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Asien

"An Asien kommt auch Washington nicht vorbei"

Ihre erste Auslandsreise im neuen Amt führt US-Außenministerin Clinton nach Asien. Ein Zeichen, wie wichtig der Kontinent für die USA ist? DW-WORLD.DE sprach mit Markus Tidten von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

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Hillary Clinton kurz vor ihrer Abreise nach Tokio - sie spricht vor der Asia Society in New York

DW-WORLD.DE: Japan, Indonesien, Südkorea und China. Das sind die Stationen für Hillary Clinton. Asien als Antrittsreise einer US-Außenministerin - statt wie sonst üblich - Europa. Inwieweit ist das als Signal zu werten?


Markus Tidten: Unmittelbar nach dem Amtsantritt der neuen Administration hat US-Präsident Obama sich zu den sogenannten Hotspots geäußert, zu den Themen und Regionen, die auf seiner Agenda ganz oben stehen. Asien wurde in diesem Zusammenhang nur unter ferner liefen genannt. Aber man hat in Washington schnell erkannt, dass sich dort eine ganze Reihe von drängenden Problemen auftut, allen voran natürlich das Thema Nordkorea. Der Regierung Obama ist klar geworden, dass Asien und die Pazifik-Politik wichtig sind für die USA.


Bleiben wir beim Thema Nordkorea. Japan steht traditionell eng an der Seite der USA. Wie nehmen die Japaner denn die neuen Töne aus Washington wahr – anders als Japan befürwortet die neue Administration ja eine weichere Linie gegenüber Pjöngjang?


In Tokio sieht man diesen Besuch mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite überwiegt der Stolz. Stolz darauf, dass Japan die erste Station der Clinton-Reise ist, sprich dass Japan vor China auf dem Programm steht. Das war in der Vergangenheit oft anders. Und gerade in Anbetracht der momentanen politischen Situation im Land ist es bemerkenswert. Denn in Tokio ist eine Administration im Amt, von der niemand genau sagen kann, wie lange sie überhaupt noch hält. Die Zustimmung zu dieser Regierung befindet sich auf einem Rekordtief, und Beobachter rechnen eigentlich damit, dass es noch vor September zu Neuwahlen kommen wird. Danach wird sich die politische Landschaft Japans ganz anders darstellen. Auf der anderen Seite gibt es in Japan jetzt auch die Befürchtung, dass der Besuch von Hillary Clinton eine Art Zuckerstückchen ist – dem dann sehr schnell ein Wermutstropfen folgen könnte. So könnten die USA beispielsweise im sicherheitspolitischen Bereich auf mehr Kooperation zwischen beiden Ländern drängen. Und das ist für Japan immer ein Problem.


Japan als Auftakt, China als Abschluss der Asienreise von US-Außenministerin Clinton. Wie hat Peking auf diese Reihenfolge reagiert?


Schon vor ihrer Abreise hat Außenministerin Clinton bei einer Rede vor der Asia Society in New York deutlich gemacht, dass der große Fokus der amerikanischen Außenpolitik auf künftig auf China liegen wird. Und vor diesem Hintergrund spielt die Reihenfolge der Reise-Stationen eher eine sekundäre Rolle – auch aus Sicht Pekings.


Asien hat einen hohen Stellenwert für die USA, das zeigt diese Reise. Was fordern die USA im Gegenzug von den asiatischen Partnern?


Zunächst einmal wird es an die Adresse der sogenannten Allianz-Partner – allen voran Japan – Forderungen im sicherheitspolitischen Bereich geben. Aber auch in Bezug auf die Wirtschafts- und Finanzkrise oder im Bereich Klimapolitik gibt es eine ganze Reihe von Dingen, die Washington mit den Asiaten besprechen möchte. Beispielsweise wird es darum gehen, wie man Maßnahmen zum Klimaschutz künftig besser koordinieren kann. Für einen Umweltsünder wie China beispielsweise ein hochsensibles Thema. Die neue US-Administration nimmt Asien wichtig, erwartet aber auf der anderen Seite auch etwas dafür.

Markus Tidten ist Asien-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin