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Politik

An ihren Taten will man sie messen

Die Kommentatoren der arabischen Zeitungen beschäftigen sich am Montag (21.4.2003) vor allem mit der amerikanischen Nachkriegspolitik im Irak.

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Die in London erscheinende überregionale Zeitung ASCHARQ-AL-AOUSAT meint, wenn die USA tatsächlich als Friedensbringer angesehen werden wollten, müssten sie sich auch entsprechend verhalten. Zitat:

"Die USA wollen im Irak nicht als Besatzungsmacht bezeichnet werden. Aber sie unternehmen nichts, um uns davon zu überzeugen, dass sie keine Besatzungsmacht sind. Nicht nur, dass sie ohne internationales Mandat handeln - sie benehmen sich auch keineswegs wie eine Verwaltungsmacht. Die Präsenz ihres Militärs, die Verhaftungen und andere Maßnahmen stehen nicht im Einklang mit dem offiziell erklärten Ziel, sie hätten hier eine Diktatur stürzen und Demokratie etablieren wollen."

Auch die unabhängige palästinensische Zeitung AL-QUDS ist der Ansicht, dass die USA ihre Befugnisse im Irak bei weitem überschreiten. Vor allem die Entscheidung über eine neue Regierung müsse beim Volk liegen. Das Blatt schreibt:

"Die Amerikaner haben als Besatzungsmacht nicht das Recht, eine politische Umbildung des besetzten Landes einzuleiten. Dieses Recht hat nur das irakische Volk. Die USA sind dafür zuständig, Sicherheit und Ordnung zu garantieren, und zwar nur so lange, wie es im begrenzten Rahmen der militärischen Besatzung notwendig ist. Es gibt keine liberale, befreiende, gerechte oder friedfertige Besatzung. Das ist nur eine Beschönigung, die aber nicht darüber hinweg täuschen kann, dass eine Besatzungsmacht keine Souveränitätsbefugnisse hat."

Die konservative jordanische Zeitung AD-DUSTUR kritisiert, dass die USA bereits den Exil-Iraker Ahmad Dschalabi für die Leitung der Nachkriegsregierung ins Gespräch gebracht haben. Zitat:

"Vor dem Krieg haben die USA so getan, als stünde die Person des Diktators Saddam Hussein für den ganzen Irak und das gesamte irakische Volk. Als Besatzungsmacht haben sie jetzt die Person Ahmad Dschalabi dazu auserwählt, Land und Leute zu repräsentieren. Dabei ignorieren sie alle geschichtlich gewachsenen politischen und gesellschaftlichen Strukturen im Irak."

Die jetzige amerikanische Besatzung im Irak sei mit der tatarischen Besatzung 1258 vergleichbar, meint die nationalistische Zeitung AL-BAYAN aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Blatt stellt fest:

"Damals wie heute wäre die Besatzung ohne die Hilfe anderer Regierungen in der Region nicht erfolgreich gewesen. Damals wie heute hat Verrat zum Fall Bagdads geführt. In beiden Fällen sollte die geschichtliche und zivilisatorische Identität des Iraks zerstört werden."

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