten schätzt die Europäische Union auf 100 Millionen Dollar, was rund zwei Prozent des gesamten Umsatzes der Branche entspricht. Die Frankfurter Hilfsorganisation medico international schätzt den Umsatz mit nicht-zertifizierten Diamanten sogar auf vier bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes.

Seit drei Jahren haben sich medico international und andere europäische Hilfsorganisationen zu einer Kampagne namens "Fatal Transactions" zusammen geschlossen, um den illegalen Diamantenhandel zu bekämpfen. Auch die Diamantenindustrie weiß, dass sie ein Image-Problem hat. Doch sie leugnet, in den illegalen Handel verwickelt zu sein, und sperrt sich gegen unabhängige Kontrollen. Eine Versammlung der Diamantenindustrie Anfang Oktober in Antwerpen, die erste seit dem Zweiten Weltkrieg, machte sich lediglich für freiwillige Selbstkontrollen stark.

Image-Schaden

Andrew Lamont vom südafrikanischen Diamantenkonzern De Beers zum Beispiel bestreitet, dass sein Konzern in den Handel mit den illegalen Hochkarätern verwickelt ist: "De Beers handelt nicht mit Diamanten, die aus Gebieten kommen, die man als Konfliktzonen betrachten könnte. Und wir haben auch keine Konfliktdiamanten in unseren Lagerhäusern in London. Alle Diamanten, mit denen wir handeln und die wir zehn mal pro Jahr, alle fünf Wochen an unsere Abnehmer verkaufen, kommen aus Ländern, von denen wir wissen, dass sie eine ganz legale Diamantenproduktion haben."

Sein Chef, Nicky Oppeheimer, forderte in Antwerpen, die Edelsteinindustrie müsse sich "mit Hingabe und Nachdruck" selbst kontrollieren - das Blutimage sei schlecht für das Geschäft. Und Andrew Lamont, Sprecher von DeBeers, weist darauf hin, dass De Beers mit gutem Beispiel voran gehe: "Wir haben unsere Einkaufsbüros in Angola im Oktober 1999 geschlossen. Aber wir kaufen auch heute noch Rohdiamanten aus diesem Land. Legale Diamanten, die ein Zertifikat von der legitimierten Regierung dieses Landes haben."

Helfer zweifeln

Anne Jung von der Hilfsorganisation medico international bezweifelt, dass es ausreicht, sich auf eine solche Position zurück zu ziehen: "Man kann sicherlich nicht innerhalb Angolas exakt bestimmen, aus welcher Region der Stein genau stammt." Zwar herrsche in Angola mittlerweile ein Waffestillstand, doch damit sei noch lange nicht garantiert, dass die Rebellen aus dem Diamantengeschäft gedrängt worden seien, sagte Anne Jung im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Schon im Jahr 2000 forderte eine internationale Konferenz im südafrikanischen Kimberley internationale Zertifizierungsregeln für den Export und Import von Rohdiamanten. Dieser "Kimberley-Prozess" soll nun zu einem Meilenstein bei der Bekämpfung des illegalen Handels ausgebaut werden. 35 Länder haben sich im Rahmen dieser Initiative bereits verpflichtet, den Handel mit den Kriegsdiamanten zu stoppen. Die Teilnehmerstaaten - darunter die Länder der Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika (SADC) und die EU-Staaten - sollen ein neues Verifikationssystem verabschieden, das spätestens Anfang kommenden Jahres in Kraft treten soll. Sämtliche Lieferungen sollen den Vorschlägen zufolge künftig mit einem fälschungssicheren Herkunfts-Zertifikat versehen und in Schutz-Containern transportiert werden. Dies könnte von Bürgerkriegen geplagten Ländern in Afrika helfen, Einnahmen aus dem Diamantenhandel zu besseren Zwecken zu verwenden als für Waffenkäufe.

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