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Wirtschaft

An der Wall Street "business as usual"

Ein Jahr nach dem Lehman-Drama herrscht an den Finanzmärkten wieder der Alltag, als sei nichts gewesen. Auf dem Weltfinanzgipfel in Pittsburgh wird sich zeigen, wie ernst es Barack Obama mit den Regulierungsplänen meint.

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Die Schlüsselereignisse im Herbst 2008 brachten den Tsunami der Wirtschaftskrise richtig ins Rollen. Rund ein Jahr später herrscht in vielen Bereichen der Finanzindustrie trotzdem der Grundsatz "Business as Usual". Der Lern-Effekt ist immer noch nicht eingetreten und so ruft die Welt nach einer Finanzaufsicht. Bis heute ist kaum etwas passiert. Womöglich auch, weil man weiß: Wenn der Regelrahmen zu straff wird, könnte das Geschäft von der Wall Street beispielsweise nach Asien abwandern.

Große Pläne

Aber Präsident Barack Obama hat die Regulierung des Finanzmarktes nicht vergessen, wie er zum Jahrestag der Lehman-Pleite an der Wall Street deutlich machte. Von unterschiedlichen Seiten müsste man dem Problem begegnen. So möchte er zum Einen eine Behörde durchsetzen, die sich mit Verbraucher-Aufklärung beschäftigt. "Millionen Amerikaner haben Hypotheken-Verträge unterzeichnet, die sie gar nicht richtig verstanden haben", sagte Obama. Dank der neuen Behörde sollen Amerikaner künftig schlechte Konditionen besser durchschauen können.

US-Pr�dent Barack Obama w�end der Rede an der Wall Street (AP)

Zum Jahrestag der Lehman-Pleite hielt Barack Obama eine Rede an der Wall Street

Zum Zweiten brauche es eine Regulierungsaufsicht, welche für die gesamte Finanzbranche zuständig ist. "Wir werden eine Aufsicht schaffen, die die unterschiedlichen Regulierungen der unterschiedlichen Märkte zusammen bringt und Regulierungslücken so besser schliessen kann", meinte Obama. Wenn es nach ihm geht, ist hier die internationale Zusammenarbeit gefragt.

Hoffnung auf Pittsburgh

Also schauen jetzt alle nach Pittsburgh. Dort findet Ende September der nächste G-20 Gipfel statt. Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wird auch das Thema "Finanzaufsicht" auf der Agenda haben. Sharyn O‘Halloran von der Columbia University hingegen ist skeptisch: "Ich glaube nicht, dass eine globale Regulierung Sinn macht", meint die Politökonomin. Man brauche auf jeden Fall einen allgemeinen Regelrahmen, der die wichtigsten Ziele für alle festschreibt. "Ich glaube nicht, dass eine globale Regulierung durchsetzbar ist, wenn die USA eine Umsetzung noch nicht mal auf der nationalen Ebene schafft", so die Politökonomin weiter.

Zweifel am "To Big to Fail"- Grundsatz

Zentralen von der Deutschen Bank und der Dresdner Bank in Frankfurt (Foto: AP)

To big zu fail? - Das Bankenviertel in Frankfurt

Nach der Lehman-Pleite wollte man kein systemrelevantes Institut mehr fallen lassen und sprach von dem Grundsatz "To Big to Fail" - also zu groß, um fallen gelassen zu werden. Mit Rückhalt und der Gewissheit, im Zweifel gestützt zu werden, konnten die großen Institute nahezu ohne Risiko schnell wieder Gewinne machen. Künftig müsse hier besser unterschieden werden. "Ein Markt kann nur funktionieren, wenn die Teilnehmer sich auch darüber im klaren sind, dass sie Geld unter gewissem Risiko anlegen", sagte Obama in New York. Doch die Realität sieht noch anders aus. Durch das Bankensterben der vergangenen Monate sind einige Finanzinstiute heute sogar grösser als noch vor einem Jahr. Das systemische Risiko, dass ein Finanzkoloss die gesamte Finanzwelt lahmlegt, besteht nach wie vor.

Was fällt ihnen zum Thema Jahrestag der Finanzkrise ein? Darauf antwortet Teddy Weisberg, seit etwa 40 Jahren Aktienhändler an der New York Stock Exchange, prompt: "Trust!" Das Vertrauen in und an den Märkten ist gestört. Das sei wie bei einem Ehebruch. Es dauere Jahre, wenn nicht noch länger, bis der Fehltritt verziehen oder vergessen sei.

Autoren: Jens Korte und Miriam Braun
Redaktion: Zhang Danhong

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